Gender-Tagung in Ihlow  Kinder sollen ohne Vorurteile mit Vielfalt umgehen

| | 12.09.2023 11:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schon in Kitas sollen Kinder lernen, ohne Vorurteile mit Geschlechterrollen umzugehen. Foto: Romuald Banik
Schon in Kitas sollen Kinder lernen, ohne Vorurteile mit Geschlechterrollen umzugehen. Foto: Romuald Banik
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Die Ankündigung einer Fachtagung zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Ihlow sorgte für harsche Reaktionen im Internet. Doch im wahren Leben gab es viel Lob, berichten die Organisatoren.

Ihlow - Nach der Aufregung in einigen Internet-Gruppen habe sie einen Anruf eines 80-jährigen Mannes aus dem Brookmerland bekommen, berichtet Petra Saathoff. Er habe sich bedankt – und sie darum gebeten, mit ihrem Engagement nicht aufzuhören. Denn als er groß geworden sei, habe man über solche Themen nicht sprechen dürfen, berichtete der 80-Jährige. Es war eine der positiven Rückmeldungen, die die Leiterin der Kita Zwergennest in Riepe auf den ersten Fachtag zur geschlechtlichen Vielfalt für Kita-Personal bekommen hat, der am Freitag und Sonnabend in Ihlow stattfindet. Negative Reaktionen habe es nur im Internet gegeben, Kritik ins Gesicht gesagt habe ihr bislang niemand, auch nicht von den Eltern, berichtet Saathoff bei einem Pressegespräch.

Unterstützen den Fachtag (von links): Mirco Christoffers (Kindergarten Pusteblume Simonswolde), Matthias von Prüssung (Amt für Jugend und Soziales), Katharina Kleemann (Kita Kornblume Westerende-Kirchloog), Petra Saathoff (Kita Zwergennest Riepe), Melanie Wiegmann (Kita Meerhuuske Ihlowerfehn), Tanja Schug (Kindergarten Regenbogen Weene), Sonja Ubben (Krippe „Dat Krabbelhuus“ Weene) und Michael Müller (Leiter Amt für Jugend und Soziales). Foto: Aiko Recke
Unterstützen den Fachtag (von links): Mirco Christoffers (Kindergarten Pusteblume Simonswolde), Matthias von Prüssung (Amt für Jugend und Soziales), Katharina Kleemann (Kita Kornblume Westerende-Kirchloog), Petra Saathoff (Kita Zwergennest Riepe), Melanie Wiegmann (Kita Meerhuuske Ihlowerfehn), Tanja Schug (Kindergarten Regenbogen Weene), Sonja Ubben (Krippe „Dat Krabbelhuus“ Weene) und Michael Müller (Leiter Amt für Jugend und Soziales). Foto: Aiko Recke

Worum geht es? Die Ihlower Kita-Leitungen und das Amt für Jugend und Soziales des Landkreises Aurich organisieren am 15. und 16. September eine Veranstaltung für das Kita-Personal im Kreis Aurich. Rund 100 Mitarbeiter haben sich angemeldet. Der etwas sperrige Titel: „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als Themen der frühkindlichen Inklusionspädagogik“. Ziel des Fachtags ist, Erzieherinnen und Erzieher sensibler für das Thema zu machen. So soll Kindern vorurteilsfrei begegnet werden, etwa wenn ein Junge zum Karneval mit einem Prinzessinnenkostüm geht. Alte Rollenmuster sollen überwunden werden.

Neue Bilderbücher

Zum Beispiel habe man sich die Bilderbücher in den Kitas einmal daraufhin angeschaut, welche Rollenmuster dort vermittelt werden, so Saathoff. So sei man zu dem Schluss gekommen, dass man durchaus neue Bilderbücher brauche, in denen zum Beispiel homosexuelle Paare und dunkelhäutige Menschen positiv vorkommen. Dasselbe gelte für Puppen mit Behinderungen.

In einem Schreiben waren die Eltern der Kita-Kinder über die Tagung informiert worden – dabei wurde auch das Thema genannt. Daraufhin gab es in der Facebook-Gruppe „Verspotted Landkreis Aurich“ viel harsche Kritik (die ON berichteten). Doch Saathoff betont noch einmal: „Es geht nicht um Sexualität bei Erwachsenen.“

Unterstützung vom Landkreis Aurich

Volle Unterstützung dagegen bekommen die Ihlower Kita-Leitungen vom Chef des Amtes für Jugend und Soziales, Michael Müller. Im Februar hatte es von den Grünen im Kreistag eine Anfrage nach Informationsangeboten über geschlechtliche Identität gegeben. „Wir waren überrascht, wie viele Angebote schon existieren“, sagte Müller. Sein Kollege Matthias von Prüssing betonte, dass das Thema in Fachkreisen schon seit rund 20 Jahren diskutiert werde. Im Übrigen gebe es eindeutige Forderungen des Landesjugendamtes nach sexualpädagogischen Konzepten auch für Kitas.

Natürlich gebe es akute Probleme wie den Mangel an Kita-Plätzen und Fachpersonal, bestätigte Amtsleiter Müller auf ON-Nachfrage. Doch auch Themen wie die geschlechtliche Vielfalt seien wichtig, nicht nur in Großstädten, sondern auch im ländlichen Raum. „Wir müssen auf der Höhe der Zeit sein“, so Müller.

Gegenwind als Ansporn

Dass der Fachtag in eine Zeit großer gesellschaftlicher Auseinandersetzungen über die Gender-Problematik fällt, ist Petra Saathoff bewusst. Und dass es politische Kräfte gibt, die sich derzeit im Aufwind sehen und die Gender-Bildung vehement ablehnen. Doch genau das ist umso mehr Ansporn für Saathoff und ihre Mitstreiter: „Das sollte uns nicht hindern. Wir sollten denen, die laut sind, nicht das Feld überlassen“, so die Riepster Kita-Leiterin.

Eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Thema findet im Rahmen des Fachtags am Sonnabend, 16. September, im Bürgerhaus am Ihler Meer in Ihlowerfehn statt. Beginn ist um 16 Uhr.

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