Neujahrsempfang in Großefehn  Ausblick auf ein forderndes Jahr

| | 06.01.2024 20:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Neujahrsempfang der Gemeinde Großefehn im Compagniehaus in Ostgroßefehn war ein Anziehungspunkt. Fotos: Wilfried Gronewold
Der Neujahrsempfang der Gemeinde Großefehn im Compagniehaus in Ostgroßefehn war ein Anziehungspunkt. Fotos: Wilfried Gronewold
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Bürgermeister Erwin Adams berichtete von großen Projekten und ernsten Finanzsorgen. Er lobte aber auch die typischen Stärken der Großefehntjer und zeichnete zwei Bürger besonders aus.

Eigentlich wollte der Großefehntjer Bürgermeister Erwin Adams die Prominenz beim Neujahrsempfang im Compagniehaus am Sonnabend nicht namentlich begrüßen. Als es aber um die Schieflage im Haushalt ging, rutschten ihm die Namen von Johann Saathoff, Wiard Siebels und Saskia Buschmann –  den drei Auricher Abgeordneten in Land und Bund – doch raus. Sie sollen helfen, dass die Kommunen von Bund und Land für ihre Aufgaben finanziell besser ausgestattet werden.

Erwin Adams dankte in seiner Ansprache auch Hinrich Trauernicht für sein langjähriges politisches Wirken. Foto: Wilfried Gronewold
Erwin Adams dankte in seiner Ansprache auch Hinrich Trauernicht für sein langjähriges politisches Wirken. Foto: Wilfried Gronewold

Gut drei Millionen Euro fehlen der Gemeinde Großefehn in diesem Jahr im laufenden Haushalt. Bei geplanten Investitionen in Höhe von fast 15,3 Millionen Euro muss die Gemeinde fast zehn Millionen Euro neue Schulden machen. „Das sind erschreckende Zahlen“, so Adams. Der Schuldenstand insgesamt steigt zum Jahresende voraussichtlich auf 26,6 Millionen Euro – das sind immerhin 1835 Euro pro Großefehntjer Nase.

Adams: „Ik kann d‘r s‘nachts nich mehr van slapen.“

Die Ursachen benannte Adams auch: Die Einnahmeseite sei gut, stagniere aber. Die Ausgabenseite hingegen explodiere, unter anderem bei Personal- und Energiekosten. „Ik kann d‘r s‘nachts nich mehr van slapen.“

Erwin Adams (von rechts) brachte seine Bitte um mehr Finanzkraft von Land und Bund auch noch persönlich bei den Abgeordneten Johann Saathoff und Wiard Siebels vor. Foto: Wilfried Gronewold
Erwin Adams (von rechts) brachte seine Bitte um mehr Finanzkraft von Land und Bund auch noch persönlich bei den Abgeordneten Johann Saathoff und Wiard Siebels vor. Foto: Wilfried Gronewold

Wie viele seiner Amtskollegen und die kommunalen Verbände kritisierte auch Adams, dass den Kommunen immer umfangreichere Aufgaben zugewiesen werden. „Wer bestellt, bezahlt mit!“, forderte Adams. Anteilige Förderungen für Investitionen seien schön, aber auch an den anschließenden Betriebskosten müssten sich Land und Bund beteiligen. Darauf blieben bislang dann die Gemeinden alleine sitzen. Zudem müssten nachträglich Kostensteigerungen berücksichtigt werden. Die Finanzierungsregelung müsse in neue Gesetze gleich mit aufgenommen werden. Und auch Bürokratieabbau sei vonnöten.

Lob für den Fehntjer Zusammenhalt

Natürlich äußerte sich Adams auch zu den Bauernprotesten: Parolenbrüller, die nur aufspringen, seien nicht gut. „Wir wollen fachliche Proteste – und unsere Bauern können das.“

Erwin Adams hielt in 80 Minuten einen Rückblick auf 2023 und stellte die Pläne für 2024 vor. Foto: Wilfried Gronewold
Erwin Adams hielt in 80 Minuten einen Rückblick auf 2023 und stellte die Pläne für 2024 vor. Foto: Wilfried Gronewold

Der Bürgermeister lobte in seinem Rundumschlag den Zusammenhalt in Großefehn – nicht nur die überaus häufige Einstimmigkeit bei politischen Beschlüssen, sondern auch die Mithilfe von Bürgern bei der Straßenreparatur nach dem Großefehntjer Modell oder die gute Zusammenarbeit mit den Sportvereinen, die eigenständig große Investitionen in die Sportanlagen tätigen oder sich eng bei Bauvorhaben abstimmen.

