Aussage revidiert  Moordorfer Saalbetreiber wusste doch von AfD-Treffen

| | 07.03.2024 18:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Nach Bekanntwerden der Pläne für das Treffen in Moordorf wurde eine Gegendemonstration geplant. Foto: Axel Heimken/DPA
Nach Bekanntwerden der Pläne für das Treffen in Moordorf wurde eine Gegendemonstration geplant. Foto: Axel Heimken/DPA
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Zunächst hatte Saalbetreiber Gerhard Schoon behauptet, von Veranstaltern eines AfD-Treffens in seinen Räumen getäuscht worden zu sein. Nun revidiert er seine Angaben und sagt: „Ich wusste Bescheid.“

Südbrookmerland - Und plötzlich stand erst einmal Aussage gegen Aussage: Nachdem der Moordorfer Gerhard Schoon unserer Redaktion gesagt hatte, nichts von Plänen für ein Treffen der AfD in seinem Veranstaltungsraum „Arche“ gewusst zu haben, behauptete die hiesige Kreisvorsitzende der Partei, Anja Arndt, das Gegenteil. Damit konfrontiert, revidiert Schoon seine öffentlich getätigten Aussagen und stellt klar: Ihm war von vornherein bewusst, um welche Art von Veranstaltung es sich in seinen Räumen handeln sollte. Nun bittet er alle, denen er die Unwahrheit gesagt hat, um Verzeihung.

Betreiber behauptete, getäuscht worden zu sein

Zur Erinnerung: In der vergangenen Woche waren Pläne für ein Treffen unter Beteiligung der AfD im Veranstaltungsraum „Arche“ von Gerhard Schoon bekannt geworden. Laut einem Einladungsschreiben, das offenbar an verschiedene Haushalte verteilt wurde, sollte das Treffen am kommenden Mittwoch, 13. März, stattfinden. Kreisverbandsvorsitzende Anja Arndt und weitere Mitglieder des Vorstandes sollten bei dem Treffen in Moordorf dabei sein, wie es in dem Schreiben weiter heißt. Anlass für das Treffen sei, „dass viele meiner Freunde und Bekannten mit der Politik der jetzigen Regierung unzufrieden sind“. Und weiter heißt es: „Die Berichterstattung der Medien, auch hier in Ostfriesland, und die Hetze gegen die AfD hat bei mir zum Entschluss geführt, Euch einfach mal bürgernah über die AfD zu informieren und Euch die Möglichkeit zu geben, sich kritisch mit der politischen Situation auseinanderzusetzen.“ Unter dem Text finden sich die Namen von Anja Arndt und von Bernhard Janßen. Als Gegner der AfD von den Plänen hörten, organisierten sie eine Demonstration, die unter anderem im Bereich des Veranstaltungsraumes stattfinden soll. Gerhard Schoon zeigte sich nach der Berichterstattung in dieser Zeitung überrascht. Er fühle sich von den Veranstaltern getäuscht, wie er in einem Gespräch am Mittwoch deutlich machte.

Saalbetreiber distanziert sich weiterhin von AfD

Dass in seinem Veranstaltungsraum „Arche“, im Bereich Ringstraße/Am Kiefmoor in Moordorf ein Treffen unter Beteiligung der AfD stattfinden sollte, habe er erst durch Aufrufe zu Gegendemonstrationen und die darauffolgende Berichterstattung erfahren. Sein Raum sei nicht für eine Veranstaltung der AfD, sondern für eine Geburtstagsfeier gebucht worden. Nachdem er von den Plänen hörte, habe er dem Veranstalter umgehend abgesagt.

Gerhard Schoon ist in Moordorf auch als „Bauer Lustig“ bekannt. Foto: Holger Janssen
Gerhard Schoon ist in Moordorf auch als „Bauer Lustig“ bekannt. Foto: Holger Janssen

Anja Arndt vom AfD-Kreisverband Ostfriesland meldete sich am Donnerstagnachmittag mit einer „Richtigstellung“ zu Wort. Darin heißt es unter anderem: „Ich stelle hiermit klar, dass in unseren Gesprächen mit Gerhard Schoon zu keinem Zeitpunkt von einer Geburtstagsfeier die Rede war. Er war von Anfang an im Bilde. Wenn er Gegenteiliges behauptet, ist das falsch, wenn auch in gewisser Weise verständlich, da er vermutlich unter erheblichen Druck gesetzt wurde.“ Tatsächlich gab Schoon im Gespräch mit unserer Redaktion an, er und seine Familie seien nach Bekanntwerden der Pläne für das Treffen in seinen Räumen bedroht worden. Arndt nennt es „erschreckend“ und es schade der Demokratie, wenn eine Person an den Pranger gestellt werde, weil sie einer gewählten Partei einen Veranstaltungsraum zur Verfügung stelle.

So wurde das Treffen geplant

Bernhard Janßen habe sich im Januar als Privatperson an Arndt gewandt. „Er fragte, ob ich bereit wäre, an einem privaten Treffen mit Bekannten und Freunden, die ein großes Interesse an der AfD haben, teilzunehmen. Es ginge darum, die AfD vorzustellen und Fragen zu beantworten. Er hatte zuvor mit Gerhard Schoon gesprochen, der seinen Clubraum explizit für diese Infoveranstaltung über die AfD zur Verfügung stellen wollte.“ Am 7. Februar habe sie persönlich mit Schoon telefoniert, um mit ihm abzuklären, welche Termine infrage kommen. „Wir sprachen offen über die aktuelle Politik, darüber, wer ich bin, und dass es eine Infoveranstaltung über die AfD ist“, so Anja Arndt abschließend in ihrer Stellungnahme.

Anja Arndt ist Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Ostfriesland. Foto: C. Koall/DPA
Anja Arndt ist Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Ostfriesland. Foto: C. Koall/DPA

Mit den Aussagen der AfD-Kreisvorsitzenden konfrontiert, machte Schoon am späten Donnerstagnachmittag dann reinen Tisch.

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„Ich hätte gleich ehrlich sein sollen“, sagte er. Tatsächlich habe er zugesagt, als er von Bernhard Janßen nach der Möglichkeit für ein solches Treffen in der „Arche“ gefragt wurde. Er habe seinerzeit nicht überblicken können, wie sich die Sache entwickeln würde. „Für mich sind alle Menschen gleich“, so Schoon, der seine Räume, wie berichtet, auch schon für Vereinsfeste, Teetafeln und muslimische Familienfeiern bereitgestellt habe. In einem Punkt bleibt Schoon aber bei seiner Aussage vom Mittwoch. „Mit der AfD habe ich nichts am Hut.“ Für ihn seien eben alle Menschen gleich und so könnten auch alle seine Räumlichkeiten nutzen.

Ob das Treffen stattfindet, ist unklar

Nach wie vor unklar ist nun, ob und wenn ja, wo das Treffen der AfD stattfindet. In Moordorf halten sich weiterhin Gerüchte, wonach die Teilnehmer in einem Zelt zusammenkommen könnten. Bestätigt ist dies aber nicht. Und nach dem Wirbel um die geplante Veranstaltung dürfte auch wohl kaum damit zu rechnen sein, dass die Veranstalter den Ort einer breiten Öffentlichkeit bekannt geben werden. Ebenfalls nicht bekannt ist, ob die Organisatoren der Gegendemonstration ihre Versammlung absagen, oder an ihren Plänen festhalten. Möglicherweise mit einigen Anpassungen an die neuen Gegebenheiten.