Landwirtschaftsmesse in Tannenhausen Stürmischer Auftakt der Wintermesse
Die Landwirtschaftsmesse findet diesmal wieder im Winter statt. Das führte zu weniger Ausstellern auf den Außenanlagen und einem kleinen Sturmschaden. An den Ständen geht es um große Investitionen.
Aurich - Stürmisch war am Mittwoch der Auftakt zur Ostfriesischen Landwirtschaftsmesse auf dem Mehrzweckgelände. Und das nicht wegen der gewittrigen politischen Großwetterlage auf Bundesebene, sondern wegen Sturmtief Jitka.
Kurz vor Eröffnung der Schau am Mittag war um 11 Uhr noch eine Plane vom Messezelt gerissen worden. „Das darf eigentlich nicht passieren“, so Ausstellungsleiter Hinrich Ufkes. Bis zur letzten Minute versuchten die Zeltbauer, das Loch im Giebel zu schließen – kurz nach Messebeginn auch mit Erfolg. Das kurzzeitig ausgekühlte Zelt musste wieder auf Temperatur gebracht werden. Der Wind zerrte weiter an der Konstruktion, die Aussteller schauten teils besorgt auf die Befestigungen, bis sich die Lage am Nachmittag beruhigte.
Wintertermin kostet Aussteller im Außenbereich
Das Wetter – das war ein Unterschied gegenüber den vorherigen Landwirtschaftsmessen in Tannenhausen. In den vergangenen beiden Jahren war die Messe im Juni gewesen – zuletzt bei großer Hitze in den Zelten, aber mit großem Außenbereich und vielen Angeboten für „Interessierte“, die nicht zum Fachpublikum gehören. Jedoch auch mitten in der Hauptarbeitssaison der Landwirte. Zu Jahresbeginn haben die Landwirte als die Hauptzielgruppe nun mehr Zeit. Dafür ist die Zahl der Außenaussteller witterungsbedingt kleiner als zuletzt, wie Ufkes sagte. Statt zuletzt rund 140 Stände sind es diesmal 104.
Die Konkurrenz bei den Messen ist groß, der Messekalender gerade im Sommer voll. Mehrere befragte Aussteller begrüßen einen Termin in der frühen Saison, sprachen im ON-Gespräch allerdings vor allem von Februar als Wunschmonat. Die zweite Januarhälfte gehört eben doch traditionell der Grünen Woche in Berlin, wo auch viele Landwirtschaftsvertreter aus Ostfriesland weilen.
Politische Debatten blieben draußen
Ufkes ist nicht böse, dass die aktuellen Konfliktlinien der Agrarpolitik nicht das Geschehen in Tannenhausen dominieren und nicht Trecker die Zufahrt für Besucher blockieren. „Wir sind solidarisch mit den Bauern und ihren Forderungen“, so Ufkes. Aber eine Messe habe auch die Interessen der Aussteller zu berücksichtigen. Und die wollten Fach- und Verkaufsgespräche führen, und keine politischen Diskussionen. Im vergangenen Jahr sei der Wolf ein großes Thema gewesen. Das sorgte laut Ufkes für reges Interesse bei den Zaunanbietern auf der Messe – aber auch für politische Diskussionen und einzelne Absagen.
In diesem Jahr sind nach seiner Einschätzung die Themen Energiegewinnung und Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft besonders aktuell. Außerdem gibt es zahlreiche Stände mit den neuesten Angeboten zur Einrichtung von Ställen und die Versorgung von Tieren. Melkroboter werden ebenso vorgestellt wie Kälberställe, Zubehör für den sogenannten Kuh-Komfort und für Landmaschinen. Auch um landwirtschaftliche Immobilien geht es an mehreren Ständen.
Milchbauern nutzen vor allem die Abende
Pia Gentemann aus Bockhorn präsentiert ein Rundumangebot zur Kälberaufzucht. Die Landwirte interessierten sich sehr für Neuerungen bei den Gesundheitsprodukten, für Tränkesysteme, aber auch immer noch für die neuen Kälberställe, seit Gruppenhaltung ein größeres Thema geworden sei. Zu erwerben sind Gruppenställe für fünf Kälber und ein Stall mit fünf Einzelboxen mit Kontaktfenstern. Die Haltung in kleinen Gruppen gilt als förderlich für die Immunentwicklung, die Futteraufnahme, den Muskelaufbau und die Stressresistenz.
Auch wenn schon kurz nach der Eröffnung am Mittwochmittag die ersten Besucher in die Hallen strömten, sind für Pia Gentemann vor allem die Abende interessant. Die Milchbauern kämen meist erst nach dem Melken zur Messe.