Beim RTC ging es schnell

Zudem gebe es gut funktionierende Arbeitskreise, beispielsweise zum Thema Feuerwehr, „Blühendes Großefehn“ oder zum Reitsport- und Touristik-Centrum. Letzterer Kreis arbeitete so gut, dass die Abgabe des RTC und seine Verpachtung im vergangenen Jahr an zwei Marathon-Sitzungstagen ohne vorherige Ankündigung und lange Diskussionen durchgepaukt werden konnte.

Martin Aden (links) bekam von seinem früheren Schüler und nun Bürgermeister Erwin Adams die Ehrenmedaille überreicht – mit etlichen Anekdoten aus seinem Wirken.
Martin Aden (links) bekam von seinem früheren Schüler und nun Bürgermeister Erwin Adams die Ehrenmedaille überreicht – mit etlichen Anekdoten aus seinem Wirken.

Apropos Abgabe: Drei Ratsmitglieder haben ihre Mandate zurückgegeben – allesamt Frauen. Nachgerückt sind drei Männer. Damit sind im 31-köpfigen Großefehntjer Rat derzeit noch drei Frauen vertreten.

Zwei Ehrenmedaillen

Und zwei Ortsbürgermeister haben jüngst ihre Ämter abgegeben. Adams dankte dem abwesenden Hinrich Trauernicht, der 40 Jahre lang Ortsbürgermeister von Spetzerfehn war. Martin Aden, der nach zwölf Jahren nun sein Amt als Ortsbürgermeister von Holtrop aufgibt, bekam die Ehrenmedaille der Gemeinde. Er sei jahrelang als Ortsbürgermeister vermittelnd und zupackend für Holtrop eingetreten, habe sich um den Sport und die Schullandschaft in der Gemeinde verdient gemacht. „Der Dorfplatz wird immer mit deinem Namen verbunden bleiben“, lobte Adams.

Enno Kruismann (rechts) steckte unter den wachsamen Augen von Erwin Adams (von links) und Siebelt Fohrden dem Timmeler Bernhard Bohlen die Ehrenmedaille an.
Enno Kruismann (rechts) steckte unter den wachsamen Augen von Erwin Adams (von links) und Siebelt Fohrden dem Timmeler Bernhard Bohlen die Ehrenmedaille an.

Ebenfalls geehrt wurde Bernhard Bohlen aus Timmel, der sich in Vereinen und als Anpacker bei handwerklichen Aufgaben in unzähligen Stunden für das Gemeinwohl eingesetzt habe, so Adams.

Meilensteine in diesem Jahr

Zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen werden derzeit in Containern betreut. Möglichst in diesem Jahr soll der Anbau für eine Krippengruppe in Mittegroßefehn fertig werden. Für die neue Viergruppen-Kita in Ostgroßefehn stehen die Entwurfsplanung und die Bauleitplanung an.

An der Grundschule Spetzerfehn wird die Fensterfront saniert und in Mittegroßefehn das Lehrerzimmer neu gestaltet. Der Anbau an die KGS mit elf Klassenräumen, einem EDV-Raum und Beratungsräumen soll im Herbst fertig werden.

Detlef Meyer ist der neue Fachbereichsleiter Bau. Foto: Wilfried Gronewold
Detlef Meyer ist der neue Fachbereichsleiter Bau. Foto: Wilfried Gronewold

Möglicherweise wird schon in diesem Jahr der Radweg an der K 107 zwischen Strackholt und Fiebing saniert. Der Neubau eines Radweges an der K 106 zwischen Ulbargen und Timmel ist in Vorbereitung. Zudem soll in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren für die Ortsdurchfahrt Westgroßefehn eingeleitet werden.

Nachdem im Sommer 2023 die Betreute Wohneinrichtung der Awo fertig geworden ist, soll am 1. April der neue Seniorenbutler-Wohnpark in Strackholt eröffnet werden.

Die Erweiterung des Gewerbegebiets Mittegroßefehn soll 2024/2025 erschlossen werden. Für das Gewerbegebiet Ulbargen soll die Bauleitplanung in diesem Jahr über die Bühne und 2025 mit der Erschließung begonnen werden.

Im Baugebiet Akelsbarg sind von 16 Grundstücken zwei frisch verkauft. Für das Baugebiet Mittegroßefehn werden in Kürze neun Verträge beurkundet. Das Baugebiet Claaßen‘s Land soll in diesem Jahr erschlossen werden. Das Baugebiet Holtrop ist derzeit in der öffentlichen Auslegung.

Die Genehmigung für die Erweiterung des Edeka-Marktes in Timmel steht kurz vor der Erteilung.

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