Nachricht mit zweifelhaftem Inhalt Verwirrung um Sprachnachricht über ein lahmgelegtes Aurich
In Whatsapp-Gruppen macht die Ankündigung die Runde, dass Aurich am Sonnabend von Bauernprotesten lahmgelegt werde. Polizei und Ordnungsamt sind nicht informiert. Selbst die Bauern sind erstaunt.
Aurich - Eine Sprachnachricht macht derzeit auf Whatsapp die Runde: Am Sonnabend werde Aurich komplett von Bauern dichtgemacht. Ab 8 Uhr werde in Aurich nichts mehr gehen.
Was an dieser Nachricht dran ist, ist schwer zu sagen. Die Polizei wusste am frühen Donnerstagnachmittag noch nichts von einer entsprechenden Anmeldung oder Landwirten, die sich verabreden. Natürlich sei es möglich, dass im Laufe der nächsten Stunden noch eine Anmeldung eingehe.
Auch das Ordnungsamt der Stadt Aurich, bei dem eine offizielle Aktion angemeldet werden müsste, hat keine Kenntnis von Plänen, am Sonnabend die Innenstadt lahmzulegen.
Landwirte rätseln auch über den Ursprung der Nachricht
Und die Landwirte rätseln ebenso. In ihren Gruppen mache die Nachricht auch die Runde, doch bislang wisse niemand, woher sie kommt, sagte Fokko Schumann, Sprecher des Vereins Land schafft Verbindung (LSV). Der LSV hat in der Vergangenheit schon mehrfach Protestaktion organisiert. Eine Demo am Sonnabend sei LSV-seitig aber nicht geplant. Und er habe auch sonst keine ernsthaften Hinweise in den Chatgruppen von Landwirten gesehen, dass dann etwas geplant sei, so Schumann.
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Er habe, ganz im Gegenteil, von Teilnehmern der Demonstration in Oldenburg gehört, dass nicht jeden Tag etwas stattfinden könne. Die Landwirte hätten am Mittwoch insgesamt 12 Stunden auf dem Trecker verbracht. Hinzu komme die tägliche Arbeit auf dem Hof. „Das sind dann 20-Stunden-Tage“, so der LSV-Sprecher. Er gehe bislang davon aus, dass es vor Weihnachten erst einmal ruhig bleiben werde.
Am Freitagmorgen verschickte LSV Ostfriesland auch noch eine Nachricht an alle eigenen Chatleser: Darin heißt es, dass auch LSV sich der Weihnachtsruhe anschließe. „Der Tag vor Weihnachten ist traditionell der umsatzstärkste Tag im Jahr. Dieses Jahr liegen drei Sonntage nacheinander. Dementsprechend groß ist der Andrang in den immer noch von Krisen gebeutelten Geschäften. Wir wollen unsere breite Unterstützung nicht verspielen. Lasst uns gestärkt im neuen Jahr durchstarten.“
Das ist auch die offizielle Auffassung des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland (LHV). „Für uns gilt der Weihnachtsfrieden“, betonte Geschäftsführerin Maren Ziegler. Sie habe die Nachricht auch bekommen, allerdings nicht aus einer landwirtschaftlichen Gruppe heraus. Sie wisse nicht näher, wer da wann und wo streiken wolle. „Wir wollen die allgemeine Solidarität nun nicht riskieren, indem wir vor Weihnachten die Straßen blockieren“, so Ziegler: „Wir werden definitiv nicht dazu aufrufen.“ Was einzelne Heißsporne in der derzeit aufgeheizten Stimmung vielleicht auf eigene Faust als Spontanaktion planen, könne man natürlich nicht wissen. Im Verband würden derzeit Ideen für weiteren Protest im Januar gesammelt und konkretisiert.
Tannen: „Es sollten jetzt alle durchatmen, bevor sie Aktionen planen“
Laut Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland und Vize-Präsident des Niedersächsischen Landvolks, hat sich der Deutsche Bauernverband (DBV) heute darauf verständigt, dass zwischen Weihnachten und Neujahr über weitere Protestaktionen ab dem 8. Januar beraten werden soll. Es gehe auch nicht um den 8. Januar als festes Datum, so Tannen. Vielfach wird in sozialen Netzen derzeit dieser Tag als Datum für einen Generalstreik in Deutschland genannt. Es gehe um die Zeit ab dem 8. Januar. In der nächsten Sitzung werde entschieden, ob es im Januar zuerst regionale Proteste und später eine Kundgebung in Berlin geben solle oder umgekehrt, so Tannen.
Manche Aktion hält Tannen für inakzeptabel
Er hat eine Bitte: „Es sollten jetzt alle durchatmen, bevor sie Aktionen planen.“ Derzeit stehe eine große Mehrheit der Bevölkerung hinter den Anliegen der Landwirte. Diese Solidarität dürfe nicht mit Einzelaktionen riskiert werden.
Natürlich habe jeder Landwirt das Grundrecht zu demonstrieren. Aktionen, die andere gefährden oder auch der Protest von Landwirten vor dem Privathaus der Landwirtschaftsministerin seien „absolut inakzeptabel“, so Tannen. Die Proteste müssten der Sache dienen.
Über die vielfach bekundete Solidarität freuen die Landwirte sich. Wenn Gastronomen oder Transporteure, die ebenfalls von den Maßnahmen der Regierung betroffen seien, gemeinschaftlich mit den Landwirten protestieren, sei dies sehr erfreulich, sagte Tannen. Doch es sei am Donnerstag im Bauernverband auch Thema gewesen, wie eine Unterwanderung von rechts verhindert werden könne. „Das steht ganz oben auf der Agenda“, so Tannen: „Das wollen ausdrücklich verhindern.“
Protestaktion in Wittmund am Freitag
Derzeit fragten die Landwirte sich, woher Sprachnachrichten wie die angesprochene kommen, sagt auch Fokko Schumann. Und nicht nur das. In sozialen Medien kursiert der Spruch „Bauern gegen die Ampel“ oder „Landwirte gegen die Ampel“. Auch da habe man sich schon gefragt, woher die Aussage komme, so Schumann. Die Bauern protestierten derzeit gegen die jetzigen und vorherigen Beschlüsse der Ampel im Bereich Landwirtschaft.
Während es in Aurich noch keine konkreten Hinweise auf eine Demonstration am Sonnabend gibt, ist für den späten Freitagnachmittag eine Kundgebung in Wittmund im Bereich der Phantomkreuzung angemeldet, wie Polizeisprecherin Wiebke Baden auf Nachfrage bestätigte. Anmelder ist kein Verband, sondern ein Landwirt aus Dunum.