Probleme am Einkaufszentrum am Pferdemarkt  Anwohner beklagen sich über Lärm und nächtliches Eindringen in Gärten

| | 01.02.2024 14:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Unter anderem auf dem Parkdeck treffen sich einer Anwohnerin zufolge junge Menschen, um Partys zu feiern. Foto: Romuald Banik
Unter anderem auf dem Parkdeck treffen sich einer Anwohnerin zufolge junge Menschen, um Partys zu feiern. Foto: Romuald Banik
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Seit wieder Leben in die frühere Kaufhalle in Aurich eingekehrt ist, ist nach Ladenschluss auch auf dem Parkplatz mehr los. Anwohner sind genervt und haben Angst.

Aurich - Im Auricher Bauausschuss ging es am Mittwoch nicht nur um Parkplätze und Sozialwohnungen im Bereich des neuen Einkaufszentrums am Pferdemarkt. Schon in der Diskussion um den neuen Bebauungsplan fragten mehrere Ausschussmitglieder nach möglichen Vorgaben hinsichtlich des Lärmschutzes in Richtung Blücherstraße. Als am Ende der Sitzung eine Anwohnerin sich zu Wort meldete und erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität durch Lärm bis spät in die Nacht sowie das Eindringen in Gärten schilderte, klopften die Ausschussmitglieder sogar unterstützend auf die Tische.

Nicht zum ersten Mal melden Anwohner sich zu Wort. Auch in der Ortsratssitzung Kernstadt am vergangenen Donnerstag brachten Bürger Beschwerden vor, wie Ortsbürgermeister Timo Mehlmann (SPD) auf Nachfragte berichtete. Der Ortsrat habe die Beschwerden gut nachvollziehen können und nur unter der Bedingung der Fortsetzung des B-Plan-Verfahrens zugestimmt, dass dort ein Lärmschutz mit verankert werde.

Rokicki: Früher gab es durch Mauer, Freifläche und Wallhecke Schutz

Richard Rokicki (AWG) trug diesen Beschluss in den Bauausschuss weiter. Früher habe es zwischen dem Parkplatz und den Gärten der Anwohner eine Mauer, die Freifläche des Schützenvereins und eine Wallhecke gegeben, die die Geräuschkulisse abgefangen hätten. Nun sei die Wallhecke abrasiert worden, so Rokicki. Ohne die Mauer seien die Anwohner schutzlos gegen die Geräusche vom Parkplatz. Und auch der Durchgang sei nicht mehr so blockiert wie in Zeiten der Mauer. Er werde dem B-Plan nicht zustimmen, wenn dort nicht eine Lärmschutzwand festgesetzt werde, so Rokicki. Außerdem müsse aus seiner Sicht die Wallhecke wieder in altem Zustand hergestellt werden.

Planungsamtsleiter Mirko Wento betonte mehrmals, dass es nicht möglich sei, einen Lärmschutz festzuschreiben. Nach altem B-Plan sei dieser nicht vorgesehen. „Wir können das nicht im Nachhinein festschreiben“, so Wento. Das Planungsrecht sei auch nicht für ordnungsrechtliche Fragen gemacht. Probleme mit Lärm und feiernden Jugendlichen seien eine Sache des Ordnungsamtes oder der Polizei.

Hoffnung auf Schallschutz durch Gebäude

Bodo Bargmann (CDU) bezweifelte, dass eine niedrige Mauer und die Freifläche eine derart dämmende Wirkung gehabt haben können. Sobald das Schützenhaus erweitert und daneben in der Ecke zur Blücherstraße und zum Familienzentrum der Neubau erreichtet sei, werde es wieder einen Schallschutz für die Anlieger geben.

Doch wie lange wird das noch dauern? Das hängt vom Fortgang des B-Plan-Verfahrens und der Baugeschwindigkeit ab. Laut Investor Wilhelm Schomaker sei alles bereit für einen Bauantrag für das neue Gebäude. Der Bau werde dann noch etwa ein Jahr dauern.

Anwohnerin berichtet von Partys und das Eindringen in Gärten

Eine Anwohnerin schilderte, dass es um weit mehr gehe als um Lärmschutz. „Man macht sich kein Bild, was auf dem Parkplatz nach 22 Uhr möglich ist.“ Auto-Poser seien dort lautstark unterwegs. Außerdem Sprayer und Jugendliche, die dort Partys feiern würden. Dabei werde auch das Parkdeck genutzt. Der Lärm vom Befahren der Rampe sei groß. „Akustisch ist das wirklich nächtlicher Terror“, so die Anwohnerin.

