Veranstalter gesucht  Auricher Fest der Kulturen vor einer Neuauflage

| | 22.01.2024 22:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Verschiedene Tänze gehören zum Bühnenprogramm des Festes der Kulturen. Foto: Aiko Recke
Verschiedene Tänze gehören zum Bühnenprogramm des Festes der Kulturen. Foto: Aiko Recke
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Bis 2019 war es ein beliebter Treffpunkt mit leckerem Essen und interessanten Einblicken. Seitdem pausiert das Fest der Kulturen. Ein Organisator fehlt immer noch, aber der Bürgermeister hat Hoffnung.

Aurich - Noch in diesem Jahr soll das Fest der Kulturen in Aurich nach Möglichkeit wieder stattfinden. Am vergangenen Mittwoch haben sich auf Einladung der Stadt rund 30 Interessierte getroffen, um über die Zukunft des Festes zu sprechen.

Laut Bürgermeister Horst Feddermann herrschte dabei eine sehr produktive Atmosphäre, die ihn optimistisch stimme und hoffen lasse, dass das Fest bald wieder auflebt. Es solle nun eine Arbeitsgruppe gegründet werden, die sich konkret mit der Frage nach dem nächsten offiziellen Veranstalter und der Entwicklung des Konzepts befasse. Dafür hätten sich erste Teilnehmer gemeldet, die Stadt werde bald zu einem ersten Treffen einladen.

Bürgermeister: Fest muss in der Hand von Akteuren bleiben

Die bisher letzte Auflage des beliebten Festes hatte es 2019 gegeben – damals federführend organisiert vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Aurich zusammen mit dem Kulturamt der Stadt. Die Stadt könne nach dem Rückzug des DRK nicht an die Stelle des Organisators treten, betonte Feddermann.

Ebenso gab es Musiker auf der Bühne, die die Trommeln ihrer Heimat vorgeführt haben. Foto: Wilfried Frerichs
Ebenso gab es Musiker auf der Bühne, die die Trommeln ihrer Heimat vorgeführt haben. Foto: Wilfried Frerichs

Es gebe beim Fest der Kulturen viele private „Beschicker“, die Speisen aus ihrer Heimat anbieten, und ein Bühnenprogramm. Diese umfangreiche Kommunikation könne die Verwaltung nicht leisten. „Außerdem würde es den Charakter des Festes wohl auch verändern, wenn wir als Behörde dahinterstehen. Das Fest lebt ja bisher von den Gruppen und denen, die sich ehrenamtlich engagieren. Das macht gerade den Charme aus“, so der Bürgermeister.

Die Anbieter von Lebensmitteln mussten seit Jahren lebensmittelrechtliche Vorgaben erfüllen. Foto: Joachim Mittelstaedt
Die Anbieter von Lebensmitteln mussten seit Jahren lebensmittelrechtliche Vorgaben erfüllen. Foto: Joachim Mittelstaedt

Das Fest der Kulturen in Aurich war stets ein Fest für Nase, Gaumen, Augen und Ohren und ein guter Ort, um mit Aurichern anderer Herkunftsnation ins Gespräch zu kommen. Unzählige Familien und Freundeskreise hatten im Vorfeld stundenlang gekocht und gebacken und verkauften die Speisen ihrer Heimat. Nach dem Aussetzen im Jahr 2019 gab es in der Coronazeit kaum Ansätze, das Fest am Leben zu erhalten.

Zwei Vertreter aus Leer machten den Aurichern Mut

Das soll nun nachgeholt werden. Als Beispiel für eine funktionierende Organisation hatte die Auricher Verwaltung Serhat Özdemir und Wilfried Meuschel vom „Arbeitskreis Interkulturelle Verständigung Leer“ eingeladen, der als etwa zehnköpfiges Team das dortige Fest der Kulturen organisiert. Darin seien die Stadt und der Landkreis, die Volkshochschule und das Zollhaus eng eingebunden, so Özdemir. Im vergangenen Jahr fand das Fest der Kulturen erstmals in Verbindung mit einem verkaufsoffenen Sonntag statt.

