Prozess vor Landgericht beginnt  Brand in Norder Klinik – 51-Jährige in Aurich vor Gericht

| | 15.02.2024 09:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Brand in einem Patientenzimmer sorgte am 29. Oktober 2022 für einen Großeinsatz in der UEK Norden. Foto: Feuerwehr
Der Brand in einem Patientenzimmer sorgte am 29. Oktober 2022 für einen Großeinsatz in der UEK Norden. Foto: Feuerwehr
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Rund 200 Einsatzkräfte eilten am 29. Oktober zur UEK Norden. Eine Frau hatte ihr Patientenzimmer in Brand gesteckt. Nun steht die 51-Jährige vor Gericht – sie könnte aber schuldunfähig sein.

Aurich/Norden - Weil sie einen Brand in der Ubbo-Emmius-Klinik in Norden gelegt haben soll, muss sich eine 51 Jahre alte Frau aus Hage ab Dienstag, 20. Februar, vor dem Landgericht Aurich verantworten. Wie das Gericht mitteilt, wirft die Staatsanwaltschaft Aurich der Frau vor, am 29. Oktober 2022 Gegenstände in ihrem Patientenzimmer angezündet und das Zimmer dann verlassen haben. An dem Zimmer soll durch den Brand ein Schaden in Höhe von rund 20.000 Euro entstanden sein. Menschen sollen aber nicht zu Schaden gekommen sein, heißt es vom Landgericht.

Die Beschuldigte soll die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben, es handelt sich daher um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Am Ende könnte die Unterbringung der Frau in einer Klinik stehen, wenn bei ihr eine Erkrankung festgestellt wird.

Drei Verhandlungstermine angesetzt

Der Prozess vor der 3. Großen Strafkammer des Auricher Landgerichts mit dem Vorsitzenden Richter Klein beginnt am Dienstag, 20. Februar, um 9 Uhr im Schwurgerichtssaal (003).Fortsetzungstermine sind für Montag, 4. März, 13.30 Uhr und Dienstag, 19. März, 9 Uhr, angesetzt. Es sind Zeugen und ein Sachverständiger geladen.

Zur Erinnerung: Fast 200 Einsatzkräfte aus ganz Ostfriesland eilten an jenem 29. Oktober 2022 zur UEK nach Norden Gegen 16.20 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Norden nach Auslösung der automatischen Brandmeldeanlage der Klinik alarmiert. Als die Einsatzkräfte den Bereich auf einer Station im Erdgeschoss erreichten, öffnete nach damaligen Angaben des stellvertretenden Norder Stadtbrandmeisters Thomas Weege eine Pflegerin ein Patientenzimmer. Ihr schlug dichter schwarzer Rauch entgegen. In dem Zimmer waren große Flammen sichtbar. Ob sich noch Personen darin befanden, war zunächst unklar.

Der Eingang zum Landgericht im Auricher Schloss. Foto: Romuald Banik
Der Eingang zum Landgericht im Auricher Schloss. Foto: Romuald Banik

Patienten wurden evakuiert

Der Brandraum wurde sofort wieder verschlossen. Das Pflegepersonal begann umgehend mit der Feuerwehr, die 20 Patienten der Station in einen sicheren Außenbereich zu führen. Rauch entwich durch ein geöffnetes Fenster ins Freie und drang in zwei darüber befindliche Stationen.

Im ersten Obergeschoss mussten deshalb 35 weitere, teils bettlägerige und Patienten mit Mobilitätsproblemen aus ihren Zimmern geholt werden. Sie wurden in Betten liegend oder an Gehhilfen laufend auf eine andere Station gebracht. Einige mussten laut Feuerwehr zunächst von medizinischen Geräten getrennt werden. Wegen der unübersichtlichen Lage wurde für die Norder Feuerwehr sowie den Rettungsdienst und das Deutsche Rote Kreuz aus dem gesamten ostfriesischen Raum Großalarm ausgelöst. Von den Nachbarfeuerwehren Lütetsburg und Hage kamen zusätzliche Atemschutzgeräteträger. Von der Feuerwehr Aurich machte sich die Drehleiter auf den Weg.

Vorbereitung für massenhafte Patientenverlegung

Die Leitstelle Ostfriesland informierte unterdessen vorsorglich umliegende Krankenhäuser und fragte deren freie Bettenkapazitäten ab. „So war alles für einen Massenanfall von Verletzten vorbereitet und im Bedarfsfall hätten so zeitnah zahlreiche Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden können“, so Weege. 92 Feuerwehrleute, 60 Sanitäter und 22 DRK-Kräfte waren vor Ort, ebenso drei Notfallseelsorger.

Atemschutzgeräteträger konnten den Zimmerbrand aber zügig unter Kontrolle bringen – ohne dass ein Patient das Krankenhaus verlassen musste. Mit mehreren Hochleistungslüftern befreite die Feuerwehr die betroffenen Bereiche von Rauch und Brandgeruch. Durch das umsichtige Handeln des Klinikpersonals und der Feuerwehr konnte eine weitere Ausbreitung von Feuer und Rauch verhindert werden.

Polizei ging schnell von Brandstiftung aus

Das betroffene Zimmer wurde versiegelt und am Abend von der Tatortgruppe der Polizei untersucht. Kurz darauf teilte die Polizei mit, dass sie von Brandstiftung ausgehe.

Nur wenige Wochen zuvor, Anfang September 2022, hatte es einen Brand in der UEK in Aurich gegeben. Ein technischer Defekt hatte damals zu einem Feuer im Fachärztezentrum geführt. Ein hoher Sachschaden war die Folge.

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