Überflutung am Großen Meer Alle einig – es muss sich etwas ändern
Die Bewohner des Ferienhausgebietes fordern besseren Überflutungsschutz, die Gemeinde kündigt Maßnahmen an. Die könnten aber vielleicht wehtun.
Bedekaspel - Spuren des Hochwassers in der Ferienhaussiedlung am Großen Meer sind am Donnerstag noch überall zu sehen. Auf mehreren Wegen stehen Pfützen. Der Boden ist mehr als gesättigt mit Wasser. Ein Anwohner des Reiherweges schippt mit der Schaufel Dreck vom Weg. Andere gehen durch die Siedlung und schütteln den Kopf. Am Hasenweg standen am Mittwochabend mehrere Grundstücke unter Wasser. Auch einige Grundstücke am Reiherweg sind am Donnerstag noch deutlich überschwemmt.
Um 22.30 Uhr war am Mittwochabend der Höhepunkt des Hochwassers erreicht. Seitdem geht das Wasser zurück. Knapp einen Zentimeter pro Stunde, wie Jan van Dyk vom I. Entwässerungsverband Emden sagte. Am Donnerstagnachmittag war der Pegel bereits um 13 Zentimeter abgesunken. Die EWE Netz war trotzdem bis Donnerstagnachmittag noch nicht in der Lage, den Strom wieder anzuschalten. Man arbeite mit Hochdruck daran, sagte ein Mitarbeiter vor Ort.
Wetterlage eigentlich noch nicht katastrophal
Van Dyk beschreibt die Situation: Der Boden sei von den vielen Regenfällen im vergangenen Jahr schon sehr gesättigt gewesen. In den ersten Tagen des neuen Jahres seien 50 Millimeter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das Wasser sei dann sehr schnell angestiegen. „Das war aber noch keine katastrophale Situation“, sagt van Dyk. Eigentlich.
Das Problem liege darin, dass das Ferienhausgebiet in einem Unterschöpfgebiet liegt. „Das Ferienhausgebiet ist ein Konstrukt, dem wir heute nie wieder so zustimmen würden“, sagte der Verbandsingenieur des Entwässerungsverbandes. Es sei vorgegeben, dass die Häuser zum Schutz vor Überflutung auf Stelzen gebaut oder mindestens durch ausreichende Dämme geschützt werden müssten. Das sei aber nicht überall der Fall. Und wenn das Wasser an einer Stelle über den Damm laufe, werde auch die Umgebung geschädigt, so van Dyk.
Bürgermeister: Einigung, dass Firma Damm erhöhen sollte, ist geplatzt
Der Entwässerungsverband sei für die Gewässer im Ferienhausgebiet nicht zuständig, sondern nur für das Marscher Tief und die Wiegboldsburer Riede. Dort seien die Dämme nach der Überflutung im Februar 2022 dann auch erhöht worden.
Und wie ist es im Ferienhausgebiet? Dort hat es nach Angaben von Bürgermeister Thomas Erdwiens durchaus Bemühungen gegeben, die Dämme zu erhöhen. Doch sie seien an einigen der Hausbesitzer gescheitert.
Die Gemeinde sei am Privatweg Hasenweg formal weder für die Straße noch für die Grundstücke oder die Dämme zuständig. Das sei alles in privater Verantwortung. Nach mehreren Gesprächen der Behörden und mit den Anliegern sei zwischenzeitlich eine Einigung erzielt worden, dass ein Unternehmer für die Erhöhung der Dämme im Ganzen sorgen solle.
Die Anlieger seien darüber schriftlich informiert worden. Doch einige hätten sich aus dieser Vereinbarung gelöst, sodass das Projekt geplatzt sei. „Ich glaube, es ist noch nicht erkannt worden, dass man nicht dauerhaft mit dem Problem leben kann“, sagte der Bürgermeister.
Bürgermeister: Überflutungen können kein Dauerzustand werden
Die Gemeinde sei nur im Bereich der Gefahrenabwehr zuständig – beispielsweise bei einer Überflutung, wenn Leib und Leben sowie Güter in Gefahr seien. Sonst sei die Gemeinde dort nicht in der Pflicht.
Da aber damit zu rechnen sei, dass nach starken Regenfällen das Große Meer öfter viel Wasser führt, die Dämme aufweichen und das Ferienhausgebiet nun mal in einem Überflutungsgebiet liege, müsse die Gemeinde nun zusammen mit dem Landkreis und dem Entwässerungsverband vielleicht selbst Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu verbessern, so Erdwiens. Die Überflutungen könnten kein Dauerzustand werden.
Abkapselung des Gebietes nicht mehr auszuschließen
Deshalb gebe es auch derzeitiger Sicht zwei Möglichkeiten, so Erdwiens: Entweder die Anwohner kämen gemeinsam der Aufforderung nach, die Dämme zu verstärken. Oder die Gemeinde müsse überlegen, den Bootsanlegeplatz und die kleinen Kanäle, die in der Ferienhaussiedlung bis an die Grundstücke heranreichen, dauerhaft von der Wiegboldsburer Riede abzuschneiden und zu verfüllen.
Eine Abkapselung des Gebietes sei nicht mehr auszuschließen. „Das hätte aber weitreichende Folgen für die Attraktivität des Gebiets“, so der Bürgermeister. Einig sind sich van Dyk und Edwiens, dass bald etwas passieren muss.
Anlieger ärgern sich über Stillstand in den vergangenen zwei Jahren
Das sehen auch einige Anlieger so. Ein Ferienhausbesitzer am Reiherweg drückte seine Enttäuschung aus. Zum zweiten Mal sei sein Schuppen unter Wasser gewesen. Das Haus werde durch das anstehende Wasser nicht besser. Er habe am Mittwoch schon über einen Verkauf des Hauses nachgedacht. Der Anwohner sieht die Gemeinde in der Pflicht, Abhilfe zu schaffen. Schließlich werde auch eine Zweitwohnungssteuer erhoben. „Da kann man nicht alles auf Private abwälzen.“
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Timo Ludwigs vom Hasenweg hatte bereits am Mittwochmittag die Einsatzkräfte alarmiert. Er versteht nicht, warum seit 2022 nicht mehr passiert ist, um die Häuser zu schützen. „Es wurde so viel angekündigt, aber nichts realisiert.“ Stattdessen gehe es um Zuständigkeiten.
Er habe im September 2022 ein Schreiben des Landkreises erhalten, dass er das Grundstück offen halten solle, damit Baumaschinen durchfahren und Pfähle rammen und den Damm erhöhen können. Seitdem habe er nichts mehr gehört. Passiert sei nichts. „Da muss sich was tun“, so Ludwigs.