Dauerbaustelle in Aurich Verkehrsversuch in Fockenbollwerkstraße geplant
Mitte Dezember soll die wichtige Verkehrsader bis auf Höhe Schmiedestraße fertig sein. Dann soll die Einfahrt für Autos aus Richtung Stadt wieder erlaubt werden – wenn alles klappt.
Aurich - Ab Mitte Dezember könnte die Einfahrt in die Dauer-Baustelle Fockenbollwerkstraße aus der Auricher Innenstadt wieder möglich sein – zumindest bis zur Einmündung Schmiedestraße. „Das wäre ein Verkehrsversuch, den wir mitgehen würden“, sagte der Leiter der Auricher Landesstraßenbaubehörde, Frank Buchholz, am Dienstagabend bei einem Treffen mit rund zwei Dutzend Geschäftsleuten im Rathaus. Dazu hatte Bürgermeister Horst Feddermann eingeladen, nachdem es deutliche Kritik an der seit mehr als einem Jahr laufenden Dauerbaustelle gegeben hatte.
Bis Mitte Dezember soll die Fockenbollwerkstraße samt Rad- und Gehweg bis auf Höhe Schmiedestraße fertig sein, kündigte Buchholz an. Der nächste Abschnitt bis zum neuen Kreisel an der Wallinghausener Straße soll bis Ende des ersten Quartals 2024 folgen, der letzte Abschnitt auf der Egelser Straße bis Ende des zweiten Quartals 2024.
Behördenchef Buchholz schränkte aber vorsorglich ein: „Falls es mit dem Verkehrsversuch Probleme gibt, müsste man davon wieder Abstand nehmen.“
„Wendehammer“ soll verhindert werden
Die Einfahrt solle auch nur für Autos aus Richtung Fischteichweg und der Leerer Landstraße gelten, nicht aber für Linksabbieger von der Großen Mühlenwallstraße. Auch Lastwagen dürften nicht einfahren, denn diese hätten vor der Baustelle keine Wendemöglichkeit, so Buchholz. Er betonte, es sollten nur Autos einfahren, die tatsächlich zu einem Geschäft, einer Arztpraxis oder einem Anwohner wollten. „Wir möchten dort keinen Wendehammer bekommen“, so der Behördenleiter. Er beteuerte zugleich gegenüber den Geschäftsleuten: „Sie werden dauerhaft erreichbar sein. Wir werden Sie nicht abhängen.“
Betroffener Zahnarzt: „Es ist eine Katastrophe“
Zahnarzt Dr. Rainer Janssen, in einer Praxis in der Fockenbollwerkstraße tätig, bekräftigte die Kritik der Geschäftsleute: „Nach zwei Jahren Corona stehen die meisten mit dem Rücken zur Wand. Ich glaube, man hätte diese Straße in einem halben Jahr fertig haben können, in Holland wäre das möglich gewesen. Es ist echt eine Katastrophe, es fühlt sich an wie Chaos.“ Janssen forderte erneut Schichtarbeit auf der Baustelle.
Behörde: Schichtarbeit nicht möglich
Geschäftsbetreiber Stefan Heyen (Firma Fubau) sagte: „Wir gucken raus und es ist kein Fortschritt zu sehen. Ihr seid auf gutem Wege, viele Gewerbetreibende in die Knie zu zwingen.“
Behördenleiter Buchholz entgegnete mit Blick auf Nachtzuschläge: „Schichtbetrieb können wir nicht machen, weil der nicht vom Land finanziert wird. Außerdem haben die Baufirmen vor Ort nicht genug Manpower dafür.“ Zudem gebe es strenge Lärmvorschriften zum Schutz der Anwohner, die bestimmte Arbeiten abends oder nachts verbieten würden. Buchholz betonte: „Wir wissen, dass wir Ihnen derzeit viel zumuten. Aber deutlich schneller werden wir nicht sein können. Wir müssen da jetzt durch.“
Die Fockenbollwerkstraße sei in einem nicht mehr tragbaren Zustand gewesen. „Jetzt haben wir eine einmalige Gelegenheit, etwas zu bauen, was vernünftig ist. Wir hoffen, dass Sie danach für viele Jahre Ruhe haben“, so Buchholz.
Bürgermeister Feddermann sagte: „Ich kann den Unmut gut verstehen. Aber das wird von Fachleuten gemacht und alle sind bemüht, es schnell abzuarbeiten.“
Biomarkt-Betreiber: „Es ist grenzwertig, was da passiert“
Thomas Baier, Inhaber des Biomarkts, sagte: „Ich brauche das Weihnachtsgeschäft dringendst. Er habe häufig gesehen, dass auf der Baustelle nichts passiere. „Seit einem Jahr leben wir mit Dreck, Gestank, unzufriedenen Kunden und Sorge um unser Fortbestehen. Viele Kunden trauen sich gar nicht mehr zu uns. Es ist grenzwertig, was da passiert“, so Baier. Er zeigte Fotos von verschiedenen Situationen, die er im Laufe der Zeit vor seinem Geschäft erlebt hatte.
Eine Teilnehmerin des Treffens im Rathaus sagte es noch deutlicher: „Da wird auch ganz viel Mist gemacht.“ Bereits geschlossene Stellen würden mehrfach immer wieder von den Baufirmen aufgerissen.
Zahnarzt Dr. Rainer Janssen sagte, die Behörden sollten bitte bei den nächsten Baustellen die Firme Strabag kritisch betrachten. „Die haben weltweit tausende Mitarbeiter, aber gefühlt sind es drei“, meinte Janssen.
Forderung nach mehr Schildern und Finanzhilfen
Ein Vorschlag aus den Reihen der Anlieger war zudem, für die Kunden mehr Hinweisschilder aufzustellen – oder einen „Roten Teppich“ ähnlich wie bei der Sanierung der Fußgängerzone. „Das sind Feinheiten, da fühlt man sich besser aufgehoben“, hieß es.
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Thomas Baier fragte zudem, ob die Stadt Aurich die Geschäftsleute nicht bei der Finanzierung einer Zeitungs-Sonderseite unterstützen könnten. „Da müssten wir drüber reden“, sagte Bürgermeister Feddermann. Eine Bürgschaft aber sei rechtlich nicht möglich.
Der Leiter der Auricher Landesstraßenbaubehörde, Frank Buchholz, machte am Ende aber auch noch einmal seine Einschätzung deutlich: „Insgesamt läuft es besser, als Sie es wahrhaben wollen.“ In der Ortsdurchfahrt von Esens stehe seiner Behörde demnächst eine ähnliche Situation bevor. „Das ist leider also kein Einzelfall, sondern für uns als Behörde tägliches Geschäft“, so Buchholz. Er lobte insgesamt aber die „ruhige, konstruktive“ Art der Kritik am Dienstagabend im Rathaus.
Am Ende durchaus versöhnlich
Der von der Dauerbaustelle gebeutelte Geschäftsmann Thomas Baier gab sich am Ende trotz allem Unmut versöhnlich. Wenn die „Vorzeigestraße“ im Sommer 2024 fertig werden, sollte es ein großes Fest geben, so sein Vorschlag – vielleicht sogar mit einer Vollsperrung der Straße.
Am Ende zeigte sich Thomas Baier dann doch noch zuversichtlich. „Ich gehe davon aus, dass die Straße eine richtig schicke Vorzeigestraße wird“, sagte der Betreiber des Biomarkts in der derzeitigen Dauerbaustelle Fockenbollwerkstraße am Dienstagabend im Rathaus.