Auricher Immobilien Zweite Interessentin für Wohnungsbau am Schlehdornweg
Die Sozialwohnungen der Stadt sollen neu gebaut werden. Kürzlich sind erste Pläne der NLG bekannt geworden. Doch es gibt auch eine Auricher Bürgerin mit Ideen und Investitionswillen.
Aurich - Für den Bau von bezahlbarem Wohnraum auf der Fläche zwischen Schlehdornweg und Hohegaster Weg in Aurich gibt es einen zweiten Interessenten. Die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) hatte auf Nachfrage schon mitgeteilt, dass sie an einem Konzept für insgesamt 60 Wohnungen arbeitet.
Im Verwaltungsausschuss hat im Spätsommer aber auch die Auricher Pferdewirtin Karin Wilmes Pläne vorgestellt. Wilmes vermietet bereits mehrere Immobilien in Aurich zu günstigen Mietkonditionen. Unter anderem hat sie durch den Bau von zwei Mehrparteienhäusern mit je sechs Wohnungen für Familien die 30-Prozent-Quote für bezahlbaren Wohnraum im Neubaugebiet Große Schlinge erfüllt.
Lieber Single- oder Familienwohnungen?
Rund die Hälfte der Doppelhäuser aus den 1930er-Jahren im Schlehdornweg und im Hohegaster Weg steht leer. Die Stadt Aurich ist Eigentümerin und möchte die Sozialwohnungen abreißen und ersetzen. Doch was kommt danach?
Auch Wilmes hat an fünf Häuserreihen in West-Ost-Richtung auf der Fläche am Schlehdornweg gedacht. Wie berichtet, will die Stadt ihre kleinen Doppelhäuser aus den 1930er-Jahren, die nicht mehr sanierungsfähig seien, abreißen. Anders als die NLG, die dort überwiegend Single-Appartements plant, denkt Wilmes jedoch an 30 Einheiten für vier Personen. Von einem Makler und aus eigener Erfahrung wisse sie, dass auch dafür ein großer Bedarf am Auricher Wohnungsmarkt besteht, berichtete sie unserer Zeitung.
Schenkung an die Stadt geplant
Wilmes hat klare Vorstellungen, wie sie das Projekt umsetzen möchte. Sie möchte die Grundstücke in Erbbaupacht von der Stadt übernehmen. Auch die Vermietung zu günstigen Mietpreisen möchte sie übernehmen. Das sei ein Vorteil für die Stadt, denn sie könne dadurch Personal sparen. Auch das Risiko des Mietausfalls beim Mieterwechsel liege dann nicht bei der Stadt.
Nach diesen 50 Jahren oder mit ihrem Tod würde sie – und das unterscheidet ihren Vorschlag von dem bisher vorliegenden – der Stadt das Gebäude zur weiteren Nutzung als bezahlbarem Wohnraum schenken beziehungsweise vererben.
Wilmes könnte auch mit einem Fünftel des Projekts gut leben
Anfangs wollte die Wallinghausenerin zusammen mit zwei Partnern fünf Reihenhausgürtel bauen. Inzwischen hält sie es für eine gute Idee, wenn auf der Fläche vier Riegel mit kleinen Appartements durch einen anderen Entwickler entstehen und sie selbst nur eine Häuserreihe mit sechs Vierzimmer-Häusern baut.
Wilmes verfolgt seit einigen Jahren die Bemühungen der Stadt, günstige Wohnungen auf den Markt zu bringen. „Mein Vorteil ist, dass ich sehr viel Planungsarbeit in Eigenleistung mache und anders kalkulieren kann als die Stadt“, so Wilmes. Es könne nicht im Sinne der Bürger sein, wenn die Stadt sich ohne Not verschulde.
Politik hat bereits für Aufstellung eines B-Plans votiert
Die Entwicklung am Schlehdornweg wird Thema der politischen Beratungen der nächsten Monate sein. Wie berichtet, hat die Politik einen Aufstellungsbeschluss für das Gebiet gefasst. Die Verwaltung bereitet einen Bebauungsplan vor, der nach erster Skizze fünf Baufelder vorhalten soll. Sie geht davon aus, dass vor allem kleine Wohnungen gebraucht werden. Vorgesehen ist eine Planung für eine Riegelbebauung mit 60 kleinen Appartements in fünf Gebäuden.
Das entspricht genau dem Vorschlag, den die NLG bereits nicht-öffentlich im Verwaltungsausschuss präsentiert hat. Die CDU-Fraktion hatte im Jahr 2022 Kontakt zur NLG aufgenommen. „Aus Sicht der Fraktionsmitglieder kamen dabei interessante Möglichkeiten in Betracht, ohne die Stadt finanziell zu belasten“, heißt es in einem Antrag, diese Pläne weiterzuverfolgen.
Der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass auch Wilmes im VA eingeladen gewesen sei. Es gebe sogar möglicherweise noch einen dritten Interessenten, sagte er. Das sei aber noch nicht sicher.
