Nach Hochwasser  Privaten Bootsstegen am Großen Meer droht die Abschottung

| | 23.01.2024 17:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Gewässer in der Feriensiedlung waren auch an den Tagen nach dem Hochwasser noch randvoll. Foto: Karin Böhmer
Die Gewässer in der Feriensiedlung waren auch an den Tagen nach dem Hochwasser noch randvoll. Foto: Karin Böhmer
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Ferienhausbesitzern am Großen Meer droht die Abschottung ihrer privaten Bootsliegeplätze von der Wiegboldsburer Riede. So sollen künftige Hochwasser verhindert werden. Noch gibt es aber einen Ausweg.

Südbrookmerland - Das Wasser ist größtenteils weg, teilweise laufen noch die Aufräumarbeiten. Aber nach dem erneuten Hochwasser im Feriengebiet am Großen Meer beschäftigt viele die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Nicht einmal zwei Jahre hat es nach einem Hochwasser 2022 gedauert, bis es erneut zu Überflutungen kam. Dass etwas passieren muss, ist deshalb allen klar. Nun hat die Gemeinde einen groben Plan vorgelegt – auch, um die touristische Qualität in dem Gebiet zu wahren.

Die Ursache für die Überflutungen ist längst gefunden. Die Siedlung liegt in einem sogenannten Unterschöpfwerksgebiet, liegt also unterhalb des Meeresspiegels. Damit das Wasser in den Kanälen bleibt, sind die Grundstücke eigentlich mit Dämmen versehen. Doch offenbar sind diese Dämme entlang der Seitenarme der Wiegboldsburer Riede nicht überall hoch genug und werden nach langanhaltendem Regen überspült. Für die Gemeinde ist deshalb klar: Die Dämme müssen erhöht werden. Jedoch befindet sich das gesamte Gebiet in Privatbesitz, sodass die Gemeinde eigentlich gar nicht zuständig wäre. Zwar ist die Verwaltung bereit, Anlieger bei den nötigen Maßnahmen zu unterstützen. Die Kosten müssten aber von ihnen getragen werden.

Neuer Versuch für Einigung mit Anliegern

Das war auch schon 2022 so. Nach mehreren Gesprächen der Behörden und mit den Anliegern sei zwischenzeitlich eine Einigung erzielt worden, dass ein Unternehmer für die Erhöhung der Dämme im Ganzen sorgen solle. Die Anlieger seien darüber schriftlich informiert worden, wie Bürgermeister Thomas Erdwiens unserer Redaktion in einem früheren Gespräch sagte. Doch einige hätten sich aus dieser Vereinbarung gelöst, sodass das Projekt geplatzt sei.

Nun wagt die Gemeinde diesbezüglich einen neuen Versuch. Seitens des Entwässerungsverbandes Emden seien die notwendigen Höhen der Verwallung bereits festgelegt worden. Die Gemeinde werde nun erneut entsprechende Angebote einholen und den Anliegern vorstellen. Parallel dazu sollen seitens der Gemeinde auch Gespräche mit beteiligten Behörden und Verbänden geführt werden.

Hinter der Geschichte

Feriensiedlung unter Wasser

Infolge langanhaltenden Regens ist am 3. Januar zum wiederholten Mal ein Seitenarm der Wiegboldsburer Riede über die Ufer getreten. In der Folge wurden ganze Straßenzüge einer angrenzenden Feriensiedlung überflutet. Zahlreiche Einsatzkräfte der Südbrookmerlander Feuerwehren, des Bauhofs und des Technischen Hilfswerks waren vor Ort im Einsatz. Weitere Helfer kümmerten sich um die Vorbereitung von Sandsäcken. Urlauber mussten sich Ausweichquartiere suchen, im betroffenen Gebiet wurde der Strom abgeschaltet. Einen ähnlichen Vorfall hatte es an gleicher Stelle bereits im Februar 2022 gegeben. Schon damals hatte es Bemühungen gegeben, die Situation zu entschärfen. Bislang ohne Erfolg.

Unter anderem mit dem Entwässerungsverband. Der ärgert sich nach Worten von Obersielrichter Reinhard Behrends schon lange über die Situation. So sei im Bebauungsplan klar festgeschrieben, dass die Häuser auf Stelzen zu bauen und die Dammhöhe dem Meeresspiegel entsprechen müsse. Behrends bescheinigte der Gemeinde in einem früheren Gespräch, ihre Pflicht erfüllt zu haben. Jedoch habe sie es noch nicht geschafft, alle Grundstückseigentümer in dem betroffenen Gebiet zu überzeugen. Er, so Behrends, könne das so nicht mehr verantworten. Die Feriensiedlung bezeichnete er als „Achillesferse des Unterschöpfwerksgebietes“. Und dazu gehöre unter anderem auch das Georgsheiler Gewerbegebiet. Das bedeutet: Kommt es zu noch größeren Überflutungen, könnten auch die Werks- und Lagerhallen an der Gewerbestraße betroffen sein.

Eine Alternative, die kaum jemand will

Wie berichtet, verweist Behrends darauf, dass weder die Wiegboldsburer Riede selbst noch das Große Meer über ihre Ufer getreten seien. Die Probleme habe es in den privaten Hafeneinfahrten, die in das Ferienhausgebiet führen, gegeben. Sollten die Probleme mit den Dämmen dort nicht behoben werden, müsse die Gemeinde die nötigen Konsequenzen ziehen und die privaten Hafeneinfahrten schließen. Beispielsweise mit einer Spundwand. Die Folge: Die Zeiten, in denen Anlieger direkt an ihren Häusern in Boote steigen und über die Wiegboldsburer Riede fahren können, wären dann vorbei.

Über die geltenden Vorschriften zum Hochwasserschutz sind die Anlieger längst informiert, wie Thomas Erdwiens nun in einem Pressegespräch sagte. Bereits 1965 habe es entsprechende Informationen gegeben, die beispielsweise im geltenden Bebauungsplan festgeschrieben seien. Eine Abkopplung der privaten Häfen von der Wiegboldsburer Riede möchte die Gemeinde möglichst verhindern. Zwar wären dadurch die Hochwasserprobleme gelöst, touristisch sei das Gebiet dann aber weniger attraktiv. Erdwiens hofft deshalb, dass diesmal alle betroffenen Anwohner an einem Strang ziehen und mit dafür sorgen, dass sich die Situation vor Ort verbessert.

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