Umwandlung des Krankenhauses  Bislang 40 Norder UEK-Mitarbeiter gewechselt

| | 12.10.2023 19:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Norder Krankenhaus ist seit Anfang Juli nur noch ein „Regionales Gesundheitszentrum“, verfügt aber weiter über stationäre Betten. Foto: Rebecca Kresse
Das Norder Krankenhaus ist seit Anfang Juli nur noch ein „Regionales Gesundheitszentrum“, verfügt aber weiter über stationäre Betten. Foto: Rebecca Kresse
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Es habe keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben, so Dr. Hans-Joachim Winterling. Die zusätzlichen Patientenströme könne man in Aurich bewältigen. In einem Bereich wurde es jedoch zeitweise eng.

Aurich/Norden - Insgesamt 40 Mitarbeiter der teilweise geschlossenen Ubbo-Emmius-Klinik in Norden sind an die Krankenhäuser in Aurich und Emden gewechselt. Es habe keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben, berichtete der Transformationsbeauftragte der Klinik-Gesellschaft, Dr. Hans-Joachim Winterling, am Donnerstag im Auricher Kreis-Gesundheitsausschuss.

Transformationsbeauftragter der Kliniken Aurich-Emden-Norden, Dr. Hans-Joachim Winterling. Foto: Aiko Recke
Transformationsbeauftragter der Kliniken Aurich-Emden-Norden, Dr. Hans-Joachim Winterling. Foto: Aiko Recke

In der Pflege sei die Transformation abgeschlossen. „Alle die wollten, sind gewechselt“, so Winterling. Der überwiegende Teil der Kollegen sei in Aurich und Emden gut aufgenommen worden. Winterling: „Das hat die Standorte Aurich und Emden extrem gestärkt.“ Es sei zudem gelungen, die zusätzlichen Patientenströme aus Norden zu bewältigen. Davon kämen rund 90 Prozent nach Aurich, so Winterling.

Notaufnahme an Kapazitätsgrenze

Die Abmeldezeiten der Intensivstationen in Aurich und Emden sei zuletzt gegenüber dem Vorjahr gesunken. Allerdings sei die Auricher Notaufnahme zeitweise an ihrer Kapazitätsgrenze mit zum Teil langen Wartezeiten. Das versuche man zu lösen, durch mehr Personal und Räume sowie besseres Entlassungsmanagement. Allerdings sei die Krankenquote bei den Mitarbeitern weiter „extrem hoch“.

Er habe aber von keinen Patienten aus Norden gehört, die sich über eine falsche Behandlung beschwert hätten. Und in Aurich gebe es „das normale Level“ an Beschwerden.

„In Industrie würde radikaler vorgegangen“

Insgesamt laufe die Umwandlung „sehr im Interesse der Belegschaft“, meint Winterling. „Die Leute werden nicht überfordert. In der Industrie würde radikaler vorgegangen.“ Sein Zwischenfazit: „Diesen Teil der Transformation haben wir gut im Griff. Ich bin optimistisch.“

Im Service-Bereich sei es allerdings „nicht ganz so einfach“, die Norder Mitarbeiter unterzubringen. Für sie suche man Jobs im Umfeld, auch beim Landkreis und der Stadt Norden.

Winterling berichtete den Kreispolitikern außerdem, dass die Notfallambulanz in Norden künftig nicht wie ursprünglich geplant sechs Tage in der Woche von 8 bis 18 Uhr geöffnet ist, sondern sieben Tage, also auch sonntags. „Das finde ich eine wichtige positive Nachricht“, meinte der Norder SPD-Kreistagsabgeordnete Theo Wimberg. Derzeit werde die Notfallambulanz von etwa 30 Patienten täglich genutzt, berichtete Umwandlungsmanager Winterling.

OP-Säle sollen ambulant genutzt werden

Er erläuterte außerdem noch einmal das Konzept des sogenannten Regionalen Gesundheitszentrums (RGZ), zu dem das Krankenhaus herabgestuft wurde. Dort gibt es nun eine sogenannte Kurzliegerstation mit 25 Betten, wo Patienten mit leichteren Krankheiten zwei bis fünf Tage liegen. Außerdem werde ein Palliativangebot vorgehalten. Man plane außerdem die zwei OP-Säle künftig stärker für ambulante Operationen zu nutzen. Die Psychiatrie bleibe ohnehin fester Bestandteil des Standorts Norden.

Viele Angebote mit Abkürzungen unter einem Dach

Andreas Epple, der sich beim Landkreis Aurich um die Nachnutzung der Kliniken kümmert, betonte noch einmal die Unterscheidung der Abkürzungen RGZ, RVZ und MVZ. Das RGZ beziehe sich auf den stationären Teil, also die Kurzliegerstation, das RVZ auf den ambulanten Teil. Dazu gehöre das vorhandene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) mit verschiedenen Arztpraxen, zu denen weitere kommen sollen – sowie Zusatzangebote wie Pflegeberatung, Hebammen oder Physiotherapie.

Dabei mit im Boot seien Einrichtungen wie der Rettungsdienst, die Pflege- und Betreuungszentren (PBZ), die Kreisvolkshochschule (KVHS) und Gesundheitsamt. Insgesamt nehme man am Standort Norden weitgehend das vorweg, was nach Fertigstellung der Zentralklinik in Uthwerdum auch in Aurich und Emden passieren könnte, betonte Andreas Epple.

Acht Hausarztstellen im Landkreis unbesetzt

Der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Aurich, Dieter Krott, berichtete den Kreispolitikern von der Ärzteversorgung im Landkreis. Demnach werden im Kreis Aurich derzeit acht Hausärzte-Stellen gesucht, davon aber nur eine im Planungsbereich Norden.

Sorge bereite wie berichtet die Altersstruktur der Ärzteschaft, 20 von 50 Hausärzten im Altkreis Norden seien älter als 60 Jahre alt. „In den nächsten Jahren droht daher eine schlechtere Versorgung. Die Stellen werden nicht an jedem Standort ersetzt werden.“ Der Antrag, die Inseln Baltrum, Juist und Norderney aus dem Planungsbereich Norden herauszunehmen, sei von den Krankenkassen nun positiv beschieden worden. Ende des Jahres rechnet Krott mit Vollzug.

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Am Ende meinte Kuno Behrends, Kreistagsvorsitzender und Mitglied im Gesundheitsausschuss aus Großheide, tatsächlich: „Das hat mir die Augen geöffnet. Die Norder können sich freuen.“ Der SPD-Lokalpolitiker hatte soeben von den Verantwortlichen der Kliniken Aurich-Norden-Emden gehört, wie gut die Transformation doch laufe und was am Standort alles geplant sei.