Vorwurf  Offenbar fragwürdige EWE-Methoden im Glasfaser-Kampf

| | 21.02.2024 18:46 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der EWE-Stammsitz in Oldenburg. Foto: DPA
Der EWE-Stammsitz in Oldenburg. Foto: DPA
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Mit harten Bandagen wird in Südbrookmerland um die Gunst künftiger Glasfaserkunden gekämpft. Der EWE werden nun fragwürdige Methoden vorgeworfen.

Südbrookmerland - Mit zweifelhaften Methoden gehen derzeit offenbar Verkäufer von Glasfaser-Anschlüssen in Südbrookmerland vor. Das berichteten mehrere Einwohner der Gemeinde unserer Redaktion. Demnach sollen Kunden aufgefordert sein, ihre Vorverträge mit dem einen Anbieter zu kündigen und sich stattdessen an das Netz eines anderen Anbieters anschließen zu lassen. Die Folge ist ein sprichwörtlicher Breitband-Kabelsalat.

Wie berichtet, hatte die Deutsche Glasfaser im Herbst vergangenen Jahres mit einer sogenannten Vorvermarktung von Glasfaseranschlüssen in weiten Teilen der Gemeinde begonnen. Das Versprechen: Schließen mindestens 33 Prozent der infrage kommenden Haushalte einen Vorvertrag ab, werden die Leitungen für das schnelle Internet verlegt. Vertragskunden sollten die Leitungen ohne Mehrkosten bis ins Haus gelegt werden. Seit Ende Januar ist die Vorvermarktungsphase beendet. Jedoch äußert sich das Unternehmen bis heute nicht dazu, ob das Quorum, also die 33 Prozent, erreicht wurden. Man prüfe die Verträge und das könne noch eine Weile dauern, heißt es auf Anfrage. Das Unternehmen stellt dabei klar: Eine Entscheidung darüber, ob das Projekt verwirklicht oder zu den Akten gelegt wird, ist noch nicht gefallen.

Vorwurf: EWE-Verkäufer fordern zu Kündigung von Konkurrenz-Verträgen auf

Genau das behaupten laut Aussagen mehrerer Südbrookmerlander aber offenbar Verkäufer, die im Auftrag der EWE im Gemeindegebiet unterwegs sind. Übereinstimmend berichten die Kunden, die der Redaktion namentlich bekannt sind, dass ihnen nahegelegt worden sei, ihre Vorverträge bei der Deutschen Glasfaser zu widerrufen. Das Unternehmen habe sich von seinen Plänen für Südbrookmerland verabschiedet. Unklar bleibt dabei, warum die Kunden dann überhaupt ihre Vorverträge kündigen sollen. Schließlich werden diese erst bei einem tatsächlichen Ausbau wirksam. Die EWE betreibt gemeinsam mit der Deutschen Telekom das Unternehmen Glasfaser Nordwest. Die Firma hatte kurz vor Ende der Vorvermarktungsphase seines Mitbewerbers bekannt gegeben, ebenfalls ein Glasfasernetz in Südbrookmerland aufbauen zu wollen. Genauer gesagt in den Ortsteilen Moordorf, Victorbur und Uthwerdum. Anders als bei der Deutschen Glasfaser soll der Ausbau ohne Vorverträge erfolgen. Und zwar vergleichsweise zügig. Auf dem Parkplatz des Moormuseums in Moordorf stehen bereits Baumaschinen und dafür Material bereit.

Auf dem Parkplatz des Moormuseums in Moordorf stehen Material und Baumaschinen für den Ausbau durch Glasfaser Nordwest bereit. Foto: Holger Janssen
Auf dem Parkplatz des Moormuseums in Moordorf stehen Material und Baumaschinen für den Ausbau durch Glasfaser Nordwest bereit. Foto: Holger Janssen

Manche Südbrookmerlander Ortsteile gehen womöglich leer aus

Man könnte meinen, dass damit in Sachen Glasfaser in Südbrookmerland alles gut sei. Schließlich können die Kunden bei Glasfaser Nordwest sogar aus einem Pool an Vertragsanbietern wählen und sind nicht an ein einziges Unternehmen gebunden. Doch die Sache hat einen Haken. Und zwar für die Interessenten, die nicht in Moordorf, Uthwerdum oder Victorbur wohnen. Jagen EWE-Verkäufer der konkurrierenden Deutschen Glasfaser durch unlautere Methoden tatsächlich reihenweise Kunden ab, wird das 33-Prozent-Quorum möglicherweise nicht erreicht. Das würde dann Kunden beispielsweise in Münkeboe, Oldeborg oder Neu-Ekels treffen, wo das EWE-Telekom-Konsortium bislang keine Ausbaupläne hat.

Das sagt die EWE zu den Vorwürfen

Auf die von besuchten Kunden geschilderten Geschäftsmethoden der Verkäufer angesprochen, zeigt sich das Unternehmen kurz angebunden. Ein Sprecher bestätigt, dass Vertriebspartner im Auftrag der EWE in Südbrookmerland unterwegs seien, „um über die Vorteile eines Glasfaseranschlusses zu informieren“. Die Vertriebspartner seien angehalten, „sich nicht über etwaige weitere Glasfaseranbieter zu äußern, die einen möglichen Ausbau an Bedingungen knüpfen. Sollte es hier zu Irritationen gekommen sein, bedauern wir dieses“. Die Frage, ob die Vertriebspartner möglicherweise durch eine Provision oder andere Prämien von Vertragsabschlüssen profitieren, ließ der Sprecher unbeantwortet.

In den nächsten Tagen könnte es zudem noch unübersichtlicher werden. Die Deutsche Telekom hat nämlich angekündigt, ab dem 5. März ebenfalls Vertriebsmitarbeiter durch die Gemeinde zu schicken. Auch sie sollen von Tür zu Tür gehen. Die Vermarkter arbeiten laut einer Mitteilung nach klaren Richtlinien und Qualitätsvorgaben und könnten sich jederzeit als autorisierte Mitarbeiter ausweisen. Darüber hinaus sollen für „Haustürgeschäfte“ klare Regeln gelten.

Deutsche Glasfaser könnte für Klarheit sorgen

Ein Sprecher der Deutschen Glasfaser zeigte sich von dem geschilderten Vorgehen des Wettbewerbers wenig überrascht. Der Markt sei hart umkämpft und Vertriebler kassierten in der Regel Provisionen für abgeschlossene Verträge. Da werde auch schon mal unfair gespielt. Jedoch hätte sein Unternehmen vielleicht die Möglichkeit, dem einen Riegel vorzuschieben. Nämlich durch eine klare Aussage dazu, ob der Ausbau in Südbrookmerland erfolgt, oder nicht. Doch die lässt weiter auf sich warten, sodass etliche Kunden in der Gemeinde Südbrookmerland in Sachen Glasfaser weiter in der Luft hängen.

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