Dazu zählt beispielsweise, dass Lebensmittel durch Scheiben geschützt werden müssen. Zudem müssen Preisschilder aufgehängt werden. Foto: Joachim Mittelstaedt
Dazu zählt beispielsweise, dass Lebensmittel durch Scheiben geschützt werden müssen. Zudem müssen Preisschilder aufgehängt werden. Foto: Joachim Mittelstaedt

Özdemir stellte auf Nachfrage unserer Zeitung vor allem zwei Unterschiede zwischen der Auricher und der Leeraner Geschichte des Festes der Kulturen fest: In Aurich sei die Veranstaltung offenbar lange federführend von einzelnen Personen beim DRK und der Stadt organisiert worden. In Leer hingegen habe es immer einen Arbeitskreis gegeben, bei dem die Arbeit auf mehreren Schultern gelegen habe.

Ausgelassene Tänze gehörten, wie hier im Jahr 2018, ebenfalls zum Fest. Foto: Wilfried Frerichs
Ausgelassene Tänze gehörten, wie hier im Jahr 2018, ebenfalls zum Fest. Foto: Wilfried Frerichs

Und während in Aurich nach dem Aussetzen im Jahr 2019 in der Coronazeit nicht nach einem neuen Planungsteam gesucht worden sei, habe es in Leer Kontinuität und Fortsetzung gegeben. Zum einen habe das Fest auch während der Coronamaßnahmen immer zum eigentlichen Termin in Form einer Fotoausstellung in Geschäften und einer etwas umfangreicheren Ausstellung in der Sparkasse weitergelebt. Zudem habe das Vorbereitungsteam die Zeit genutzt, um sich neu aufzustellen, berichtete Özdemir. „Wir haben die Coronazeit als Chance begriffen.“ Zu den erfahrenen alten Hasen seien innovative junge Hüpfer mit neuen Ideen gekommen. Dieser Schritt stehe in der Stadt Aurich nach der nun mehr als fünfjährigen Unterbrechung gerade an, so der Leeraner.

In Aurich wird auf die Hürden geschaut

In Aurich werden derzeit auch durchaus Hürden für eine solche Veranstaltung gesehen. Dagegen beschreibt Özdemir die Planung als Mannschaftsleistung und als schaffbar.

Die Auricher Stadtverwaltung sieht sich nicht in der Lage, mit den vielen aktiven Teilnehmern des Festes der Kulturen dauerhaft in Kontakt zu stehen, so Bürgermeister Feddermann. „Das können wir nicht leisten. Und das würde den Charakter des Festes auch verändern.“

Trachten und Kostüme waren oftmals ein Hingucker. Foto: Joachim Mittelstaedt
Trachten und Kostüme waren oftmals ein Hingucker. Foto: Joachim Mittelstaedt

Das sieht auch Özdemir so. Ein Fest der Kulturen lebe von den ehrenamtlich Engagierten und teilnehmenden Vereinen. Die Vernetzung zwischen dem Arbeitskreis und den Behörden sei sehr eng. Etliche Partner aus den Vereinen und Verbänden seien mit im Boot – zuletzt als Partner auch die Kaufmannschaft, die einen verkaufsoffenen Sonntag an das Fest anknüpfte.

Das Fest wurde Özdemir zufolge dafür nach langen kontroversen Diskussionen bei den Planern vom ersten Sonnabend im September auf den ersten Sonntag im September verlegt.

Verbindliche Schulung für alle Anbieter von Speisen

Was das Sicherheitskonzept angehe und die Umsetzung der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes bei der Ausgabe von Speisen unterstütze die Integrationsbeauftragte des Landkreises Leer den Verein sehr. Sie helfe zusammen mit ihren Kollegen, die Stände nach den Richtlinien zu platzieren, und organisiere auch einen Schulungstermin mit Mitarbeitern des Gesundheitsamtes, den alle Verkäufer von Lebensmittel verpflichtend vor der Teilnahme absolvieren müssen, so Özdemir. „Die Auflagen sind hoch, aber die Leute haben sich daran zu halten.“ Zuletzt habe das Fest 40 Stände gehabt.

