Höhenflug bei den „Crocos“ Trainer-Ikone trimmt Ihlower Handballer auf Erfolg
Wie der ehemalige OHV-Coach Wolfgang Ladwig die „Crocos“ der Eintracht von Sieg zu Sieg führt. Es winkt der dritte Aufstieg in Serie, aber es fehlt noch etwas.
Ihlow – Über seinen Auftrag als Handballtrainer muss der Auricher Wolfgang Ladwig (73) nicht lange nachdenken. „Es gibt bei mir keine Zufriedenheit. Ich will immer mehr und es geht auch immer noch besser“, stellt Ladwig am Rande des Trainings seiner „Crocos“ in der Sporthalle Ihlow klar. Seit drei Jahren trainiert er die Herrenmannschaft des SV Eintracht Ihlow. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die ihren Preis hat.
Viele Ehemalige des OHV Aurich fanden sich 2020 zusammen. Sie wollten gemeinsam Handball spielen und Spaß haben. Einfach so. Mit Ladwig als Trainer wurde die Mannschaft nach seinen Vorgaben ausgerichtet. Für den ehemaligen Trainer des OHV Aurich gibt es nur eine Währung: Sie heißt Erfolg. Da, wo Ladwig ist, ist oben. Das galt für den OHV, den er bis in die 2. Liga führte. Es zeichnet sich eine ähnliche Erfolgsgeschichte in Ihlow ab, aber wohl mit einem anderen Ende. Seit dem Start in der Regionsklasse eilt die Mannschaft von Sieg zu Sieg. Sie feierte zwei Meisterschaften und rangiert aktuell mit weißer Weste auf Platz eins in der Regionsoberliga. 31 Punktspiele in Folge gewonnen. Es winkt die nächste Meisterschaft und der Aufstieg in die Landesliga.
Motivation und Erfahrung
Für Ladwig gibt es mehrere Gründe für diese Erfolgsgeschichte. Er spricht von der „großen Motivation und Erfahrung“, die in der Mannschaft steckt. Eine Handballcrew mit einer großen Altersspanne. Die jüngsten Spieler sind Anfang 20 und der älteste Ende 50 Jahre alt. Spieler, die vom Alter her auch Kinder und Enkelkinder des Trainers sein könnten. Wer Ladwig sieht und spricht, der schätzt ihn deutlich jünger ein, als sein Geburtsjahr 1950 verrät. Ladwig ist seit rund 60 Jahren Anhänger des Hamburger SV und hat seit 50 Jahren bei der SPD seine politische Heimat gefunden. Für die Sozis ist er auch in den Auricher Stadtrat eingezogen.
Für den schlanken Mann mit dem weißen Haarschopf gibt es für sein Fitbleiben mehrere Gründe. Seine Frau erdet ihn immer wieder und der Handball hält ihn in Schwung. Nicht nur ihn, sondern auch seine Spieler. Die hält Ladwig beim Training auf Trab. Zweimal wöchentlich kommen die Spieler zusammen. 17 Spieler und eine stille Reserve gehören zum Kader. Nicht immer sind alle beim Training. 90 Minuten schweißtreibendes Laufen, Spielen und Werfen stehen auf dem Programm.
Mehr Kritik als Lob
Sein Co-Trainer Fabian von Halle beginnt mit dem Aufwärmprogramm. Dafür hat er rund eine halbe Stunde Zeit. Danach übernimmt Ladwig. Er stellt jede Übung kurz vor, dann sind die Spieler dran. Sie studieren Angriffszüge ein, üben Passspiele und fordern die Torwarte. Akribisch verfolgt Ladwig das Treiben. Er steht aufrecht in der Halle, die Arme hinter seinem Rücken verschränkt. Wie ein Offizier auf dem Exerzierplatz. Er gibt kurze, klare Anweisungen wie „Tempo, Tempo“ oder „hopp, hopp, hopp“.
Manchmal unterbricht er die Übungseinheit. Dann korrigiert er die Abläufe, stellt seine Crew anders auf und weiter geht’s. Die Spieler verstehen und liefern. Zum Schluss wird in zwei kleinen Teams gespielt. Ladwig ist und bleibt ein kritischer Beobachter. Er bilanziert: „Das waren keine 100 Prozent. Es gab zu viele Fehlversuche und auch taktische Fehler. Dafür war die Intensität aber auch sehr hoch, weil einige Spieler fehlten.“ Ladwig sagt über sich selbst: „Ich kritisiere mehr, als dass ich lobe.“ Für die Spieler eine Bürde und Herausforderung. Das bekennt auch Kapitän Benjamin Anders: „Wolfgang kann nicht anders. Er hat wie früher immer noch die hohen Ansprüche. Daddeln gibt es bei uns nicht. Unser Projekt zeigt nach oben und das ist klasse Sache.“
Als „Herzbluthandballer“ unterwegs
Rüdiger Seele (Jahrgang 1965), den alle im Team Rudi nennen, kennt Ladwig noch aus den Anfangszeiten, als sich aus dem PSV Aurich der OHV gründete. Seele ist Linkshänder, begehrt, weil es davon wenige gibt. Er gelangte mit dem OHV bis in die Regionalliga. Seele bezeichnet Ladwig als einen „Herzblut-Handballer“ und einen gewieften Taktiker. Sein Treibstoff sei sein Ehrgeiz, um mit der Mannschaft nach oben zu kommen. Oben ist auch, wo die Handballer jetzt in der Regionsoberliga stehen. Auch wenn das eine oder andere Spiel in der laufenden Saison knapper als zuvor verlief, dürfte kein Weg an den kommenden Meister Ihlow vorbeiführen.
Aufstieg in die Landesliga und dann? Dazu sagt Ladwig: „Wir benötigen noch einen dritten Torwart und einen Linkshänder.“
Lösbare Aufgaben für den Netzwerker Ladwig, der über gute Kontakte in der Handballszene verfügt. Der winkt verschmitzt ab. Auch beim Thema OHV Aurich. Er schaut sich zwar regelmäßig Spiele seines Ex-Vereins an, aber sonst ist dieses Kapitel für ihn abgehakt. 2009 trat er nach der Insolvenz des Zweitligisten von allen Ämtern zurück. Ein schmerzvoller Abgang. So etwas dürfte er nicht noch einmal erleben wollen.