Ende zum Jahreswechsel Kardiologische Ambulanz in Norden schließt
Norden wird erneut um ein medizinisches Angebot ärmer. Und eine bereits für Mai angekündigte kardiologische Ermächtigungspraxis hat noch gar nicht aufgemacht – wegen Widerstand aus Aurich.
Norden - Die Gesundheitsversorgung in Norden bekommt offenbar einen weiteren Dämpfer. Laut Medienberichten soll die Kardiologische Ambulanz von Prof. Dr. Stefan Peters zum Jahresende schließen. Prof. Peters ist seit Juli 2020 Chefarzt der Inneren Medizin in Norden. Sein fachlicher Schwerpunkt lag auf der Kardiologie.
Seit der Umwandlung der Ubbo-Emmius-Klinik Norden in ein Regionales Gesundheitszentrum ist die Abteilung Innere Medizin als solche aufgelöst. Geblieben sind die Interdisziplinäre Kurzliegerstation, auf der nach Angaben der Trägergesellschaft des Krankenhauses auch weiterhin internistisch-kardiologische Leistungen erbracht werden, und die Kardiologische Ambulanz. Letztere schließt zum Jahresende.
Kein Kommentar seitens der Trägergesellschaft
Die Trägergesellschaft der Kliniken kommentierte die Entwicklung auf Nachfrage dieser Zeitung äußerst knapp. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine weiteren Aussagen zu diesem Thema treffen“, hieß es am Freitag auf konkrete Nachfrage nach der Kardiologischen Ambulanz von Prof. Peters. Dementiert wurde die Schließung auch auf Nachfrage nicht.
Diese Zeitung hatte auch nach dem Kardiologischen Angebot im Umfeld der UEK Norden gefragt, denn neben Prof. Peters ist noch die Kardiologin Yasmin Akkad als niedergelassene Kassenärztin im Medizinischen Versorgungszentrum auf dem Gelände des früheren Norder Krankenhauses tätig. Außerdem hatte die Trägergesellschaft im Mai bekannt gegeben, dass der an der Ubbo-Emmius-Klinik Aurich tätige Oberarzt Mohamed Khalaf ab dem 15. Mai durch eine kardiologische KV-Ermächtigungsambulanz am Standort Norden das dortige kardiologische Angebot stärken werde. Diese Zeitung fragte also, ob diese beiden medizinischen Angebote die bald fehlende Leistung der Kardiologischen Ambulanz auffangen könnten.
Weitere Ermächtigungspraxis kann vorerst nicht eröffnen
Die Trägergesellschaft teilte dazu Folgendes mit: „Das ambulante kardiologische Angebot in der Region liegt im Aufgabenbereich der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), nicht in dem der Trägergesellschaft. Ambulante Unterstützungsangebote unserer stationären kardiologischen Abteilung werden derzeit durch einen niedergelassenen Kardiologen in Aurich blockiert und verhindert.“
Unsere Zeitung fragte daraufhin bei Dieter Krott, dem Geschäftsführer der Auricher KV, nach. Ihm zufolge hatte der Zulassungsausschuss der KV der Eröffnung einer Ermächtigungspraxis von Mohamed Khalaf in Norden im Frühjahr bereits zugestimmt, weil er die Notwendigkeit einer solchen Praxis gesehen habe.
Was ist eine Ermächtigungspraxis?
Von einer Ermächtigungspraxis spricht man immer dann, wenn in Krankenhäusern beschäftigte Ärzte Aufgaben von niedergelassenen Ärzten übernehmen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt ist eine Ermächtigung zeitlich, räumlich und auch im erteilten Umfang begrenzt. Auch wird entschieden, ob der ermächtigte Arzt direkt oder nur durch Überweisung von Ärzten tätig werden kann. Die Ermächtigung wird befristet und endet mit Widerruf, Entziehung oder dem Ende der Anstellung im Krankenhaus.
Nach der Zustimmung im Zulassungsausschuss habe jedoch ein Facharzt aus Aurich von seinem Widerspruchsrecht gegen die Ermächtigungspraxis Gebrauch gemacht, sagte Krott. Ärzten aus derselben Fachgruppe stehe ein solches Widerspruchsrecht zu. Die Ermächtigung sei gegenüber einer Niederlassung nachrangig. Laut Krott wäre das Angebot von Mohamed Khalaf über die Versorgungsquote hinausgegangen. Nun liege die Entscheidung über die Einrichtung der Ermächtigungspraxis beim Berufungsausschuss der KV Niedersachsen in Hannover.
Kardiologisches Angebot soll an Kurzliegerstation angedockt werden
Laut Krott kann es eine sogenannte Ermächtigungspraxis an einer Klinik nur geben, wenn diese Klinik auch eine entsprechende Abteilung vorhält. Auch die Kardiologische Ambulanz von Prof. Peters sei eine Ermächtigungspraxis, so Krott. Patienten dürften dort nur auf eine ärztliche Überweisung hin behandelt werden.
Die Frage, inwieweit für die Ermächtigungspraxen an einem Regionalen Gesundheitszentrum Norden überhaupt noch eine Grundlage vorhanden sei, wollte Krott nicht beantworten und verwies an die Trägergesellschaft.
Diese teilte am Montag mit, dass auf der Kurzliegerstation der UEK Norden weiterhin auch internistisch-kardiologische Leistungen erbracht werden. Entsprechend werde angestrebt, am Krankenhausstandort Norden dauerhaft ein ambulantes kardiologisches Angebot aufrechtzuerhalten. Dieses Vorhaben werde allerdings derzeit durch den Widerspruch des niedergelassenen Kardiologen aus Aurich blockiert.
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Den Satz in der Anfrage, dass es angesichts der Schließung der Inneren Medizin/Kardiologie in Norden derzeit am Standort Norden keine Verwendung mehr für den bisherigen Chefarzt dieser Abteilung – Prof. Dr. Stefan Peters – gebe, ließ die Trägergesellschaft unwidersprochen stehen. Die Folge: Verlässt er die Klinik, erlischt mit ihm die Genehmigung für die Kardiologische Ambulanz als Ermächtigungspraxis.
Aktionsbündnis: Norden bei Klinik und bei Kassenärzten im Nachteil
Walter Zuber vom Aktionsbündnis für den Erhalt des Norder Krankenhauses sieht die bevorstehende Schließung der kardiologischen Ambulanz äußerst kritisch. Die Praxis von Yasmin Akkad im MVZ sei dann die einzige Anlaufstelle für Kassenpatienten mit kardiologischem Behandlungsbedarf in Norden, sagte er.
Er hätte es begrüßt, wenn am Krankenhaus mit Prof. Peters eine Fachambulanz eingerichtet worden wäre. Das sei aber offenbar von Anfang an von den Klinikverantwortlichen nicht gewünscht gewesen. Ansonsten hätten dessen Leistungen ins RGZ übertragen werden können. „Nun sind die Patienten die Dummen“, so Zuber. Sie blieben zwischen der Klinikumwandlung und den Einzelinteressen von niedergelassenen Kardiologen auf der Strecke.
Zuber kritisiert nicht nur, dass das kardiologische Angebot an der UEK dünner wird. Das Aktionsbündnis fordert auch einen anderen Zuschnitt der KVN-Bezirke. Für die Versorgung mit Fachärzten werde der Landkreis Aurich zusammen mit der Stadt Emden betrachtet. Wenn Fachärzte in Norden aufgehört hätten, seien deren Sitze zuletzt meist nach Aurich oder Emden abgewandert. Deshalb müsse es für die Altkreise Aurich und Norden sowie für Emden getrennte Bezirke geben, so Zuber.