Unterbringung von Geflüchteten 45 Prozent aller Plätze des Landkreises sind in Stadt Aurich
Gut die Hälfte der Geflüchteten lebt im Kreisgebiet verstreut in Wohnungen. Steigt ihre Zahl weiter, gibt es noch Plätze in Auricher Sammelunterkünften. Doch was ist mit anderen Gemeinden?
Aurich - Geht es nach Investor Norbert Dittel aus Bremen, möchte er in diesem Jahr mit dem Umbau und der Sanierung der ersten Gebäude der früheren Blücherkaserne anfangen. Die Stadt will parallel an der Erschließung des neuen Wohnviertels arbeiten. Der Startpunkt des Umbaus soll direkt am früheren Kasernentor sein: Die Wache soll zum Wohnhaus werden, das bisherige Sanitätsgebäude zum Kindergarten.
An mehreren anderen Stellen kann Dittel ohnehin noch nicht loslegen. Der Landkreis Aurich hat fünf Gebäude beansprucht, um darin Geflüchtete unterzubringen. Hinzu kommen zwei Containeranlagen auf dem Gelände sowie die inzwischen beendete Nutzung der Turnhalle als Aufnahmequartier.
Wie lange werden die Gebäude beansprucht?
Für die Gebäude sind vertraglich Nutzungsfristen vereinbart. Zwei sogenannte H-Gebäude werden erst im ersten Quartal dieses Jahres überhaupt bezugsfertig. Eines von ihnen darf bis Ende 2026 zur Unterbringung Geflüchteter genutzt werden, das andere bis Ende 2029. Sie bieten je 205 Plätze.
Die Stadt Aurich freut sich über die Fertigstellung. Denn die Bewohner der Turnhalle der Kaserne wechseln in ein H-Gebäude. Die Turnhalle wird also frei für Schul- und Vereinssport.
Auch die Nutzung des Wirtschaftsgebäudes, des Nebengebäudes 13a und des Divisionsgebäudes ist laut Landkreis vertraglich auf Ende 2025 begrenzt. Lediglich das Offiziersgebäude 22 habe eine Verlängerungsoption. Vereinbart sei eine Nutzung bis April 2025. Die Stadt hat es in einer Vorlage im vergangenen Juni etwas anders formuliert: Der Bund beanspruche die Gebäude 21 (Kreiswehrersatzamt) und 22 „auf unbestimmte Zeit“.
Entwicklung der Zuweisungszahlen
Mit Spannung blickt die Kreisverwaltung auf den 1. April, wenn die neue Zuweisungsquote bekannt gegeben wird. „Die Zuweisungszahlen ändern sich gegenwärtig stark“, teilte ein Kreissprecher am 31. Januar mit. An der Zuweisungsquote ab April werde sich das Handeln der Kreisverwaltung orientieren, „sodass gegenwärtig eine Frage zur Entwicklung von Unterbringungsbedarfen schwer zu beantworten ist“. Was heißt das also? Dass doch noch weitere Bereiche der Kaserne gebraucht werden? Laut dem Auricher Bürgermeister Horst Feddermann hatte der Kreis eine Anfrage gestellt, weitere Geflüchtete auf dem Kasernengelände unterzubringen. Dem sei wegen der Umbaupläne nicht zugestimmt worden. Auch der Kreis verweist auf die Einigung: Für die meisten Gebäude gebe es „konkret festgelegte Vertragslaufzeiten, von denen nicht abgewichen werden kann“.
Wie sind die zur Verfügung stehenden Angebote bisher ausgelastet?
Ende Januar waren im Landkreis laut dem Sprecher insgesamt 2481 Geflüchtete entweder in Sammelunterkünften oder in Wohnungen untergebracht. Grundsätzlich stehen im Kreisgebiet insgesamt 3296 Plätze zur Verfügung, es waren zu dem Zeitpunkt aber nur 2631 auch tatsächlich belegbar – unter anderem, weil der Umbau der beiden H-Gebäude noch andauert. Ende Januar gab es laut einer Tabelle des Landkreises kreisweit noch 150 freie Plätze.
Wie verteilen die Plätze sich im Raum?
Der Kreis hat Ende Januar auf Anfrage Zahlen mitgeteilt: 3296 theoretisch belegbare Plätze gibt es im Landkreis insgesamt. 2631 davon sind tatsächlich verfügbar und 2481 belegt.
1352 davon befinden sich in insgesamt 320 privaten Wohnungen. Diese sind über das gesamte Kreisgebiet verstreut und lassen sich auf Basis der vom Kreis zur Verfügung gestellten Tabelle keiner Gemeinde zuordnen. Tatsächlich belegbar sind in den Wohnungen 1326 Plätze, von denen Ende Januar 1325 auch in Nutzung waren. Der Wohnungsmarkt ist also abgegrast. Derzeit leben gut 53 Prozent der Geflüchteten in Privatwohnungen.
In Wiesmoor befinden sich 31 der theoretisch verfügbaren Plätze. Die 20 tatsächlich dort verfügbaren Plätze sind alle belegt. Somit sind derzeit 0,81 Prozent der Geflüchteten in der Sammelunterkunft Wiesmoor untergekommen.
