Nach Klinik-Schließung Rettungswache Norden erhält Carports für zusätzliche Wagen
Wegen der Herabstufung der Norder Klinik werden mehr Mitarbeiter und Fahrzeuge benötigt. Wieviele genau, soll ein Gutachten zeigen. Und für einen Neubau wird schon Geld reserviert.
Norden/Aurich - Bis die Rettungswache an der Osterstraße in Norden neu gebaut wird, dauert es wohl noch eine Weile. Deshalb plane man jetzt als Provisorium den Bau von fünf Carports, berichtete der Betriebsleiter des Kreis-Rettungsdienstes, Korwin Davids, im zuständigen Betriebsausschuss. Das sei wichtig, um die zusätzlichen Rettungswagen, die in Norden wegen der weitgehenden Schließung des Krankenhauses im Einsatz sind, winterfest abstellen zu können, so Davids auf ON-Nachfrage.
In den Wirtschaftsplan des Kreis-Rettungsdienstes wurden für 2025/26 für den Bau einer neuen Wache bereits schon einmal vier Millionen Euro eingeplant. Fest stehe, dass man in Norden mehr Fahrzeuge und mehr Personal benötige, sagte Davids. Das hatte der weitere Geschäftsführer Marcel Schäfer dem Ausschuss bereits Mitte Juni berichtet. Er hatte gesagt, die Transportwege für Patienten aus dem Norder Raum würden länger und er rechne mit mehr Einsätzen, da mehr Menschen einen Rettungswagen rufen würden, statt in die Notaufnahme der Klinik zu gehen. Insgesamt brauche man wohl 30 bis 40 zusätzliche Mitarbeiter, so Schäfer seinerzeit.
Warten auf neuen Bedarfsplan
Davids sagte am Donnerstag, wie viele Rettungswagen und Mitarbeiter man konkret brauche, stehe noch nicht fest. Das werde erst der neue Bedarfsplan zeigen, der derzeit in Arbeit sei. Beauftragt damit wurde die Firma Forplan Dr. Schmiedel mit Sitz in Bonn. Das Gutachten soll im Dezember oder Januar fertig sein, so Davids. Es solle Anfang des Jahres im Ausschuss präsentiert werden. „Das müssen wir abwarten“, sagte Davids auf Nachfragen der Kreispolitiker. Es sei „natürlich spannend“, wie sich die Einsatzzahlen in den vergangenen drei Monaten seit Herabstufung der Norder Klinik zu einem Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) verändert haben, so Davids. „Wir können aber noch nicht genau sagen, wie sich die Vorhaltung verändern wird.“
Der Betriebsleiter berichtete, dass man außerdem weitere private Anbieter beauftragt habe für Krankentransportfahrten. Wie berichtet, sollen reine Krankentransporte, etwa für Katheterwechsel, Dialyse oder Wundversorgung stärker an andere Unternehmen auslagern. Dadurch werden laut den Rettungsdienst-Chefs Kapazitäten für die wirklichen Notfälle frei. „Aber auch das ist noch in der Schwebe, weil wir das Gutachten abwarten wollen“, so Davids. Man müsse darüber schließlich am Ende auch mit den Kostenträgern verhandeln. Derzeit führe man zudem wöchentlich Gespräche mit dem Transformationsbeauftragten der Klinik-Trägergesellschaft, Dr. Hans-Joachim Winterling, und dem Leiter der Notaufnahmen, Dr. Alexander Dinse-Lambracht. Weil aus Reihen der Kreispolitiker die Frage aufkam, ob der Einsatz des Rettungsdienstes in allen Fällen notwendig sei, berichtete Davids von einem aktuellen Fall aus der Nacht zu Donnerstag.
Rettungswagen wegen Ohrenschmerzen
Ein Arzt habe den Notruf gewählt und um einen Rettungswagen gebeten. Die Patientin, die er selbst noch nicht gesehen hatte, habe Ohrenschmerzen. „Schließlich hat der Disponent einen Rettungswagen geschickt. Die Dame wurde mit Ohrenschmerzen abgeholt“, so Davids, der dies als Beispiel für einen unnötigen Einsatz nannte. Der Betriebsleiter des Kreis-Rettungsdienstes stellte fest: „Man muss sagen, dass das Personal des Rettungsdienstes derzeit wirklich viel zu tun hat.“
Kritiker der Klinik-Herabstufung in Norden, allen voran das Aktionsbündnis für den Erhalt des Norder Krankenhauses, kritisieren seit Monaten, dass der Rettungsdienst nicht ausreichend gewappnet sei für die Mehrbelastung nach der Klinikschließung. Sie kritisieren zudem, dass bestimmte Abteilungen der Kliniken Aurich-Emden-Norden in den vergangenen Monaten immer öfter „abgemeldet“ worden seien, was auch für den Rettungsdienst im Landkreis Aurich weitere Wege zu anderen Krankenhäusern bedeutet.
CDU-Politiker fragt nach Ausbau auch in Aurich
Der Kreis-Rettungsdienst plant außerdem, eine halbe Million Euro in die energetische Sanierung der Auricher Rettungswache an der Egelser Straße zu investieren, unter anderem in die Heizungsanlage. Kreistagsabgeordneter Bodo Bargmann (CDU, Aurich) fragte, ob nicht auch ein Ausbau der Auricher Wache notwendig sei. „Die Platzprobleme sind da“, so Bargmann.
Doch größere Bauten sind zunächst nur in Norden und auf Norderney geplant. Für einen dortigen Neubau sind für 2025/26 ebenfalls vier Millionen Euro in den Wirtschaftsplan eingestellt.
Geplant ist, wie berichtet, auch der Neubau einer Rettungswache in Wiesmoor als Ersatz für die Wache in Spetzerfehn. Insgesamt betreibt der Kreis-Rettungsdienst acht Rettungswachen in Aurich, Norden, Nesse, Moordorf, Spetzerfehn, Pewsum und auf den Inseln Baltrum und Juist. Im Einsatz sind rund 150 Mitarbeiter mit mehr als zwei Dutzend Fahrzeugen und mehr als 30.000 Einsätzen jährlich.