Tourismus  Stadt Aurich lockt offenbar weniger Gäste als das Umland

| | 28.02.2024 10:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zimmerschlüssel an einem Brett an der Hotelrezeption. Foto: Sven Hoppe/DPA
Zimmerschlüssel an einem Brett an der Hotelrezeption. Foto: Sven Hoppe/DPA
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In Ostfriesland und auf den Inseln sind die Übernachtungszahlen 2023 leicht gestiegen. In Aurich nicht, aber es hat sich einiges andere entwickelt.

Aurich - In Binnen-Ostfriesland sowie an der Küste und auf den ostfriesischen Inseln ist die Zahl der Übernachtungen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2022 angestiegen. Das geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Landesamt und das Tourismusnetzwerk Niedersachsen nun veröffentlicht haben.

In der Tourismusregion „Ostfriesland“, die das Binnenland inklusive Teile Frieslands und des Ammerlands umfasst, ist die Zahl der Übernachtungen im Jahresvergleich um 0,6 Prozent gestiegen. An der Küste und auf den Inseln betrug das Wachstum 1,2 Prozent. Ein deutlich stärkeres Wachstum hatten im vergangenen Jahr allerdings andere Regionen Niedersachsens zu verzeichnen: Im Weserbergland wurden 12,7 Prozent, in Hannover-Hildesheim 12 Prozent und an der Mittelweser 12,2 Prozent mehr Übernachtungen verbucht.

Aurich hatte 2022 ein sehr gutes Jahr

Konkret wurden in der Tourismusregion „Ostfriesland“ im vergangenen Jahr 1,84 Millionen Übernachtungen registriert – 11.000 mehr als im Vorjahr. Auf den Inseln waren es 5,48 Millionen Übernachtungen – 65.000 mehr als 2022.

Ein Anhänger mit der Aufschrift «Frei» hängt an einer Tür zu einem Kosmetikraum. Foto: DPA
Ein Anhänger mit der Aufschrift «Frei» hängt an einer Tür zu einem Kosmetikraum. Foto: DPA

In der Stadt Aurich wurde nach Angaben von Marco Bordasch, dem Vorsitzenden des Auricher Verkehrsvereins, die Zahl der Übernachtungen des Jahres 2022 im vergangenen Jahr nicht erreicht. Gleichwohl seien die Zahlen auf einem hohen Niveau, sagt er. In der Stadt Aurich war das Jahr 2022 allerdings auch ein besonders gutes, das das vielerorts als Rekordjahr gehandelte Jahr 2019 deutlich übertraf.

Das Landesamt für Statistik hat die Zahlen für 2023 auf Gemeindeebene noch nicht veröffentlicht. Zudem erfasst die Statistik nur einen Teil der Übernachtungen, nämlich nur Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten sowie Wohnmobilstellplätze für mindestens zehn Fahrzeuge.

Die vollständigen Zahlen für die Stadt liegen also derzeit noch nicht vor. Laut Bordasch muss zur amtlichen Statistik noch das Gästeaufkommen aus Ferienwohngen gerechnet werden. Der Erfahrung nach kommt somit noch einmal etwa ein Drittel der Übernachten obendrauf.

Guter Mix an Unterbringungsmöglichkeiten

Gleichwohl sind die Zahlen des vergangenen Jahres nach Bordaschs Eindruck nur wenig schlechter als 2022. In der Stadt Aurich gebe es einen guten Mix an Unterbringungsmöglichkeiten, sagt er. Wenn eine Sparte schwächele, werde das von anderen im Gesamtbild wieder aufgefangen.