Neben Speisen gab es auch Angebote wie das Flechten von Haaren. Foto: Joachim Mittelstaedt
Neben Speisen gab es auch Angebote wie das Flechten von Haaren. Foto: Joachim Mittelstaedt

In dieser Woche habe es in Leer für das Team ein Abschlussessen für das jüngste Fest gegeben. Der Restaurantbetreiber sei so begeistert gewesen, dass er das Büffet spendiert habe, sagt Özdemir.

Schon jetzt seien die Anträge für das nächste Fest im September gestellt. Ab Februar gehe es im Orga-Team um die Feinplanung. Das Bühnenprogramm müsse bis Ende Juni stehen. Über die Zeitung werde nach Gruppen gesucht, die Speisen anbieten oder sich anderweitig beteiligen wollen. Parallel wird nach Sponsoren gesucht und die Werbung frühzeitig auf den Weg gebracht.

Verein hat Versicherung abgeschlossen

Rechtlich ist der Verein verantwortlich. Dazu zähle alles, bis hin zur Abwicklung der Gema-Gebühren. Eigens für das Fest habe der Verein eine Versicherung abgeschlossen, sagt Özdemir.

Ein großes Angebot an Speisen gab einen Eindruck davon, dass 110 Nationen in Aurich vertreten sind. Foto: Wilfried Frerichs
Ein großes Angebot an Speisen gab einen Eindruck davon, dass 110 Nationen in Aurich vertreten sind. Foto: Wilfried Frerichs

Auch der Landkreis Aurich bietet Infoveranstaltungen zum Thema Lebensmittelhygiene an, wie Kreissprecher Rainer Müller-Gummels mitteilte. Wer Lebensmittel herstelle, behandele oder in den Verkehr bringe, müsse über eine maximal drei Monate alte Bescheinigung des Gesundheitsamts verfügen. Die Teilnahme an der Belehrung sei zwar in der Regel kostenpflichtig, für bestimmte Personengruppen aber kostenfrei, beispielsweise im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit. „Das Amt für Gesundheitswesen hat in der Vergangenheit bei verschiedenen Veranstaltungen eine Gemeinschaftsbelehrung durchgeführt“, so Müller-Gummels, zuletzt auch erfolgreich in einem Online-Kurs.

Kaufmannschaft stellt Spende in Aussicht

Doch wer könnte das Fest in Aurich künftig ausrichten? Der alte Ausrichter, das DRK, reagierte nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung. Die Stadt winkte ab. Und das tut auch der Kaufmännische Verein (KV) auf Nachfrage. Zum einen ist KV-Chef Udo Hippen auch der Meinung, dass der Charme des Festes darauf beruht, dass Privatleute es organisieren und die Speisen herstellen. Daher halte er in Aurich auch eine Verknüpfung mit einem verkaufsoffenen Sonntag nicht für sinnvoll. Das Fest in seiner bisherigen Form sei immer sehr stimmig gewesen.

Doch auch andere Standorte, die das Fest in Aurich schon hatte - wie hier das Große Sett im Jahr 2015 - waren gut besucht. Foto: Aiko Recke
Doch auch andere Standorte, die das Fest in Aurich schon hatte - wie hier das Große Sett im Jahr 2015 - waren gut besucht. Foto: Aiko Recke

Der KV-Vorstand sei zudem ehrenamtlich tätig und organisiere bereits mehrere Feste in Aurich - darunter auch die beiden Großveranstaltungen Weinfest und Weihnachtszauber. In diesem Jahr soll es noch ein neues Fest geben. Und das Kinderfest soll wieder stattfinden. Deshalb habe der KV keine Kapazitäten mehr, so Hippen. Aber die Kaufmannschaft sei durchaus bereit, dem Fest der Kulturen mit einem Sponsoring unter die Arme zu greifen.

