Autofabrik in Ostfriesland  Emder VW-Werk feierte nach 47 Jahren Abschied vom letzten Passat

| | 01.03.2024 15:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zahlreiche Mitarbeiter verabschiedeten am Freitag in Emden den letzten Passat. Foto: Volkswagen Emden
Zahlreiche Mitarbeiter verabschiedeten am Freitag in Emden den letzten Passat. Foto: Volkswagen Emden
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In „Mondsteingrau“ und für einen Kunden in Sachsen war das letzte Exemplar. Fast zehn Millionen gebaute Passat sicherten Ostfriesland viel Wohlstand.

Emden - In Mondsteingrau und mit Erinnerungsplakette für einen Kunden im sächsischen Mosel: Im Emder Volkswagenwerk ist am Freitag der letzte VW Passat Variant vom Band gelaufen. Damit endet in der Autofabrik am Dollart nach 47 Jahren eine Ära. Gemeinsam mit rund 200 Mitarbeitern aus allen Gewerken verabschiedeten Unternehmen und Betriebsrat nicht nur den letzten Passat, sondern auch die letzte Arteon Limousine für einen Kunden in Polen. Beide Fahrzeuge erhielten Edelstahlplaketten, die an den historischen Moment erinnern.

Mit mehr als 30 Millionen verkauften Exemplaren ist der Passat nach dem Golf und noch vor dem Käfer einer der meistverkauften Volkswagen und insgesamt eines der meistverkauften Autos der Geschichte.

Ein Drittel des gesamten Volumens wurde seit 1. Juli 1977 in Emden gefertigt. Die neunte Generation des Passat wird bereits im slowakischen Bratislava gefertigt. In Emden werden künftig die Elektromodelle ID 4, ID 7 und ID 7 Tourer gebaut. Als letztes Verbrenner-Modell bleibt noch der Arteon Shooting Brake.

Emden war Leitwerk für das Modell

Der Emder VW-Werksleiter Uwe Schwartz sagte zum Abschied: „Der Passat ist das Modell, das wir in unserer 60-jährigen Standortgeschichte mit Abstand am längsten gebaut haben. So wie der Tee zu Ostfriesland gehört der Passat zu Emden. Daher ist es für uns alle ein emotionales Kapitel, das wir heute beenden. Jahrzehntelang war der Emder Standort Leitwerk für das Modell und stand anderen Produktionsstandorten weltweit mit Rat und Tat zur Seite. Viele Kollegen haben auf ihre ganz eigene Art und Weise mit tollen, bewegenden Ideen den Passat verabschiedet. Das mitzuerleben war beeindruckend und wird mir in Erinnerung bleiben. Mit dem ID 7 Tourer steht ein Modell in den Startlöchern, das ein würdiger Nachfolger für den Passat ist und dessen Erfolgsgeschichte weiterschreiben wird. Dem Team in Bratislava übergeben wir den Passat mit den besten Wünschen.“

Betriebsrat: Passat hat über Jahrzehnte Wohlstand gesichert

Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulff sagte: „Acht Passat-Generationen haben vielen Menschen und Familien gute und nachhaltige Beschäftigung gegeben. Mit dem Passat ist unser Werk zur vollumfänglichen Fabrik gewachsen. Die zahlreichen Preise, die wir mit dem Passat gewonnen haben, sind ein Beleg für die hohe Qualität der bei uns in Ostfriesland gefertigten Fahrzeuge. Wir trauern dem Passat am Standort natürlich hinterher, weil er unseren Familien über Jahrzehnte Wohlstand beschert hat. Mit der Umrüstung auf Elektromobilität haben wir das Werk jedoch zukunftsfest aufgestellt. Nun werden wir alle Kraft und Zuverlässigkeit in die neuen Elektromodelle einbringen.“

Fünfte Passat-Generation war am erfolgreichsten

Doch noch einmal ein Rückblick: Am 1. Juli 1977, dem ersten Tag nach dem Werksurlaub, wurde der erste Passat in Emden aufgelegt. Die Verlagerung von Wolfsburg nach Emden war der Beginn einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte. Investitionen in die Fertigungstechnik in Höhe von 170 Millionen D-Mark machten den Standort Emden von einem Käfer-Werk zur flexiblen Fabrik für Mittelklassemodelle.

Alle acht Passat-Generationen wurden seitdem in Emden gefertigt: Das volumenstärkste Modell war zwischen 1996 und 2005 der Passat B5 mit rund zwei Millionen am Standort produzierten Einheiten. Gefolgt vom B8 mit rund 1,4 Millionen Exemplaren aus Ostfriesland. Seit 2017 ergänzte der Arteon die Emder Produktpalette.

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