Vorwürfe gegen Tierarzt Kreis Leer weist Nabu-Kritik zurück
Der Nabu hatte zwei angeblich geschlachtete Tiere quietschfidel auf der Weide entdeckt und die Verantwortung dafür beim damaligen eigenen Tierarzt und der Veterinärbehörde gesucht. Die reagierte nun.
Südbrookmerland/Leer - Zerrissen ist allem Anschein nach das sprichwörtliche Tischtuch zwischen dem Landkreis Leer und dem Nabu. Der Streit wegen der vom Wiegboldsburer Woldenhof betreuten Beweidungsprojekte mit Heckrindern im Leeraner Kreisgebiet kocht weiter. Zuletzt hatte der Nabu unter anderem dem Landkreis Leer und dem Ihlower Tierarzt Dr. Hansjörg Heeren schwere Vorwürfe gemacht. Die weist die Kreisverwaltung nun zurück.
Landkreis sieht Nabu als Tierhalter in der Pflicht
Wie berichtet, wirft der Nabu Heeren unter anderem vor, Fehler bei der sogenannten Schlachttieruntersuchung gemacht zu haben. Tiere, die laut Akten eigentlich bereits vor Jahren geschlachtet worden sein sollten, liefen quicklebendig über die Weiden. Heeren hatte den Vorwurf bereits von sich gewiesen. Er sei an den Schlachttieruntersuchungen gar nicht beteiligt gewesen. Dies sei Aufgabe des Veterinäramtes.
Der Nabu versuche den Eindruck zu erwecken, als sei Heeren ein Mitarbeiter des Veterinäramtes des Landkreises Leer oder von diesem als sogenannter nebenamtlicher Tierarzt eingesetzt worden, schreibt der Landkreis. Das sei aber falsch. Es sei im Übrigen Aufgabe und in der Verantwortung des Tierhalters, für eine ordnungsgemäße Kennzeichnung und eine richtige Dokumentation in der Tier-Datenbank zu sorgen. Gleiches gelte für die Beprobung untersuchungspflichtiger Tiere, um ein aussagefähiges Ergebnis über den Gesundheitsstatus der Herde zu erhalten. Die bisherigen Feststellungen hätten aber gezeigt, dass es hier wiederholt zu schweren Versäumnissen und Fehlern gekommen sei, weshalb Bußgeldverfahren eingeleitet würden.
Landkreis: Versäumnisse des Nabu sind belegt
„Die erneut unsachliche und pauschale Kritik des Nabu weisen wir in aller Deutlichkeit zurück“, so ein Sprecher des Landkreises Leer. „Wir werten dies als weiteren Versuch, mit in aggressivem Ton geäußerten Vorwürfen von den eigenen schwerwiegenden Versäumnissen des Nabu bei den Weidetierprojekten in Thedingaer Vorwerk und in Coldam abzulenken.“
Immerhin gehe es dabei um Verstöße gegen das Tierwohl als Folge eines unzureichenden Herden- und Betreuungsmanagements. In den vom Nabu erwähnten Akten sei dies durch Fotos, Kontrollberichte, Untersuchungsbefunde und Stellungnahmen belegt.
Sicherlich habe sich der Zustand der Tiere zwischenzeitlich in den Sommermonaten verbessert, zumal die Tierhaltung seit Monaten eng kontrolliert werde und die vom Veterinäramt angeordneten Maßnahmen sichtbar zu Verbesserungen führten. Soweit sich die Aussage allerdings auf aktuelle tierseuchenrechtliche Blutuntersuchungen als Voraussetzung für den Transport zu anderen Haltern beziehe, sagten diese Ergebnisse nichts über den Ernährungs- und Pflegezustand oder einen Parasitenbefall aus.
Nabu will in Leer keine Tierhaltungen mehr
Es zeige sich zudem, dass nach wie vor die Einsicht fehle, dass im Weideprojekt des Nabu wiederholt strukturelle Probleme vorgelegen hätten und grundlegende Standards vernachlässigt und somit nicht lediglich einzelne Fehler gemacht worden seien. Insofern seien die Anordnungen des Landkreises völlig angemessen. „Tierwohl steht nicht zurück gegenüber dem Schutz der Artenvielfalt – es muss im Rahmen solcher Projekte beides erreicht werden“, so der Sprecher. Es gebe durchaus Projekte, bei denen dies mit einem guten Herden- und Betreuungsmanagement gelinge.
Zu den genannten Anordnungen gehört bekanntlich auch, dass die Projekte bis Ende Oktober beendet sein müssen. Der Nabu hatte jedoch bereits verlauten lassen, dass dieser Zeitrahmen zu kurzfristig sei und nicht eingehalten werden könne.
Der Nabu zieht aus dem Krach mit der Leeraner Kreisverwaltung die Konsequenz, dass es für ihn künftig keine Tierhaltung mehr im Landkreis Leer geben werde. Das sagte Nabu-Landeschef Holger Buschmann den ON bereits Anfang dieser Woche. Wie es in den verbleibenden zwei Wochen mit der Beendigung der genannten Beweidungsprojekte läuft, muss sich zeigen.