Kundgebung von breitem Bündnis  Hunderte demonstrierten in Norden gegen Hass

| | 08.12.2023 22:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Norder Jugendbürgermeisterin Merle Gatena (am Mikrofon) mit (von links) Dr. Alexander Göbel, Eva Requardt-Schohaus und Günter Beyer (halb verdeckt). Foto: Walter Zuber/privat
Die Norder Jugendbürgermeisterin Merle Gatena (am Mikrofon) mit (von links) Dr. Alexander Göbel, Eva Requardt-Schohaus und Günter Beyer (halb verdeckt). Foto: Walter Zuber/privat
Artikel teilen:

Angesichts der Gewalt in Israel und Palästina riefen mehrere Norder Gruppen am Freitagabend zu Frieden auf. Bürgermeister Florian Eiben fand klare Worte.

Norden - Rund 400 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter am Freitagabend an einer Kundgebung „für ein gelingendes Leben in Frieden und Freiheit gegen Krieg und Gewalt“ auf dem Arp-Schnitger-Platz in Norden teilgenommen. Aufgerufen dazu hatte kurz vor dem Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ein breites Norder Bündnis Norder Gruppen und Einzelpersonen, darunter Amnesty International, Attac, Prof. Dr. Lothar Bertels, der CDU-Stadtverband, DGB-Ortsverband, Dr. Alexander Göbel, Ines Göbel, die Grünen, Ev.-luth. Kirchenkreis, Klimagruppe, Dr. Schönwetter-Neumann, Ökumenischer Arbeitskreis Norden, Terre des Femmes und SPD-Ortsverein.

Anlass war der 75. Jahrestag der Verabschiedung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen, der nach Auffassung des Bündnisses wegen des Krieges in Palästina besondere Bedeutung in Deutschland erlangt - aber auch angesichts von derzeit 21 Kriegen und 216 bewaffneten militärische Auseinandersetzungen, die die Welt bedrohen. Die Veranstalter erinnerten an das Versprechen der Eltern und Großeltern „Nie wieder Krieg – Nie wieder Raum für Antisemitismus in Deutschland!“ und forderten dazu auf, es jetzt einzulösen. „Nie wieder ist jetzt“, hieß es.

Bürgermeister: „Hass hat keinen Platz in unserer Stadt“

Für den Norder Bürgermeister Florian Eiben sind die Menschenrechte nicht verhandelbar. „Sie sind das unerschütterliche Fundament unserer Gesellschaft und verkörpern, worauf unsere Stadt Norden stolz ist – eine Gemeinschaft, die Vielfalt schätzt und eine Atmosphäre der Akzeptanz schafft. Antisemitismus, Rassismus und menschenverachtender Hass haben keinen Platz in unserer Stadt. Wir müssen uns entschieden gegen jede Form von Intoleranz stellen und eine Umgebung schaffen, in der jeder Bürger sich sicher und respektiert fühlt. Lasst uns gemeinsam die Hände reichen, um Solidarität und Mitgefühl zu zeigen. In Norden haben wir die Möglichkeit, als Beispiel für ein friedliches Miteinander voranzugehen. Wir müssen aktiv gegen Vorurteile kämpfen, Brücken zwischen Kulturen bauen und das Bewusstsein schärfen, dass wir alle Teil einer globalen Gemeinschaft sind.“

Jugendbürgermeisterin Merle Gatena griff ebenfalls die Möglichkeiten der Stadtgesellschaft auf: „Obwohl Krieg und Leid auf der ganzen Welt vorhanden sind und auch wir hier in Deutschland, in Norden, ihre Auswirkungen spüren, können wir gemeinsam und durch Offenheit und Toleranz unseren Teil für den Frieden tun.“

Gewerkschafter ruft zu gerechtem Frieden für Israel und Palästina auf

Günter Beyer, Gewerkschafter in der GEW, der kurzfristig für den erkrankten DGB-Ortsverbandsvorsitzenden Hans Forster eingesprungen war: „Antisemitismus durchzieht inzwischen unsere gesamte Gesellschaft bis in die Mitte. Doch wir stellen uns gemeinsam gegen die Einschüchterung und Bedrohung von Jüdinnen und Juden. Wir verurteilen den abscheulichen Terror der Hamas gegen die Menschen in Israel. Gleichzeitig wenden wir uns entschieden gegen die nach der Genfer Konvention unverhältnismäßigen Vergeltungsmaßnahmen der israelischen Regierung. Diese Maßnahmen bringen nicht zu rechtfertigendes Leid über unschuldige Menschen. Wir drängen auf einen gerechten Frieden für Israel und Palästina, der beiden Völkern das Existenzrecht in eigenen Staaten garantiert.“

Auch die "Omas gegen Rechts" zeigten Gesicht in Norden. Foto: Walter Zuber/privat
Auch die "Omas gegen Rechts" zeigten Gesicht in Norden. Foto: Walter Zuber/privat

Superintendent Christian Neumann sagte: „Manche scheinen das Wort würde nur noch als Konjunktiv zu kennen. Wir aber wissen von der Würde, die niemandem genommen werden kann. Sie ist das Fundament unserer Demokratie. In unserer Würde gehören wir zusammen: Christen und Juden und Muslime, Atheisten und Humanisten und Menschen, die ihren Buddha lächelnd im Herzen tragen. Unser aller Würde ist unantastbar. Gegen Hass und Hetze gibt es ein Gegengift. Würde und Menschlichkeit sollen wachsen in unserem Land. Hier in Norden fangen wir an. Und wir setzen darauf, dass sich Mitmenschlichkeit ausbreitet wie eine ansteckende Gesundheit. Am Ende wird die Mitmenschlichkeit siegen.“

Plädoyer gegen Prostitution

Eva Requardt-Schohaus, Städtegruppe Norden von Terre des Femmes, von der die Initiative zu der Kundgebung ausging, moderierte die Veranstaltung. Sie verlangte, jenen Kräften entschlossen entgegenzutreten, für die Antisemitismus, Krieg und Gewalt Mittel der Politik sind und auch der Gewalt im alltäglichen Leben Einhalt zu gebieten, wozu auch die Prostitution gehöre. In Deutschland würden jedes Jahr Tausende von Frauen, die aus den armen Ländern Osteuropas, aus Afrika und Asien nach Deutschland gekarrt würden, ausgebeutet und seelisch und körperlich zerstört. Prostitution verstoße gegen die Menschenrechte, Sexkauf müsse deshalb auch in Deutschland verboten werden.

Ähnliche Artikel