Heckrinder Nabu erhebt schwere Vorwürfe gegen Tierarzt
Im Streit um die Beweidungsprojekte mit Heckrindern des Woldenhofs in Wiegboldsbur erhebt der Nabu nun schwere Vorwürfe gegen den Ihlower Tierarzt Dr. Hansjörg Heeren. Doch es gibt Zweifel.
Südbrookmerland – Im Streit um die Heckrinder-Projekte, die vom Nabu-Woldenhof in Wiegboldsbur betreut werden, versucht der Naturschutzbund den Spieß umzudrehen. Wie berichtet, stehen die Verantwortlichen seit Monaten in der Kritik, weil Tiere verletzt oder verendet sind und teils in einem schlechten Gesundheits- und Ernährungszustand sein sollen. Zu den schärfsten Kritikern gehört dabei der Ihlower Tierarzt Dr. Hansjörg Heeren, Vorsitzender des Friesischen Verbandes für Naturschutz. In einer Pressemitteilung des Nabu gerät er nun aber selbst ins Visier. Ihm werden Pflichtverletzungen vorgeworfen.
Offiziell betrieben werden die Heckrinder-Projekte von der LUNO gGmbH, einer Tochtergesellschaft des Nabu Niedersachsen. Bis zum Frühjahr dieses Jahres war Heerens Praxis mit der tierärztlichen Betreuung der Heckrinder-Herden im Landkreis Leer betraut. „Eine Aufarbeitung der Vorgänge durch den Nabu brachte nun gravierende Versäumnisse aus der Zeit der Zusammenarbeit mit Dr. Heeren ans Licht“, schreibt nun der Nabu. „Unter Aufsicht von Dr. Heeren geschlachtete Kühe stehen quicklebendig auf der Weide“, heißt es in einer Überschrift. So seien bei den jüngsten Untersuchungen lebende Tiere festgestellt worden, die laut amtlicher Datenbank in den Jahren 2019 und 2020 im Beisein und unter Mitverantwortung des damals zuständigen Tierarztes Dr. Heeren geschlachtet wurden.
Tierarzt für Schlachtung nicht zuständig
Die Schlachtung von Rindern unterliege besonders strengen gesetzlichen Vorschriften. „Aus heutiger Sicht kann nur vermutet werden, dass statt der angegebenen Kühe andere Rinder ohne ausreichende Beachtung dieser Vorschriften geschlachtet wurden.“ Dieser Fehler hätte spätestens bei den Blutuntersuchungen in den Folgejahren 2020, 2021 und 2022 auffallen müssen, an denen ebenfalls die Praxis Heeren beteiligt gewesen sei.
Der ist sich jedoch keiner Schuld bewusst, wie er den ON auf Anfrage sagte. Bei den Blutuntersuchungen, die von seinen Mitarbeitern durchgeführt worden seien, seien keine Unregelmäßigkeiten an ihn herangetragen worden. Ins Leere scheint zudem der Vorwurf des Nabu zu laufen, Heeren habe im Zuge der Schlachtungen Fehler gemacht. An denen sei er gar nicht beteiligt gewesen, so Heeren gegenüber den ON. Und tatsächlich: Laut Gesetz hat die sogenannte Lebendbeschau vor der Schlachtung durch Amtsveterinäre zu erfolgen. Das erfuhren die ON vom Mitarbeiter eines Veterinäramtes. Hätte Heeren die Schlachtungen tierärztlich begleitet, hätte das Fleisch nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. Genau das tut der Nabu jedoch bei regelmäßigen Fleischverkäufen auf dem Woldenhof. Nabu-Geschäftsführer Holger Buschmann wirkte von der gesetzlichen Regelung überrascht, als ihn die ON damit konfrontierten.
Nabu kündigte weitere rechtliche Schritte an
Ins Visier nimmt der Nabu in seiner Stellungnahme auch den Landkreis Leer und CDU-Politiker. „Angesichts dieser vielen Ungereimtheiten ist es aus Sicht des Nabu an der Zeit, die Rolle von Dr. Heeren und anderer Beteiligter bei den Vorwürfen gegen die Luno aufzuarbeiten. Dazu gehören Behördenmitarbeitende und Funktionsträger des Landkreises Leer, CDU-Abgeordnete des Kreistages Leer und der CDU-Landtagsabgeordnete Ulf Thiele.“ Diese hätten die Luno mit zum Teil absurden Anordnungen und Ordnungswidrigkeitsverfahren überzogen, gegen die sich Luno und Nabu juristisch zur Wehr setzen müssten.
Wie berichtet, hatte der Landkreis Leer angeordnet, dass die Beweidungsprojekte bis Ende Oktober beendet werden müssten. Der Nabu hat nach eigenen Angaben gegen diese Anordnung geklagt. Der Zeitrahmen sein allein schon wegen der vorgeschriebenen Wartezeiten bei den Blutuntersuchungen nicht einzuhalten. Für Buschmann steht allerdings fest, dass es nach Ende der Beweidungsprojekte künftig auch keine weiteren Tierhaltungen des Nabu mehr im Kreis Leer geben werde.
Gegen Hansjörg Heeren und andere Beteiligte werde der Nabu Anzeige erstatten. Dann würden die Details durch die Staatsanwaltschaft aufgearbeitet werden. Der Streit um die Beweidungsprojekte dürfte also noch eine Weile dauern.