100 Jahre BV Sandhorst  Bewegte Zeiten im Boßelverein Sandhorst

| | 26.09.2023 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Vorsitzende des Friesischen Klootschießerverbands Helfried Götz (links) ehrte bei der Feier zum 100. Geburtstag des Boßelvereins „Free ut de Hand“ Sandhorst zahlreiche treue Vereinsmitglieder und langjährige Vorstandsmitglieder. Dazu zählten Helene Saathoff (von links, 20 Jahre Vorstandstätigkeit (VT)), Hannelore Schaper (60 Jahre Vereinsmitgliedschaft (VM)), Keno Nispel (Sportler des Jahres), Sonja Hoogestraat, (40 Jahre VM), Chris Meyer, (25 Jahre VM), Robert Nispel (25 Jahre VM), Johann Fleßner (40 Jahre VM), Karl-Heinz Frerichs (25 Jahre VM), Lena Frieden (25 Jahre VM), Andrea Nispel (40 Jahre VM, 20 Jahre VT), Helga Siebolds (50 Jahre VM), Christine Taddigs (25 Jahre VM), Ommo Oltmanns (60 Jahre VM), Erich Eisenhauer (30 Jahre, eigentlich 41 VT), Weert Gerdes (50 Jahre VM), Olaf Onneken ( 25 Jahre VM), Bernd Eisenhauer (25 Jahre VM), Willm Janssen (30 Jahre, eigentlich 41 VT) Heinrich Meyer (20 Jahre VT), Eike Janssen (25 Jahre VM). Fotos (3): privat
Der Vorsitzende des Friesischen Klootschießerverbands Helfried Götz (links) ehrte bei der Feier zum 100. Geburtstag des Boßelvereins „Free ut de Hand“ Sandhorst zahlreiche treue Vereinsmitglieder und langjährige Vorstandsmitglieder. Dazu zählten Helene Saathoff (von links, 20 Jahre Vorstandstätigkeit (VT)), Hannelore Schaper (60 Jahre Vereinsmitgliedschaft (VM)), Keno Nispel (Sportler des Jahres), Sonja Hoogestraat, (40 Jahre VM), Chris Meyer, (25 Jahre VM), Robert Nispel (25 Jahre VM), Johann Fleßner (40 Jahre VM), Karl-Heinz Frerichs (25 Jahre VM), Lena Frieden (25 Jahre VM), Andrea Nispel (40 Jahre VM, 20 Jahre VT), Helga Siebolds (50 Jahre VM), Christine Taddigs (25 Jahre VM), Ommo Oltmanns (60 Jahre VM), Erich Eisenhauer (30 Jahre, eigentlich 41 VT), Weert Gerdes (50 Jahre VM), Olaf Onneken ( 25 Jahre VM), Bernd Eisenhauer (25 Jahre VM), Willm Janssen (30 Jahre, eigentlich 41 VT) Heinrich Meyer (20 Jahre VT), Eike Janssen (25 Jahre VM). Fotos (3): privat
Artikel teilen:

Weshalb im Vorjahr Vereinslokal und Vorstand wechselten und das Jubiläum von „Free ut de Hand“ mit Verzug gefeiert wurde. Viel Arbeit für die neue Führungsriege.

Sandhorst – Ein bewegendes und aufregendes Jahr liegt hinter Andrea Nispel, Vorsitzende des Boßelvereins „Free ut de Hand“ Sandhorst. „Es ist in kurzer Zeit viel passiert“, so die Vereinschefin im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten und führte aus: „Dazu zählt der Wechsel im Vorstand mit einem deutlich verjüngten Team und zum ersten Mal mit einer Frau als Vorsitzende, die Schließung unseres Vereinslokals Schaper und unser 100-jähriges Vereinsjubiläum, das wegen Corona verschoben wurde.“

Willm Janssen (rechts) übergab nach 41 Jahren die Vorstandsgeschäfte 2022 an Andrea Nispel, die erste Frau an der Spitze von „Free ut de Hand“. FKV-Chef Helfried Götz (links) ehrte beide.
Willm Janssen (rechts) übergab nach 41 Jahren die Vorstandsgeschäfte 2022 an Andrea Nispel, die erste Frau an der Spitze von „Free ut de Hand“. FKV-Chef Helfried Götz (links) ehrte beide.

Am Ende des Tages hat die neue Führungsriege des Traditionsvereins die Aufgaben gelöst. Der Boßelverein fand mit dem Sandhorster Krug ein neues Vereinsdomizil. Dort wurde kürzlich auch das Jubiläum mit einem Jahr Verzug gefeiert. Nispel ist zufrieden. Mit dem neuen Zuhause für die rund 120 Vereinsmitglieder und der Jubiläumsfeier. Ein emotionaler Abend mit vielen Lobreden, Ehrungen und Gesprächen. Die Vorsitzende zählte zu den Höhepunkten die Ehrung für die ehemalige Vereinswirtin Hannelore Schaper, die seit 60 Jahren dem Boßelverein angehört, sowie die Ehrung ihrer Mutter Hannelore Saathoff als Vereinsheldin vom Landessportbund für ihre Arbeit im Vorstand und Festausschuss.

Aus Nordstern wurde „Free ut de Hand“

Rückblick: Es waren wohl 13 Männer und ein Jugendlicher, die den Boßelverein 1922 gründeten. Zuerst mit dem Zusatz „Nordstern“ versehen und später in dem noch heute gültigen Namen „Free ut de Hand“ Sandhorst umbenannt.

