500-Millionen-Projekt in Emden EU gibt grünes Licht für EWE-Wasserstoff-Fabrik
Deutlich verzögert hat sich das 500-Millionen-Euro-Projekt der EWE im Borssumer Hammrich. Nun ist man einen Schritt weiter. Doch es fehlt noch eine weitere Fördermittelzusage für die Groß-Elektrolyse.
Emden/Oldenburg - Nach monatelanger Verzögerung hat die EU-Kommission am Donnerstag grünes Licht für den Bau einer Wasserstoff-Fabrik der EWE im Borssumer Hammrich bei Emden gegeben – und zu weiteren Wasserstoff-Projekten, an denen der Oldenburger Energieversorger beteiligt ist. Im Teilprojekt 1 „Clean Hydrogen Coastline – Elektrolyse Ostfriesland“ will EWE in Emden eine 320-Megawatt-Elektrolyseanlage bauen. Auf einem sechs Hektar großen Grundstück am Wykhoffweg soll eine der größten Wasserstoff-Produktionsanlagen in Deutschland entstehen, die EWE will rund eine halbe Milliarde Euro investieren. Im Oktober 2022 hatte die EWE angekündigt, die Anlage schon 2026 in Betrieb zu nehmen. Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hatte von einem „Glückstag“ für Emden gesprochen. Der Auricher Landrat Olaf Meinen sah damit den „Start für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Ostfriesland“. Doch dann gab es Verzögerungen bei der Genehmigung durch die EU.
Damit will der Energiedienstleister nach eigenen Angaben erstmals ein Projekt im „marktrelevanten Maßstab“ für eine künftige Wasserstoffwertschöpfung realisieren. Je nach Zeitpunkt der Fördermittelübergabe und Investitionsentscheidung durch EWE könnte in Emden in vier Jahren, also 2028, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, heißt es. Insgesamt geht es bei der jetzigen EU-Genehmigung laut EWE-Pressemitteilung um die nationale Förderung von 33 europäischen Wasserstoffprojekten in der Infrastruktur-Welle namens „Hy2Infra“. Mit dabei ist das EWE-Vorhaben „Clean Hydrogen Coastline“. Mit dem Großprojekt hatte sich EWE im Februar 2021 im Rahmen eines europäischen Programms für eine Förderung beworben und im Mai 2021 die zweite Stufe des Verfahrens erreicht. Die Vorhaben dürfen nun auf Basis dieser Genehmigung staatlich gefördert werden.
EWE-Chef hofft auf Fördermittelzusage des Bundes
Mit dem vierteiligen Projekt „Clean Hydrogen Coastline“ beabsichtigt EWE gemeinsam mit Partnern den Aufbau einer norddeutschen Wasserstoffwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Aufbau der systemdienlichen Erzeugung, über die Speicherung und den Transport bis hin zur sektorübergreifenden Nutzung von grünem Wasserstoff im industriellen Maßstab. „Ich freue mich, dass das Warten auf die europäische Fördergenehmigung ein Ende hat. Wir sind damit einen wichtigen Schritt in Richtung Umsetzung unseres Wasserstoffprojekts gekommen. Jetzt hoffe ich, dass wir eine baldige Fördermittelzusage vom Bund bekommen, damit wir eine gute Grundlage für die finale Investitionsentscheidung in unseren Gremien haben“, sagt EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler.
Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist aus Sicht der EWE ein „zwingend notwendiger Schritt“ hin zu einem nachhaltigen und klimaschonenden Energiesystem. „Nur mit dem Energieträger Wasserstoff kann die Energiewende technisch und kommerziell gelingen. Durch die Umwandlung der fluktuierenden erneuerbaren Energien in Wasserstoff schaffen wir die Möglichkeit, grüne Energie jederzeit bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Wasserstoff ist damit eine unverzichtbare Komponente, um gesteckte Klimaziele zu erreichen und um die drei Sektoren Energie, Mobilität und Industrie zu koppeln“, erklärt Stefan Dohler. „Denn Fakt ist, es wird keine ‚All Electric‘-Welt geben. Sie wäre nicht bezahlbar. Daher braucht es grüne Moleküle.“
EWE: Wasserstoff ist zwingend notwendig für Energiewende
Für das „Clean Hydrogen Coastline“-Projekt plant EWE nach aktuellem Stand mit Investitionen in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro. Dohler: „Mit der beihilferechtlichen EU-Fördergenehmigung und der bereits avisierten nationalen Förderung steht jetzt der Rahmen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft im Nordwesten. Er ist ein zwingend notwendiger Schritt für das Gelingen einer klimaneutralen Energiezukunft. Wasserstoff hat das Potenzial, Wohlstand und Klimaschutz für zukünftige Generationen zu ermöglichen.“
Mit dem Vorhaben „Clean Hydrogen Coastline“ beabsichtigt EWE in einer ersten Phase 370 Megawatt Erzeugungskapazität mit entsprechender Speicherung von grünem Wasserstoff in unterirdischen Salzkavernen zielgerichtet ins Energiesystem zu integrieren. Der zum Beispiel durch Offshore-Strom erzeugte Wasserstoff soll unter anderem für die klimaneutrale Stahlerzeugung, die Chemieindustrie und auch Kraftwerke eingesetzt werden. Außerdem könne die Grundlage geschaffen werden, um wasserstoffbetriebene Busse, Züge und Nutzfahrzeuge in Betrieb zu bringen. Die Optimierung der Gasnetze für den Transport von Wasserstoff im Nordwesten würde eine Verbindung für das grüne Gas zwischen den Niederlanden, Deutschland und Dänemark ermöglichen.
Weitere Anlage in Bremen geplant
Neben dem Groß-Elektrolyseur in Emden plant die EWE außerdem in Bremen eine 50-Megawatt-Elektrolyseanlage. Nutzen will EWE den in Emden und Bremen produzierten Wasserstoff unter anderem für die klimaneutrale Stahlproduktion am Bremer Standort von Arcelormittal, bei der Salzgitter AG und in der Georgsmarienhütte.
Im dritten Teilprojekt plant die EWE die Anbindung der Wasserstoffinfrastruktur an seinen Kavernenspeicher in Huntorf bei Elsfleth (Wesermarsch). Ziel ist laut EWE, einen von sieben großen, unterirdischen Hohlräumen, die derzeit für die Erdgasspeicherung genutzt werden, umzurüsten und obertägige Anlagen zu errichten, um Wasserstoff zu speichern. Den Nachweis, dass Wasserstoff sicher in Salzkavernen gelagert werden kann, erbringe man gerade bei einem Forschungsvorhaben am Gasspeicherstandort in Rüdersdorf bei Berlin, heißt es.
Im vierten Teilprojekt soll ein Pipeline-Netz für den Anschluss ans zukünftige europaweite Wasserstofftransportnetz entstehen.