Kaum Interesse Politik in Südbrookmerland bei Bürgerbeteiligung unter sich
Oft wird Politik dafür kritisiert, Bürger zu wenig bei Entscheidungen einzubinden. In Südbrookmerland gab es dafür nun einen Versuch – ohne Erfolg.
Südbrookmerland - Alles war vorbereitet: Am Donnerstagabend sollten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit bekommen, bei der Gestaltung des neuen, auch öffentlich nutzbaren Spielplatzes auf dem Schulgelände der IGS in Moorhusen mitzureden. Politik und Verwaltung standen bereit, Entwürfe waren ausgelegt. Das einzige, was fehlte, waren interessierte Bürger. Bürgermeister Thomas Erdwiens versuchte, dem Ganzen etwas Gutes abzugewinnen.
Vor einigen Jahren beschloss die Südbrookmerlander Politik, weniger Geld und Arbeit in viele kleine Spielplätze zu stecken und stattdessen mehrere Anlagen mit umfangreicherer Ausstattung zu errichten. Die Idee der „Leuchtturmspielplätze“ war geboren. Am Großen Meer, in Moordorf und in Victorbur wurden solche Spielplätze in den darauffolgenden Jahren gebaut. Eigentlich sollten dann noch Anlagen in Uthwerdum und im nördlichen Teil der Gemeinde folgen. Doch dann gerieten die Planungen ins Stocken, weil sich manche Anwohner nicht damit anfreunden konnten, dass der Spielplatz vor der Haustür zugunsten einer entfernteren Großanlage weichen sollte. So begann man damit, die jährlich eingeplanten Haushaltsansätze von 100.000 Euro zu splitten.
Ein Fußballfeld als Herzstück in Moorhusen
Das soll auch mit Blick auf die Anlagen im Nordbereich so sein. Weil der Schulhof in Moorhusen ohnehin aufgewertet werden soll, entstand die Idee, diesen teilweise als öffentlichen Spielplatz auszuweisen. Außerdem soll die bestehende Spielplatzfläche an der Eibenstraße in Münkeboe wieder hergerichtet werden.
Was den Schulhof betrifft, arbeitete die Gemeindeverwaltung einen Gestaltungsvorschlag aus. Herzstück soll ein kleines Fußballfeld werden, wie es bereits auf dem Mehrgenerationenplatz in Moordorf zu finden ist. Darüber hinaus sind Spielgeräte für die jüngeren Jahrgänge, Grünflächen, Sitzgelegenheiten und neue Farbkonzepte geplant. Allerdings wollte die Politik nicht allein über die Entwürfe entscheiden und stattdessen die Bevölkerung beteiligen. Und zwar in einem zweistufigen Verfahren. So arbeitete der aktuelle Abiturjahrgang der IGS eine Umfrage für die Schüler des 5. und 6. Jahrgangs aus. Auch Elternvertreter, Lehrer und Schülervertreter wurden gefragt. Was die Nutzung durch die Schule betrifft, gibt es also ein aussagekräftiges Stimmungsbild. Dann sollte noch mit denen gesprochen werden, die die Anlage außerhalb der Schulzeiten nutzen. Also beispielsweise Eltern von Kindern, die nicht die IGS besuchen. Doch das Interesse daran war nicht vorhanden.
Sorgen wegen möglichem Vandalismus auf IGS-Gelände
Bürgermeister Thomas Erdwiens versuchte, dem Wegbleiben der Bürger etwas Positives abzugewinnen. „Die werden von den bisherigen Planungen sicher überwältigt sein“, mutmaßte er mit einem Augenzwinkern. Bauamtsleiter Konke Wienekamp pflichtete ihm bei. „Normalerweise kommen ja immer nur die Kritiker.“
Ohne die angedachte Diskussion vor Ort ging es dann ins Rathaus, wo die offizielle Sitzung des Ausschusses stattfand. Dort gab es weitere Details zu den Plänen. So haben zusätzliche Wünsche seitens der Schule dazu geführt, dass die ursprünglich angesetzten Kosten von 115.000 Euro auf 134.500 Euro angewachsen sind. Unter anderem, weil eine von der Schule gewünschte Markise zum Schutz vor der Sonne allein schon rund 12.000 Euro kosten soll. Allerdings will die Schule auch selbst einen Beitrag leisten, um die Mehrkosten etwas abzufedern. So bringe ein Sponsorenlauf erfahrungsgemäß etwa 6000 Euro ein, die in das Projekt fließen könnten.
Daniel Röpkes (SBL) lobte die Pläne und die Anstrengungen zur Beteiligung der Bürger ausdrücklich. Allerdings wollte er von den Planern wissen, wie sie das Gelände gegen Vandalismus schützen wollen. Eine Antwort darauf gab es unter anderem mit Blick auf das Soccerfeld. Das soll zwar zunächst offen gestaltet werden. Sollte sich aber zeigen, dass es von Unbefugten betreten und beschädigt wird, ließe es sich vergleichsweise einfach absperren. Insgesamt geht Bauamtsleiter Konke Wienekamp aber davon aus, dass Vandalismus vor Ort kein allzu großes Thema sein dürfte.
Er sprach von einer „stark ländlich geprägten Struktur. „Wir haben dort lange nicht so sozial schwierige Verhältnisse wie in Moordorf“, so Wienekamp. Deswegen befinde sich in Moordorf auch das Jugendhaus. Eine Aussage des Bauamtsleiters, die so manchem Moordorfer wohl sauer aufstoßen dürfte. Johann Schoolmann (FWG) warf ein, dass der private Sicherheitsdienst, der unter anderem für die Gemeinde den Mehrgenerationenplatz in Moordorf im Blick behält, auch in Moorhusen nach dem Rechten sehen könnte. „Das dürfte kein Problem sein.
Ein Südbrookmerlander Ratsmitglied stimmte gegen die Pläne
Tammo Keck (CDU) spricht sich schon seit Aufkommen der Idee, den Schulhof auch als Spielplatz zu nutzen, dagegen aus. Er hätte sich stattdessen einen Spielplatz im Neubaugebiet am Stieglitzweg in Moorhusen gewünscht, das ja bekanntlich auch noch erweitert werden soll.
Bei der Abstimmung war Keck aber letztlich der einzige, der die Planungen ablehnte. Alle anderen Mitglieder des Ausschusses stimmten für die Pläne. Die müssen nun noch durch den nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss.