Umwandlung des Klinik-Standorts Für Norder RGZ ist noch einige Überzeugungsarbeit nötig
Die Verantwortlichen sind sich sicher, dass das Konzept des Gesundheitszentrums Vorbild sein kann. Doch bis dahin sind einige Herausforderungen zu bewältigen – eine Rolle spielen dabei die Hausärzte.
Norden - Sie hat in den Notaufnahmen in Aurich und Norden als Oberärztin gearbeitet, war früher auch in einer ambulanten Praxis tätig. Seit Januar ist Dr. Nicole Gerlach Ärztliche Leiterin des „Regionalen Gesundheitszentrums“ (RGZ), zu dem das Norder Krankenhaus umgewandelt wurde. Die 41-Jährige ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Erfahrung in der Intensivmedizin, Angiologie sowie im Wundmanagement und Geriatrie mit Alterstraumatologie.
Gerlach, die ursprünglich aus dem Raum Hannover stammt, hat die Herabstufung der Notaufnahme der UEK Norden zu einer Notfallambulanz von Anfang begleitet. Sie ist überzeugt von dem neuen Konzept für den Standort Norden, wie sie in einem Pressegespräch am Freitag betonte. Dazu gehört auch das Projekt „Statamed“, das ambulante und stationäre Versorgung verbinden soll. Dafür kommen Patienten mit bestimmten Erkrankungen in Frage, vor allem ältere Menschen oder solche mit chronischen Beschwerden. Gerlach nannte das Beispiel eines Diabetes-Patienten, der schlecht eingestellt ist. Diesen könne man dann einige Tage auf der Kurzliegerstation mit ihren 25 Betten betreuen, erklärte die Ärztin.
Ab 1. April soll „Statamed“ in Norden offiziell starten, die Stellen für eine „Flying nurse“ („fliegende Krankenschwester“) und einen „Patientenlotsen“ sind bereits besetzt, wie der Transformationsbeauftragte für den Klinikstandort Norden, Dr. Hans-Joachim Winterling, sagte.
Ärzte sollen noch überzeugt werden
Doch ein Problem gibt es noch: Die niedergelassenen Ärzte im Norderland sind offenbar noch nicht alle restlos überzeugt von dem neuen Projekt. Doch ohne deren Einweisungen von Patienten kann „Statamed“ nur schwer funktionieren. Derzeit habe man 38 Hausärzte im Bereich Norden vorgesehen. Einen Versorgungsvertrag mit den Ärzten gibt es jedoch noch nicht, räumte Winterling ein.
Man habe zwei Infoveranstaltungen für die Ärzte gemacht. Die Resonanz sei jedoch überschaubar gewesen. Man sei aber überzeugt, dass das neue Konzept auch die Ärzte entlasten kann und zu deren Vorteil sei. „Es ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten“, so Winterling. Andreas Epple von der UEK-Vermögensverwaltung des Landkreises Aurich, der sich um die Standortnutzungen kümmert, meinte: „Es ist eine Frage der Zeit, bis die Hausärzte überzeugt sind. Es ist eine Entlastung für sie.“
Gute Rückmeldungen habe man bereits von Altenpflegeeinrichtungen, deren Bewohner ebenfalls potenzielle Nutzer von Statamed wären.
Insgesamt sind im Regionalen Gesundheitszentrum in der bisherigen Klinik derzeit vier Ärzte tätig – einen weiteren suche man noch.
Ärztliche Leiterin Dr. Nicole Gerlach betonte, dass am Standort Norden weiterhin viele wichtige Untersuchungen möglich seien, etwa Blutuntersuchungen, Ultraschall oder Röntgen.
Wie berichtet ist die Notfallambulanz am Standort Norden künftig montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet. An Sonn- und Feiertagen ist sie geschlossen, außer 2024 an Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten.
Auslastung ist unterschiedlich
Die Auslastung des RGZ sei derzeit unterschiedlich, wie früher auch, betonte Gerlach. Auch in der Notfallambulanz gebe es bestimmte Stoßzeiten. 15 bis 20 der 25 Betten seien in der Regel belegt, davon drei bis fünf im Palliativbereich.
Neben der Ärztlichen Leiterin Dr. Nicole Gerlach hat im Bereich Pflege der bisherige Leiter der Intensivstation, Tjardt Kröger, die Leitung des RGZ übernommen. Die übergeordnete pflegerische Bereichsleitung für den Standort Norden hat Sonja Fischer inne, die bereits viele Jahre standortübergreifend als Bereichsleitung der Psychiatrie tätig ist. „Mit Frau Fischer und Herrn Kröger sind wir für das RGZ bestens aufgestellt. Fischer leitet den Bereich auch dank ihrer wissenschaftlichen Ausbildung mit großer Expertise und Herr Kröger kennt das Norder Haus wie seine Westentasche“, erklärt Pflegedirektor Oliver Bungenstock.
Insgesamt sind nach Ansicht von Andreas Epple RGZ und Statamed Projekte, mit denen man eine „Vorreiterrolle“ in ganz Deutschland einnehme.
Für RVZ werden Hausärzte gesucht
Mit unter das Norder Klinikdach kommt auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), das derzeit von Nebengebäuden ins Hauptgebäude umzieht. Dort werden weiter Gastroenterologie (mit Darmspiegelungen), Kardiologie und Chirurgie (mit ambulanten Operationen) angeboten, betonte MVZ-Geschäftsführer Thomas Hippen.
Förderung vom Land gibt es außerdem für das Projekt namens „Regionales Versorgungszentrum“ (RVZ). Doch dafür werden noch Hausärzte gesucht, die in die Klinikräume einziehen möchten – sie können entscheiden, ob sie selbstständig oder angestellt arbeiten möchten. Ein Gutachten, das die Möglichkeiten des RVZ auslotet, soll in Kürze in Auftrag gegeben werden. Im Sommer sollen die Ergebnisse möglichst der Politik vorliegen, sagte Thomas Hippen. Und Andreas Epple ist sich sicher: „Es wird keine freien Räume im Gebäude geben.“