Özdemir ist mit einem guten Gefühl aus Aurich weggefahren. Es habe bei dem Treffen eine Reihe von Leuten gegeben, die sich einbringen wollten. Die Leeraner Planer seien gerne bereit, Hilfestellung zu leisten. Das sei vor einigen Jahren auch schon mal umgekehrt geschehen. Auch sei beim Bühnenprogramm ein gegenseitiger Austausch möglich. Özdemir hat in Aurich sogar schon angesprochen, dass das Leeraner und das Auricher Fest sich zeitlich nicht überschneiden sollten. In Leer ist es diesmal am 1. September so weit. Sollte die Arbeitsgruppe schnell zu Ergebnissen kommen, wäre der Termin in Aurich dann vielleicht am 8. September.

Anforderungen an Verkaufsstände aus lebensmittelrechtlicher Sicht

Laut einem Merkblatt des Landkreises sind dies die wichtigsten Dinge, die die Betreiber der Stände beachten müssen.

Die Verkaufsstände müssen zum Schutz der Lebensmittel vor Staub, Schmutz, Regen und direkter Sonnenbestrahlung mit einer ausreichenden Überdachung und mit Rücken- und Seitenwänden versehen sein.

Die Verkaufstische, Theken oder ähnliches sind so zu stellen, dass hinter diesen Möbeln ein ausreichend großer Betriebsraum entsteht.

Die Raumabteilung darf für den Verbraucher nicht zugänglich sein und ist außerdem an dem der Käufer zugewandten Seite durch einen Aufsatz (Hustenschutz) so herzurichten, dass die auf den Tischen ausgelegten Lebensmittel durch den Käufer nicht nachteilig beeinflusst werden können.

Beim bisher letzten Fest 2018 war der Marktplatz in Aurich rappelvoll. Foto: Wilfried Frerichs
Beim bisher letzten Fest 2018 war der Marktplatz in Aurich rappelvoll. Foto: Wilfried Frerichs

Die Arbeitsflächen der Tische müssen hell, glatt und leicht zu reinigen sein. Herde, Grillöfen und andere Bratgeräte dürfen nicht im direkten Einflussbereich des Verbrauchers aufgestellt werden.

Unbefestigte Fußböden (Schotter, Gras) sind über die gesamte Betriebsraumfläche mit leicht zu reinigenden Rosten oder Böden abzudecken.

Die Verkaufsstände müssen über eine Handwaschmöglichkeit verfügen. Es ist Kalt- und Warmwasser erforderlich. Außerdem müssen Einmalhandtücher sowie Seife im Seifenspender zur Verfügung stehen.

Kühlpflichtige Lebensmittel sind entsprechend und geschützt zu lagern.

Das Ausgeben von Hackfleisch (beispielsweise auf Brötchen und in roher Bratwurst) ist nicht gestattet.

Vor Ort darf Fisch nicht ausgenommen werden. Die Kühllagerung von frischem Fisch hat bei einer Temperatur von maximal 2 Grad Celsius zu erfolgen.

Die Teilnehmer hatten sich auch bei früheren Festen mit tauglichem Kochgeschirr zum Warmhalten oder Kühlen ausgestattet. Foto: Joachim Mittelstaedt
Die Teilnehmer hatten sich auch bei früheren Festen mit tauglichem Kochgeschirr zum Warmhalten oder Kühlen ausgestattet. Foto: Joachim Mittelstaedt

An gut sichtbarer Stelle über oder neben dem Ausgabetresen sind Preisverzeichnisse anzubringen. Außerdem sind bei Verwendung von Zusatzstoffen diese kenntlich zu machen.

Personen, die unverpackte Lebensmittel behandeln, müssen eine hygienisch einwandfreie waschbare und abwaschbare Schutzkleidung tragen.

Das Personal der Verkaufsstände hat bei Abgabe von leicht verderblichen Lebensmitteln einen Nachweis des Gesundheitsamtes über eine erfolgte Belehrung auf Verlangen vorzulegen.

Es ist bei Bedarf für eine ausreichende Gläser-Spüleinrichtung sowie für ausreichendes frisches, sauberes Wasser zu sorgen.

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