Biohof-Laden wieder dabei
Eigentlich auch im Außenbereich stehen sollte der Stand von Theo Schneider aus Großefehn. Er betreibt dort einen großen Biohofladen mit einem Lebensmittelangebot „vom Frühstück bis zum Abendessen, inklusive Getränke“, wie er es beschrieb. Die Messe in Tannenhausen war im vergangenen Jahr sein erster Auftritt. Nun ist er wieder dabei und bietet die selbst gemachten Käsesorten zum Probieren an sowie den Schafskäse des Lüttje Plaats der Agilio GmbH, den er auch im Angebot hat. Regionalität sei wichtig, deswegen würden seine Tiere auch von der Landschlachterei Köster in Wiesmoor geschlachtet und verarbeitet.
Neben Schneiders frisch gegründeter Biokäse-Produktion ist auch die Auricher Traditionsmolkerei Rücker auf der Messe vertreten. Außerdem die mobile Käserei May, die für etliche ostfriesische Hofläden den eigenen Käse aus der Hofmilch herstellt.
Landtagsabgeordnete will noch ein Hofpraktikum machen
Regionalität, also die Produktion und der Konsum vor Ort, sind auch für die Auricher Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann (CDU) wichtig. Dass auch dort viele Vorgaben – beispielsweise zur Schlachtung und zur Hygiene – die Arbeit erschwere, lasse sich nicht immer vermeiden. Die Landespolitik könne wohl vor allem durch Förderprogramme solche wichtigen Selbstvermarktungsprojekte unterstützen und sich für ein regionales Label einsetzen.
Buschmann war die einzige Abgeordnete, die am Mittwoch zur Eröffnung von Stand zu Stand ging. Ein geplantes Hofpraktikum stehe leider noch aus, sagte sie. Dabei sei es sehr wichtig, dass Politiker hinter die Kulissen gucken und im Alltag mitbekommen, wo der Schuh drückt. In diesem Sinne sammle die CDU nun auch konkrete Hinweise auf bürokratische Widersprüche und unnötige Doppelangaben. Buschmann nannte ein Beispiel aus der touristischen Praxis, das an sie herangetragen worden sei: Dass dort neben Arbeitsverträgen mit Verdienstangaben mit Minijobbern auch noch eigene Verdienstbescheinigungen gefertigt werden müssten, sei doppelte Arbeit.
Auch hinsichtlich der Landwirtschaft müssten klarere und verlässliche Vorgaben gemacht werden, so Buschmann. Die niedersächsische Landesregierung sei zudem in der Pflicht, zu den gemachten Aussagen zum Thema Agrardiesel zu stehen und diese an die Bundestagsabgeordneten weiterzugeben und vor allem im Bundesrat zu vertreten.
Architekt: Gerade bei Generationenwechseln gibt es gewaltige Investitionen
Reiner Kieckbusch ist seit 21 Jahren als spezialisierter Architekt auf Höfen unterwegs. Von einer Zurückhaltung im investiven Bereich spürt er selber noch nichts, bekommt aber mit, dass die früher sehnlichst erwartete Baugenehmigung heute auch schon mal ein paar Monate liegen bleibt. Die Landwirte warteten oft ab, ob sich die Baukosten noch nach unten entwickeln.
Der Boom der Hühnerställe sei derzeit nicht mehr so groß wie vor einigen Jahren. Aber es komme weiterhin vor, dass Höfe ihr Geschäftsmodell erheblich verändern – und dann auch große Investitionen vornehmen.
Gerade ein sich anbahnender Generationenwechsel werde oft von den Eltern gründlich vorbereitet. „Ich bin oft erstaunt, was da dann für große Schritte gemacht werden, um den Wünschen und neuen Ideen der Kinder zu entsprechen und den Hof für die Zukunft aufzustellen“, so Kieckbusch: „Ich hab großen Respekt vor den Kunden, die über Generationen denken.“ Generell wollten die Höfe sich entwickeln, etwas fürs Tierwohl tun.
Zudem werde investiert, wenn neue Vorgaben Umbauten erforderlich machen. Es gehe nicht nur um die Ställe, sondern auch um Nebenanlagen wie Güllespeicher und Silageplatten. Die Umsetzung sei dann meist sehr individuell, je nach den Gegebenheiten vor Ort.
Individuell sind auch Planungen für Hofläden, so der Architekt. Diese hätten durch die Preisentwicklung bei den Lebensmitteln gerade einen Dämpfer bekommen. „Aber auch da gibt es Unerschrockene, die das zumindest vorbereiten.“
Die Landwirtschaftsmesse ist am Donnerstag von 13 bis 21.30 Uhr und am Freitag von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.