Die Polizei sei mehrfach vorgefahren, aber meist nur über die Schützenstraße, sodass die Autofahrer über den Breiten Weg abgehauen seien. Zum Teil seien die jungen Leute auch in Gärten eingedrungen. Eine Nachbarin habe nach einer Ortsabwesenheit festgestellt, dass offenbar mehrfach bei ihr gegrillt worden sei, schilderte die Bürgerin. Auch einen Raubüberfall auf eine Radfahrerin brachte sie in Verbindung mit dem leichten Durchgang zwischen dem Supermarktparkplatz und der Blücherstraße. Jugendliche hätten eine Frau angegriffen. „Das Leben in der Blücherstraße hat sich drastisch geändert.“ Der Parkplatz sehe tagsüber so „lieb und nett“ aus, am späten Abend zeige sich aber ein anderes Bild, so die Bürgerin. Eine Schranke an den Parkplatzzufahrten könne möglicherweise schon die Probleme reduzieren.

Ordnungsamt will sich mit Polizei wegen Prävention abstimmen

Polizeisprecherin Wiebke Baden sagte auf Nachfrage, dass einer 43-jährigen Radfahrerin im vergangenen August am frühen Abend in der Blücherstraße die Tasche weggerissen worden sei. Sie sei daraufhin gestürzt. Ein Täter sei dann in Richtung der Baustelle am Supermarktparkplatz geflüchtet. Die Polizei suchte damals Zeugen.

Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht liegen keine Beschwerden über Lärm auf dem Parkplatz vor, wie er sagte. Es habe im vergangenen Jahr lediglich einen Hinweis auf Geräusche durch den Supermarktbetrieb gegeben.

Lücht kennt die Situation, dass junge Auricher sich abends auf Parkplätzen treffen, aber von anderen Stellen. Nicht immer sei zu verhindern, dass dann mit quietschenden Reifen gefahren werde. Als es Probleme im Bereich des Karl-Heinrich-Ulrichs-Platzes gegeben habe, hätten Polizei, Landkreis und Stadt zusammen einen Flyer entwickelt und den Kontakt gesucht. Das habe nicht dazu geführt, dass es gar keine Lärmprobleme mehr gebe. Aber sie seien deutlich kleiner geworden, so Lücht.

Er wolle sich mit der Polizei in Verbindung setzen und prüfen, was präventiv auch im Bereich der früheren Kaufhalle möglich sei. Einige Unternehmer, auf deren Gelände sich nachts junge Autofahrer getroffen hätten, hätten Schranken installiert, so der Ordnungsamtsleiter. Das sei technisch aber zum Teil sehr aufwendig oder wegen Anlieferungen nicht möglich.

Investor hält Neubau und Ansiedlung für eine Lösung

Investor Wilhelm Schomaker wehrt sich gegen den Vorwurf, dass er die Wallhecke gelichtet und so den Schallschutz verringert habe. Zwei Bäume seien kürzlich bei Sturm selbst umgefallen. Und für die vorherigen Rodungsarbeiten seien andere verantwortlich, so der Dörpener.

Er geht davon aus, dass sich die Probleme erledigen, wenn es auf dem Gelände erst weitergeht. Wenn der Neubau stehe, seien die Anwohner dadurch besser vor Lärm geschützt – und zwar besser als vor der Neunutzung des Areals.

Dann soll es nur noch eine kleine Verbindung für Radfahrer und Fußgänger um das neue Gebäude herum geben, ansonsten sei der Durchgang dann dicht. Sobald die Wohnungen bezogen und das Hotel in Nutzung sei, erledige sich vieles von allein, weil der Parkplatz dann unter Aufsicht sei, meint der Investor.

Schon jetzt versuche der Bünting-Konzern nach seiner Kenntnis, nächtliche Besuche auf der Rampe und dem Parkdeck durch das Verschließen der Tore zu unterbinden. Das gesamte Areal mit Schranken abzuriegeln sei aus seiner Sicht spätestens mit dem Betrieb des Hotels nicht mehr möglich.

Auch Ausschussvorsitzender Manfred Möhlmann (CDU) äußerte am Mittwoch die Hoffnung, dass die Nutzung der Wohnungen und des Hotels die Situation entschärfen wird.

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