Schock nach EWE-Abrechnung Auricherin soll viermal so viel für Gas zahlen
Die Auricherin Sylke Lindemann ist geschockt: Ab November soll sie mehr als 800 Euro monatlich für Gas an die EWE überweisen. Wie kam es dazu?
Aurich - Es sei wie ein Schock gewesen, sagt EWE-Kundin Sylke Lindemann aus Aurich über den Moment, als die Abrechnung vor ihr lag. Sie hat beim Oldenburger Energieversorger den langfristigen Wärme-Plus-Vertrag abgeschlossen, bei dem die Heizung geleast ist. Und traute nun ihren Augen nicht.
Die Auricherin staunte nicht nur über die ausgewiesene Nachzahlung in Höhe von 450 Euro. Schockiert war sie, weil ihr zusätzlich dazu am 1. November ihr neuer monatlicher Abschlag in Höhe von 875 Euro abgebucht werden soll. Bis März soll diese Summe gelten.
Kleiner Nachlass bis Jahresende
Eine gute Nachricht gibt es: Bis Ende Dezember geht von dieser Summe noch der sogenannte Entlastungsbetrag ab, sodass der tatsächliche Abschlag bei 803 Euro liegt. Die Wärmepreisbremse endet nach bisherigem Stand zum Jahresende. Ob sie verlängert wird, ist politisch noch nicht entschieden. Sylke Lindemann kann nur hoffen, dass es danach weiterhin bei 803 Euro bleibt.
Bis zum vergangenen März hatte Sylke Lindemann für die Wärme in ihrem Haus laut den Daten in ihrer Abrechnung monatlich gut 200 Euro bezahlt. Wie kommt jetzt diese Diskrepanz zustande?
Rückzahlung in fünf Monaten
Die EWE-Kundin muss nun für die Abrechnungsprobleme ihres Energieversorgers im wahrsten Sinne bezahlen. Denn ihre Abschlagszahlung wurde massiv gestaucht. Da seit März keine Abschläge mehr abgebucht wurden und sieben Monate lang kein Geld floss, muss der Jahresverbrauch nun in den verbliebenen fünf Monaten abgezahlt werden.
Die EWE hat nach eigenen Angaben betroffene Kunden im Frühjahr darüber schriftlich informiert, dass die Abbuchung ausgesetzt wird, bis die Rechnung kommt – und dass dann wegen dieser Verzögerung und der allgemeinen Preisentwicklung mit deutlich höheren Abschlägen zu rechnen sei.
Preisexplosion fraß Rücklage auf
In Medienberichten wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass betroffene Kunden das Geld für die Abschläge am besten monatlich zurücklegen sollten.
Doch wie weit hätte das in diesem Fall geführt? Sylke Lindemann hätte in den vergangenen sieben Monaten insgesamt 1400 Euro zurückgelegt. Da der Preis für die Wärme aber gestiegen ist, liegt die Jahresgesamtsumme bei 4330 Euro im Jahr. Der monatliche Regelabschlag läge also bei 360 Euro. Das sind monatlich 160 Euro mehr, als Sylke Lindemann seit März wohl zurückgelegt hätte. Und da dieser Preisanstieg dann noch auf so wenige Restmonate umgelegt wird, hat sich der Abschlag nun mehr als vervierfacht.
Ärger über Entschuldigungszahlung
Sylke Lindemann war besonders verärgert, als sie in der vergangenen Woche in dieser Zeitung von der Entschuldigungszahlung der EWE las. Der Energiekonzern möchte Kunden, die in ihrer Abrechnung ein Guthaben haben und lange auf ihr Geld warten mussten, entgegenkommen.
„Die EWE rühmt sich nun tatsächlich mit Entschädigungen für die verspätete Abrechnung und somit für zu späte Auszahlung des Guthabens aus den Abrechnungen? Ist doch ein Witz!“, schrieb Lindemann: „Wie viele Haushalte haben in dem Abrechnungsjahr wohl mit Guthaben zu rechnen?“
Fehler zu spät bemerkt
Für die vielen anderen Kunden, die nun mit hohen Abschlägen zu kämpfen hätten – und zwar vor allem wegen der Fehler der EWE – gebe es nichts. Die Auricherin findet das zutiefst ungerecht. Denn die Betroffenen – und sie kenne mehrere – gerieten nun teils in Not, weil sie nicht oder nicht genug zurückgelegt haben.
Auch für Sylke Lindemann trifft das im Wesentlichen zu: Nach einem privaten Schicksalsschlag habe sie zum einen andere Gedanken gehabt. Zudem habe es durch die veränderte Situation so viele Veränderungen auf ihrem Konto gegeben, dass sie erst spät bemerkt habe, dass die EWE nicht mehr abbucht.
Das Angebot der EWE
Lindemann findet es eine Frechheit, dass nicht auch die Kunden mit Nachzahlung und verspäteter Abrechnung entschädigt werden: „Die EWE bummelt sieben Monate rum und wir sollen nun zusehen, wie man das berappt.“
EWE-Sprecher Mathias Radowski hat Verständnis für den Ärger. Im Februar sei Sylke Lindemann aber bereits auf die neuen Preise und den Anstieg des Arbeitspreises hingewiesen worden. Natürlich gebe es Situationen, in denen solche Informationen vielleicht nicht wahrgenommen würden. „Uns ist bewusst, dass nach Monaten ohne Zahlungen für Gaslieferungen dieser Betrag für einige Kundinnen und Kunden eine sehr hohe Belastung darstellen kann“, so der Sprecher. Daher ist es möglich, den monatlichen Abschlagsbetrag zu senken. Höchstwahrscheinlich werde auch im kommenden Jahr wieder eine hohe Nachzahlung kommen, da ein stark verminderter Abschlag nicht die Kosten des Jahresverbrauchs abdecke. „Hier bieten wir an, diese Nachzahlung im kommenden Jahr in Raten zu leisten“ – ohne Aufschläge, so Radowski.
Ihm zufolge gehört Sylke Lindemann zu den Kunden, bei denen die Rechnung am spätesten versandt wurde und die die Jahressumme nun in sehr wenigen Abschlägen zahlen müssten. Nach bisheriger Erfahrung hätten etliche Kunden seit März Geld zurückgelegt. Aber es gebe natürlich auch Kunden, die große Probleme hätten.