Die Freizeit der Sandhorster Boßler und später auch der Boßlerinnen spielte sich im Vereinslokal Schaper an der Dornumer Straße ab. Die Drehscheibe des Vereinslebens.
Die Freizeit der Sandhorster Boßler und später auch der Boßlerinnen spielte sich im Vereinslokal Schaper an der Dornumer Straße ab. Die Drehscheibe des Vereinslebens.

Die Freizeit der Boßler und später auch der Boßlerinnen spielte sich im Vereinslokal Schaper an der Dornumer Straße ab. Ein Ort der Begegnung für Jung und Alt. Für rund 100 Jahre beherbergte die Familie Schaper die Friesensportler in ihrem Lokal. Friedrich „Opa“ Schaper war der erste Vereinswirt und zugleich auch ein Gründungsmitglied. In der letzten Generation hielt Gastwirtin Hannelore Schaper das Zepter hinter dem Tresen in der Hand.

Schaper, das zweite Zuhause

Dazu merkte Vereinschefin Nispel an: „Schaper war für viele ein zweites Zuhause. Man traf sich, erzählte Geschichten, war gesellig und trank. Hannelore Schaper hatte in dem ganzen Trubel viel Geduld mit ihren Gästen. Besonders mit jenen, die kein Ende am Tresen fanden.“ 2022 schlossen dann die Türen des Vereinslokals für immer. Hannelore Schaper beendete die lange Gaststättentradition ihrer Familie aus gesundheitlichen Gründen. Eine bittere Entscheidung, die ihr sehr schwergefallen ist.

Aus der mittlerweile 101-jährigen Geschichte stechen einige Amtsträger sowie Werferinnen und Werfer besonders hervor. Sie prägten das Innenleben und machten den Verein auch über die Grenzen von Sandhorst hinaus bekannt. Dazu zählte Nispel ihren Vorgänger Willm Janssen, der 41 Jahre lang den Verein führte. So lange wie kein anderer in der Vereinsgeschichte. Im Schlepptau hatte er weitere Vorstandsmitglieder mit langen Amtszeiten wie Heinrich Meyer, Erich Eisenhauer oder Helene Saathoff. Für Janssen, Meyer und Eisenhauer war es an der Zeit, die Verantwortung in jüngere Hände zu legen. Es war nicht nur ein Generationenwechsel, meinte Nispel, sondern im engeren Vorstand haben nun die Frauen die Mehrheit.

Zwei Vereinshelden

Sportlich sorgten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts regelmäßig zwei Sandhorster Akteure mit Titel und Medaillen für Schlagzeilen. Dazu zählte Nispel den im Vorjahr verstorbenen Anton Meyer und die noch lebende Meta Meenken. Für Nispel waren und sind sie Vereinshelden und Vorbilder. Als der Redakteur dieser Zeilen Anton Meyer vor elf Jahren für ein Porträt zu Hause in Moordorf besuchte und ihn bat, die Anzahl seiner Medaillen zu nennen, da musste Meyer nicht lange überlegen. In einer Schublade lag ein Bündel mit verbrieften 75 Stück. Ein Mix aus Gold, Silber und Bronze. Einige Pfund schwer. Der Schatz des wohl erfolgreichsten Werfers von „Free ut de Hand“.

Aber auch Meta Meenken ist häufig auf Fotos einer Vereinschronik zu sehen, wo sie oft ganz oben auf dem Treppchen steht. Ebenfalls eine fleißige Medaillensammlerin. In der Anfangszeit prägten die Männer das Vereinsleben.

Drei Aufstiege in Folge

Das änderte sich in den 1970er-Jahren, als die Frauen mit der Boßelkugel auf die Straße gingen. Höhepunkt für das Frauenboßeln in Sandhorst war in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre der direkte Durchmarsch der Frauen-I-Mannschaft von der Kreisliga bis in die höchste Spielklasse der Landesliga. Kurios war, dass die Mannschaft immer als Vizemeister von Klasse zu Klasse aufstieg und nicht zu Meisterehren kam.

Diese Glanzzeiten sind vorbei. Nach dem Höhenflug und zwei Serien im Oberhaus, ging es auch schnell wieder bergab. In der neuen Saison wirft die Frauen I in der Kreisklasse. Die Männer I ist überregional in der Bezirksklasse vertreten. Im Nachwuchs hat Sandhorst eine Mannschaft gemeldet. Kinder seien da, bekannte Nispel, aber es fehlten Betreuer, die sich dauerhaft um den Nachwuchs kümmern würden. Kein spezielles Sandhorster Problem, sondern ein allgemeines Phänomen, so Nispel. Nach der gelungenen Jubiläumsfeier blickte Nispel zuversichtlich nach vorne. Sie will sich mit ihrer Führungscrew um die Belange der Mitglieder kümmern und den Verein digitaler machen. Dazu zählen Auftritte in den sozialen Medien wie Instagram oder Facebook.

Noch wichtiger als die Außendarstellung ist ihr das Miteinander im Verein. Sie will alle Generationen mit ins Boot nehmen. Dabei sollen die sportlichen Belange als auch das Gesellige großgeschrieben werden. Das Boßeln gehört für die 51-Jährige seit Kindesbeinen zum Leben dazu und liegt ihr sehr am Herzen. Dazu sagte sie: „Seit ich klein bin, dreht sich bei uns zu Hause alles ums Boßeln.“ Eine Tradition, die auch fortgesetzt werden soll.

Ähnliche Artikel