Kundgebung am 27. Januar Auricher demonstrieren in Emden für die Demokratie
Das „Bündnis Emden Demokratisch“ ruft zum Einstehen für die Demokratie auf. Auch Auricher engagieren sich dort. Gleichzeitig gibt es den Wunsch nach einer Kundgebung in Aurich.
Aurich/Emden - Mit einer Mahnwache am 20. Januar ab 11 Uhr und einer großen Kundgebung auf dem Rathausplatz am 27. Januar ab 13 Uhr liegt der ostfriesische Schwerpunkt des Protests gegen das sogenannte Potsdamer Remigrationstreffen vorerst in Emden. Wie in vielen anderen Städten reagieren ostfriesische Bündnisse mit diesem Protest auf eine konspirative Zusammenkunft zur Abschiebung von Millionen Menschen aus Deutschland von Rechtsextremisten – unter anderem mit AfD-Funktionären und Mitgliedern der Werteunion –, das das Recherchezentrum Correctiv aufgedeckt hat.
Unter dem Motto „Ostfriesland steht zusammen: Demokratie schützen!“ haben sich laut dem Veranstalter „Bündnis Emden Demokratisch“ zahlreiche Gruppen zusammengeschlossen. Unter anderem der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff, Imke Diekena vom Ortsjugendausschuss der IG Metall Emden, Landschaftspräsident Rico Mecklenburg und der Bundestagsabgeordnete für Aurich und Emden, Johann Saathoff (SPD), werden dort sprechen.
Breites Bündnis hat sich gebildet
Hinter der Demo stehen die AG gegen Rechts an der Hochschule Emden-Leer, Amnesty International Aurich, Aurich zeigt Gesicht, die CDU-Fraktion Emden, die Linken-Fraktion Emden, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der ev.-luth. Kirchenkreis Emden-Leer, die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden, die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, die Emder Ratsgruppe Grüne feat. Urmel, die IG Metall Emden, Omas gegen Rechts, Ostfriesland gegen Rechts, eine private Bürgerinitiative, die SPD-AG 60 plus, die SPD-Fraktion Emden, der Synodalverband Nördliches Ostfriesland, die Gruppe Tegenkrabben und die Gewerkschaft Verdi.
Das Bündnis „Emden Demokratisch“ wurde vor dem Hintergrund sogenannter Querdenker-Aufmärsche 2021 gegründet. Es umfasst nach eigenen Angaben das gesamte demokratische Spektrum. „Wegen der deutlichen Bedrohung für unsere Demokratie und unsere offene Gesellschaft wurde das Bündnis auf Initiative von ,Omas gegen rechts‘ jetzt wieder aktiviert und durch Initiativen und Gruppen aus ganz Ostfriesland erweitert“, heißt es in der Demo-Ankündigung.
Zwei Auricher Rednerinnen in Emden
Zum Vorbereitungsteam für die Kundgebung am 27. Januar gehört auch Jörg Köhler vom Verein Aurich zeigt Gesicht. Der Verein hat sich ebenso wie das „Bündnis Emden Demokratisch“ dem Kampf für Respekt, Solidarität, Toleranz und Demokratie verschrieben. Köhler freut sich, dass sich für die Kundgebung in Emden ein so breites Bündnis zusammengefunden hat. Die Proteste gegen rechts, die derzeit in vielen Städten liefen, zeigten, dass die bisher schweigende Mehrheit nun aufstehe und Flagge zeige.
Meist seien dabei viel mehr Menschen als zunächst erwartet auf die Straße gegangen. Köhler hofft für Emden auf mindestens 2000 Teilnehmer. „Wir wollen jetzt erstmal ostfrieslandweit etwas Großes organisieren“, so Köhler. Von „Aurich zeigt Gesicht“ seien zwei Rednerinnen in Emden dabei. Europahausleiterin und Vorstandsmitglied bei „Aurich zeigt Gesicht“ Heike Pilk werde ebenso ans Mikro treten wie Sultana Alim vom Kurdischen Frauenrat Zelal in Aurich.
Fragen nach einer Protest-Aktion in Aurich
Gleichwohl erreichten ihn zahlreiche Anrufe, wann denn in Aurich eine Protestkundgebung gegen die bekannt gewordenen Pläne zur Abschiebung von Millionen Menschen aus Deutschland stattfinden werde. Köhler geht davon aus, dass auch in Aurich Veranstaltungen folgen. Das müsse nicht zwingend eine Kundgebung sein, auch andere Formate seien denkbar. Und natürlich auch andere Veranstalter als Aurich zeigt Gesicht. Er ermuntere jeden, entsprechende Treffen zu planen.
„Das Thema wird uns noch viele Monate begleiten“, sagt Köhler. Er sei optimistisch, dass die Enthüllungen viele Bürger wachgerüttelt hätten und auch bei Winterwetter auf die Straße trieben. Und er hofft, dass diese Proteste nachhaltig sind und kein kurzes Aufmucken. Ziel müsse sein, viele Menschen an einen Tisch zu bekommen, die sich auch langfristig für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft einsetzen.
Neue Aktion für bessere Integration
Aurich zeigt Gesicht bereitet – unabhängig von den Protesten – eine neue große Aktion vor. Derzeit sei diese aber noch in Vorbereitung, so Köhler. Der Verein wolle mit Schulen zum Thema Integration ins Gespräch kommen. Da laufe lange nicht alles gut – und das sei der Ansatzpunkt, so Köhler. Wichtig sei es, kontinuierlich an Integration zu arbeiten. Viele Immigranten seien bestens in der deutschen Gesellschaft angekommen. Einige täten sich aber auch schwer. „Integration ist die Lösung, und nicht eine Massenabschiebung. Wir dürfen das Thema nicht den Rechten überlassen, damit es nicht missbraucht wird, und wir müssen uns auch selbst den Spiegel vorhalten“, so Köhler.
Zuerst wolle der Verein Informationen sammeln. Dann gehe es darum, ein Konzept zu entwickeln, Partner ins Boot zu holen und Geld zu sammeln, um konkrete Projekte anstoßen zu können.