Gas-Kunden in Moordorf  Familie wegen EWE-Abrechnung schockiert

| | 19.12.2023 13:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ihren Wintergarten heizen Ralf und Sarah Frericks mit ihrem Kaminofen. Im Haus sind sie aber auf ihre EWE-Heizung angewiesen. Foto: Holger Janssen
Ihren Wintergarten heizen Ralf und Sarah Frericks mit ihrem Kaminofen. Im Haus sind sie aber auf ihre EWE-Heizung angewiesen. Foto: Holger Janssen
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Mehr als das Doppelte sollen Sarah und Ralf Frericks aus Moordorf künftig für ihren Wärme-Plus-Vertrag an die EWE zahlen. Die Sorgen waren groß. Doch nun sieht es nach einem Happy End aus.

Moordorf - Auf ihren Energieversorger sind Sarah und Ralf Frericks aus Moordorf nicht mehr gut zu sprechen. Dabei lief jahrelang alles glatt. Doch als sie ihren sogenannten Wärme-Plus-Vertrag beim Anbieter EWE vertragsgemäß kündigen wollten, begannen die Probleme – und die Sorgen, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Jahrelang lief mit der EWE alles gut

Vor ziemlich genau zehn Jahren schloss das Paar mit der EWE den Wärme-Plus-Vertrag ab. Der besteht aus der Brennwerttherme, die die EWE bei den Kunden vor Ort einbaut, und der Gaslieferung für die Wärme. Vereinfacht gesagt mieten Kunden die Heizungsanlage von dem Unternehmen. Über viele Jahre lief alles glatt, so Sarah Frericks im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Heizung funktionierte, die Abrechnung ebenfalls und in regelmäßigen Abständen kamen Techniker, um die Anlage zu warten. Doch im Laufe dieses Jahres änderte sich das. Das Paar wollte die Heizungsanlage zum sogenannten Restzeitwert übernehmen, um so künftig keine monatliche Miete mehr dafür zahlen zu müssen. Das geht laut Vertrag nach zehn Jahren. Voraussetzung: Neun Monate vor Ablauf der Frist muss dies bei der EWE angemeldet werden. Bei Abschluss des Vertrages sei ihnen zwar gesagt worden, dass sich die EWE rechtzeitig melden werde.

Abrechnung der EWE sorgte für Schock

Doch darauf verließen sich Sarah und Ralf Frericks nicht und schrieben das Unternehmen Anfang dieses Jahres an. Eine Rückmeldung darauf erhielten sie jedoch nicht. Stattdessen ließ – wie bei vielen EWE-Kunden – die jährliche Verbrauchsabrechnung auf sich warten. Als die mit mehrmonatiger Verspätung eintraf, folgte der Schock: Statt wie bisher etwa 370 Euro im Monat, sollte die Familie plötzlich rund 890 Euro für Heizungsmiete und Gasversorgung zahlen. Der monatliche Abschlag wurde mehr als verdoppelt, obwohl der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr geringer war. Ein weiteres Problem: Laut Sarah Frericks hatte der Energieversorger über mehrere Monate keine Abschläge mehr abgebucht. Nachdem sie dies festgestellt hatte, habe sie die Beträge von sich aus überwiesen, um keine hohe Nachzahlung zu riskieren.

Kündigung liegt EWE offenbar nicht vor

Und was war mit der Vertragskündigung? Auf die gab es seitens der EWE weiter keine Reaktion. „Wir haben dann nochmal eine Kündigung geschickt, diesmal per Einschreiben“, so Sarah Frericks. Doch da war die Frist bereits abgelaufen. Fünf weitere Jahre sollte das Paar die Miete für die Heizungsanlage zahlen.

Was das Paar besonders stört, ist der Umgang der EWE mit ihnen. Trotz vielfacher Anrufe sei keine Lösung zu finden gewesen. „Wir haben überhaupt keinen Ansprechpartner.“ Vom Vertrieb seien sie an EWE-Netz verwiesen worden und umgekehrt. Niemand habe sich zuständig gefühlt. Ähnlich beschreiben dies immer wieder auch andere Kunden, die Schwierigkeiten mit dem Unternehmen haben.

Wie ein Sprecher der EWE auf Anfrage mitteilt, liegt dem Unternehmen nur die zweite Kündigung vor. Eine vertragliche Vereinbarung, wonach die EWE ihre Kunden rechtzeitig auf die mögliche Kündigung nach zehn Jahren hinweist, gebe es nicht. „Wenn ein Kunde den Vertrag kündigen möchte und dieses innerhalb der Frist EWE mitgeteilt wird, teilt EWE den Kunden den Restzeitwert der Brennwerttherme mit. Sofern der Kunde die Therme übernehmen möchte, kann nach Übernahme und nach zehn Jahren Belieferungszeitraum ein neuer Anbieter vom Kunden ausgewählt werden. Sofern nicht innerhalb der Frist gekündigt wurde, verlängert sich der Vertrag [...] automatisch um fünf weitere Jahre“, so der EWE-Sprecher. Was die plötzliche drastische Erhöhung der monatlichen Abschläge betrifft, beruft sich die EWE auf eine Preisanpassungsklausel im Vertrag. Diese bestimme den jeweiligen Arbeitspreis und orientiere sich an den Entwicklungen der Energiehandelspreise. Man halte sich für erforderliche Preisanpassungen genau an diese Vorgaben, was auch jährlich vom TÜV Nord bestätigt werde. „Ein Sonderkündigungsrecht gibt es nicht, wenn die vertraglich vereinbarte Preisanpassungsklausel zu einem höheren Arbeitspreis führt“, so der Sprecher. Diese Klausel habe auch jahrelang dafür gesorgt, dass die Kundinnen und Kunden – auch im letzten Jahr mit den besonderen Auswirkungen der Energiekrise – günstig beliefert wurden.

Happy End kurz vor dem Fest

Keine Chance also für die Familie Frericks? Die Sorgen waren entsprechend groß. Vor allem wegen der etwa 890 Euro, die das Paar künftig monatlich zahlen sollte. Immerhin über 400 Euro teurer als bisher. Doch es scheint, als nähme die Sache kurz vor Weihnachten noch ein gutes Ende, wie aus der EWE-Mitteilung an unsere Redaktion hervorgeht. Zwar datiere die einzige der EWE vorliegende Kündigung auf den 2. November, womit die neunmonatige Kündigungsfrist nicht eingehalten wurde. Aber: „Da der Kunde angibt, bereits zum Jahresbeginn eine Kündigung an EWE geschickt zu haben, werden wir ihn kontaktieren und ihm aus Kulanzgründen ermöglichen, die Therme zum Restzeitwert zu übernehmen.“ Das heißt: Ralf und Sarah Frericks können die Heizungsanlage kaufen und sich dann einen neuen Gasanbieter suchen. In der Hoffnung, dass die monatlichen Kosten dadurch geringer sind.

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