In Norden gibt es insgesamt 414 theoretisch verfügbare Plätze, von denen 322 zur Verfügung stehen und 292 belegt sind. In Norden leben derzeit 11,8 Prozent der Geflüchteten im Kreis. Insgesamt befinden sich in Norden 12,5 Prozent der geschaffenen Plätze.
In Aurich gibt es zwei Containeranlagen außerhalb der Kaserne. Eine – bei der Kreisvolkshochschule – ist mit 53 Menschen bereits um einen Platz überbelegt. Die zweite in den Internationalen Gärten bietet Platz für 78 Menschen und war Ende Januar mit 77 Personen belegt. Hinzu kommt die Kaserne. Insgesamt befinden sich 45,5 Prozent der im Kreis verfügbaren Plätze in Sammelunterkünften in Aurich, die meisten davon auf dem Kasernengelände.
Wie sieht es an der Kaserne aus?
Zwei der Auricher Unterkünfte sind als Notunterkünfte eingerichtet worden, beide auf dem Kasernengelände: Die Containeranlage II und das Gebäude 13a, ein Nebengebäude des Wirtschaftsgebäudes. Die Notunterkünfte haben jeweils 40 Plätze. 40 waren Ende Januar belegt.
In der Sporthalle der Kaserne gab es 75 Plätze, die Ende Januar aber nicht mehr belegt waren. Diese Plätze fallen nach Plan weg, die Bewohner sind in ein H-Gebäude umgezogen. Dort sind inzwischen 168 der 205 Plätze belegt.
Belegt war Ende Januar das H-Gebäude 11 (205 Plätze) zum Teil die Gebäude 12 (205 Plätze) und 13 (130 Plätze) hingegen noch nicht. Im Gebäude 22 waren die 73 verfügbaren der insgesamt 83 Plätze schon leicht überbelegt. Auch die Containeranlage I war mit 46 Personen voll belegt.
Die einzigen bezugsfähigen freien Plätze gab es Ende Januar auf dem Kasernengelände noch im früheren Wirtschaftsgebäude. Dort stehen derzeit 505 Plätze tatsächlich zur Verfügung. Von diesen waren 385 belegt, sodass es noch Kapazitäten für 120 Menschen gab.
Weitere 26 freie Plätze gab es in der Unterkunft in Utlandshörn in Norden, wo bereits 224 Menschen untergebracht waren.
Bilanz
Derzeit leben gut 53 Prozent der Geflüchteten in privaten Wohnungen, verteilt über das Kreisgebiet. Die Zahl der Plätze in den Sammelunterkünften und der Geflüchteten wird noch steigen. Von den theoretisch vorhandenen Plätzen befinden sich „nur“ 41 Prozent in Wohnungen. 59 Prozent der Plätze sollen sich mittelfristig in Sammelunterkünften befinden.
Nur eine einzige Sammelunterkunft gibt es in Wiesmoor. Sie ist nur zu zwei Drittel belegbar. Insgesamt befinden sich in Wiesmoor nur 0,94 Prozent der Plätze im Kreis Aurich.
In Norder Sammelunterkünften befinden sich 12,56 Prozent aller Plätze.
Der Großteil der vom Landkreis ausfindig gemachten Plätze liegt in Aurich. Insgesamt bieten die Sammelunterkünfte der Stadt 45,5 Prozent der Landkreis-Plätze. Derzeit sind 33,8 Prozent der Geflüchteten in Aurich untergebracht. Allein in der Kaserne befinden sich nach Beendigung des Ausbaus 42,45 Prozent aller Plätze. Derzeit leben dort 670 Menschen, mehr als 1300 Plätze sollen es werden.
Laut Kreissprecher erfolgt von dort kein nennenswerter Abfluss in den Wohnungsmarkt. „Die Unterbringung auf dem Kasernengelände ist als wohnungsähnliche Unterbringung konzipiert, sodass keine Überleitung in Wohnungen erfolgt.“ Es fänden vereinzelt Umzüge in selbst organisierte Wohnungen statt.
Auricher Positionen
Auf dem Kasernengelände lebt eine große Zahl Menschen, die dieses Ende 2025 in weiten Teilen eigentlich verlassen soll, weil die Gebäude an den Investor zurückgehen. Sowohl Feddermann als auch Bodo Bargmann (CDU), der sich als Auricher Ratsherr und Kreistagsmitglied intensiv und aus beiden Perspektiven mit der Kaserne beschäftigt hat, halten es für unmöglich, dass noch weitere Teile der Kaserne zur Unterbringung von Geflüchteten genutzt werden. Zum einen müsse auch die Entwicklung des neuen Quartiers vorangehen. Zum anderen äußerten beide Bedenken, dass Aurich weiter aufnahmefähig ist, wenn alle Plätze belegt sind. „Es geht nicht nur um Wohnraum, sondern die gesamte Infrastruktur“, so Bargmann. Dazu gehöre auch die ärztliche Versorgung und der öffentliche Nahverkehr. „Aus meiner Sicht sind dann erstmal die anderen Gemeinden im Landkreis gefragt. Aurich hat mit der Kaserne natürlich viel Potenzial, aber das ist nun mit zusätzlichen Containerdörfern auch ausgeschöpft“, so Feddermann.