Unruhe im Emder VW-Werk  Weiterer Produktionsstopp – Betriebsrat kritisiert Konzernlogistik

| | 19.09.2023 16:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Im Emder VW-Werk kehrt derzeit keine Ruhe ein. Foto: Aiko Recke
Im Emder VW-Werk kehrt derzeit keine Ruhe ein. Foto: Aiko Recke
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Wegen anhaltender Probleme bei einem Motorenvorlieferanten in Slowenien stehen die VW-Bänder am Montag erneut still. Betriebsratschef Manfred Wulff fehlt zunehmend das Verständnis für den Hickhack.

Emden - Nächste schlechte Nachricht aus dem Emder VW-Werk - und Kritik vom Betriebsrat an der Konzernlogistik: Wegen anhaltender Probleme bei einem Motoren-Vorlieferanten in Slowenien infolge der dortigen Hochwasser-Katastrophe ruht die Produktion der Verbrenner-Modelle Passat und Arteon am Montag, 25. September, erneut. Entsprechende Medienberichte bestätigte Werkssprecherin Indra van Schwartzenberg am Dienstagnachmittag auf ON-Anfrage. Die erneute Produktionsruhe sei beantragt, um „zur Stabilisierung der Lieferkette in Folge der Hochwasserschäden bei einem Lieferanten beizutragen“.

Wie berichtet ist die Fertigung im sogenannten MQB-Bereich, also der Produktion der Verbrenner-Modelle, bereits von diesen Montag (18. September) bis Mittwoch (20. September) ausgesetzt.

Donnerstag und Freitag Abteilungsversammlungen

Am Donnerstag und Freitag finden in der Emder Fabrik außerdem vier größere Abteilungsversammlungen statt, wodurch die Produktion zeitweise ohnehin ruht.

Wie berichtet, war wegen der Probleme bei dem Vorlieferanten in Slowenien Ende August eigentlich sogar für drei Wochen im September Kurzarbeit geplant gewesen. 950 Leiharbeiter hätten abgemeldet werden und auf Gehalt verzichten müssen. Dann hieß es plötzlich, es seien, mit Hilfe angereister VW-Fachkräfte, offenbar doch noch zahlreiche unversehrte Zahnkränze für die Motorproduktion gefunden. Die Kurzarbeit konnte wieder abgesagt werden. Allerdings wurde die Produktion für zwei Wochen reduziert und die Spätschicht im Verbrenner-Bau (MQB-Bereich) gestrichen.

VW-Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulff übt Kritik an der Konzernlogistik. Foto: Romuald Banik
VW-Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulff übt Kritik an der Konzernlogistik. Foto: Romuald Banik

Ab Montag, 18. September, sollte es dann eigentlich dank leichter Entspannung bei der Teileversorgung im Verbrenner-Bereich wieder normal mit zwei Schichten weitergehen. Doch daraus wurde nichts - es folgten drei Tage Produktionsstopp bei den Verbrennern.

Die Mitarbeiter im Elektroauto-Bau (MEB) sind von dem Hickhack nicht direkt betroffen. In diesem Bereich war wegen Absatzproblemen bereits vor Wochen die zweite Schicht gestrichen worden.

Betriebsrat: „Aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar“

Der Emder VW-Betriebsratsvorsitzende Manfred Wulff übte auf ON-Anfrage Kritik am Konzernmanagement. „Ich wundere mich ein bisschen über die Konzernlogistik. Aus Betriebsratssicht ist das nicht nachvollziehbar.“

Zum Teil komme man aus Besprechungen und höre drei Stunden genau das Gegenteil. „Wir haben viel erlebt in den vergangenen fünf Jahren, aber bislang nicht in dieser Härte und Schärfe“, so Wulff.

„Wir wünschen uns jetzt schnell wieder Verlässlichkeit und hoffen, dass der Konzern es in den Griff bekommt.“ In Wolfsburg werde über den Aufbau alternativer Vorlieferanten der benötigten Teile gesprochen. „Wir sehen jetzt, wie fragil es ist, wenn man einem Lieferanten so abhängig ist.“ Da zeige sich, dass der Konzern bisweilen an der falschen Stelle spare, so Wulff.

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