In Aurich finden die Hotelgäste ein breitgefächertes Spektrum an Übernachtungsmöglichkeiten. Foto: DPA
In Aurich finden die Hotelgäste ein breitgefächertes Spektrum an Übernachtungsmöglichkeiten. Foto: DPA

Neben Zimmern auf gehobenen Niveau gebe es in der Stadt auch Ferienwohnungen und die Jugendherberge. Und die Hotels hätten sich bei den Zielgruppen durchaus differenziert. So profitierten einige vom wieder deutlich gestiegenen Aufkommen an Geschäftsreisenden, andere setzten auf Wellnessurlaub und wieder andere überwiegend auf Busgesellschaften.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der in der Landesstatistik erfassten Hotelbetten in Aurich deutlich gestiegen, die Zahl der Hotels aber gesunken. Für die Jahre 2009 und 2010 sind in der Statistik 18 Betriebe registriert, für das Jahr 2012 sogar 22. Anschließend sinkt die Zahl kontinuierlich bis 2020, als es 13 erfasste Betriebe gab. Seit 2021stehen 14 Beherbergungsbetriebe in der Statistik.

Zahl der Betten in Aurich zuletzt deutlich gestiegen

Im Jahr 2021 kamen im Vergleich zum Vorjahr 39 Betten hinzu, im vergangenen Jahr stieg die Zahl noch einmal um 109 Schlafgelegenheiten. Und weitere Übernachtungsmöglichkeiten werden erwartet, wenn das neue Hotel am Pferdemarkt erst eröffnet.

Aurich hat in Hotels aber jetzt schon mehr „Schlafgelegenheitstage“, wie es im statistischen Bericht heißt, als jemals zuvor seit 2009 – nämlich 447.383.

Mit 146.589 Übernachtungen erreichte die Stadt im Jahr 2022 laut Landesstatistik auch den höchsten Wert seit 2017. Im touristisch in Niedersachsen generell sehr erfolgreichen Jahr 2019 verzeichneten die städtischen Betriebe 138.764 Übernachtungen. Setzt man Schlafgelegenheitstage und die Übernachtungen ins Verhältnis, lag 2022 die Auslastung bei knapp 33 Prozent.

Ein Blick in ein Zimmer mit einem verlassenen Bett. Foto: DPA
Ein Blick in ein Zimmer mit einem verlassenen Bett. Foto: DPA

Nimmt man die Faustregel von Bordasch, dass ein Drittel der Hotelübernachtungen zusätzlich noch im Sektor Ferienwohnung hinzukommt, wären die Auricher Gästebetten im vorletzten Jahr rund 195.000 Mal ausgelastet gewesen.

Auch wenn Bordasch sehr zufrieden ist, wie sich die Zahl der Geschäftsreisenden nach den Corona-Einschränkungen zuletzt wieder entwickelt hat, wird das Niveau der Auricher Boom-Jahre um 2011 nicht mehr erreicht. Die höchste Übernachtungszahl seit 2009 wurde 2011 mit 156.143 Bettennutzungen erreicht. 2017 gab es 150.647 Übernachtungen. 2019, 2013 und 2016 lag die Zahl zwischen 140.000 und 150.000.

Urlaub wird gemacht – aber mit der Hand auf dem Portemonnaie

Seit der Corona-Unterbrechung liegen die Zahlen nun wieder auf einem hohen Niveau, so Bordasch. Gleichwohl hätten die Häuser unter dem gestiegenen Kostendruck zu leiden. Personal, Energie und viele tägliche Güter hätten sich deutlich verteuert. Die Tourismus-Branche habe das Glück, dass Urlaub in Deutschland ein sehr wichtiges Gut sei. „Manche Leute schieben eher die Anschaffung eines Autos um ein Jahr, als den Urlaub ausfallen zu lassen.“

Tische im Restaurant warten auf Gäste. Foto: DPA
Tische im Restaurant warten auf Gäste. Foto: DPA

Es sei generell aber spürbar, dass die Touristen mit dem Geld vorsichtiger umgehen. Das wirke sich noch nicht auf die Länge der Aufenthalte aus, wohl aber auf den Betrag, der vor Ort ausgegeben werde, sagte der Touristiker.

Getroffen von der Sparsamkeit werden also eher die Geschäfte und die Restaurants in der Stadt. Öfter als früher komme es vor, dass die Gäste nicht mehr abends bummeln gehen, sondern ein Bringdienst aufs Zimmer liefert.

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