Feddermann: Bislang ist noch gar nchts entschieden
Feddermann betonte, dass trotz der eindeutig auf den Vorschlägen der NLG fußenden Vorlage noch nichts entschieden sei, was den künftigen Investor oder die Finanzierung betrifft. Es könne sein, dass die Wohnungen durch einen Externen entwickelt würden oder aber durch die Stadt oder vielleicht auch durch eine noch zu gründende Projektgesellschaft. Es sei gerade erst der erste Schritt auf dem Weg zu einem Umbau der kleinen Siedlung gemacht worden, so Feddermann. In den nächsten Monaten sei noch viel Zeit zur Diskussion über das Wie.
Das ist etwas, das Karin Wilmes aufhorchen lässt. Sie hatte zunächst vorgehabt, ihre Pläne für 30 Reihenhäuser in fünf Reihen auf dem Gelände zusammen mit zwei Partnern zu realisieren. Sie hat aber – wegen der Formulierungen in der Beschlussvorlage für die Aufstellung des Bebauungsplanes – das Gefühl, dass bereits eine Vorentscheidung gefallen ist. Deshalb lautet ihr Vorschlag nun, dass sie nur einen dieser Riegel baut – nach ihren Plänen und für Familien. Den Rest könne beispielsweise die NLG entwickeln.
Vermietung an einkommensschwache Familien eine Herzensangelegenheit
Wilmes hat in den vergangenen Jahren mehrere Immobilien gekauft oder gebaut, die sie zu einem günstigen Mietzins vermietet. Sie ist selbstständige Pferdewirtin und macht dies zur eigenen Altersvorsorge. Da Wilmes aber kinderlos ist, möchte sie nach eigener Aussage die Immobilien nach ihrem Tod guten Zwecken zuführen. „Mir ist es inzwischen eine Herzensangelegenheit geworden, dass Familien günstigen Wohnraum haben und die Wohnungen dann auch weiter so genutzt werden.“
Im Falle des Schlehdornweges hat sie vor, die Immobilie für die nächsten 50 Jahre oder Zeit ihres Lebens als bezahlbaren Wohnraum zu vermieten und das Gebäude dann mit der Auflage, diesen Zweck fortzuführen, der Stadt zu schenken. „Da die Stadt so in den Miesen steckt, wäre es doch erstaunlich, dieses Angebot auszuschlagen“, so Wilmes.
Zwölf Wohnungen für 980.000 Euro gebaut
Sie könne als Private deutlich billiger bauen, meint die Pferdewirtin. Sie vergleicht die Kosten für die elf Sozialwohnungen, die die Stadt vor rund fünf Jahren in der Norderstraße bauen ließ, mit den Kosten für ihre etwa zur gleichen Zeit gebauten zwei Mehrparteienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen in Sandhorst. Die Stadt gab – inklusive Aufzug, Balkonen, Räume für Läden und Mehrkosten durch eine Torflinse im Untergrund – rund 3,5 Millionen Euro aus. Wilmes kam mit 980.000 Euro aus. Am Ende schuf die Wallinghausenerin Wohnraum für mehr Menschen.
Und das wäre wohl auch am Schlehdornweg so. Nach den bisher bekannten Plänen der NLG sollen dort zwar 60 Appartements entstehen, aber überwiegend für ein bis zwei Personen. Wilmes käme mit ihrer Kalkulation für 30 Vier-Personen-Wohnungen auf 120 Bewohner.
Wilmes: Bei meinem Vorschlag müsste Stadt sich nicht verschulden
Auch wenn die Stadt eine Projektgesellschaft mit der NLG gründen würde, werde dort städtisches Geld eingebracht, befürchtet Wilmes. „Es ist doch egal, wofür die Stadt die Schulden aufnimmt. Bei meinem Vorschlag müsste sie gar keine Schulden machen und hätte nach 50 Jahren die Immobilie.“
Die Pferdewirtin hat sich bei ihren Immobilienprojekten zum Sparfuchs entwickelt. Ihr schweben Reihenhäuser vor, wo die Bewohner auf drei Ebenen wohnen. Unten wäre Platz für Essen, Wohnen und das Bad, im ersten Stock für ein Schlafzimmer und ein Kinderzimmer. Unter dem Dach wäre noch ein Kinderzimmer, das mit einer Raumspartreppe erreicht würde.
Planung für möglichst geringe Betriebskosten
Auch über die Beheizung hat sich Wilmes Gedanken gemacht. Eine Wärmepumpe, ergänzt um Durchlauferhitzer für das Wasser wären aus ihrer Sicht ein guter Mix. Wichtig sei für sie, dass die Mieter nicht bei den Folgekosten in eine Falle tappten. Deswegen kalkuliert Wilmes akribisch auf Sparsamkeit beim Energieverbrauch und will pragmatisch bauen.
Auf ihre Vorstellung im Verwaltungsausschuss hätten die Ratsleute allerdings zurückhaltend reagiert, berichtet Wilmes.