Energiekonzern nimmt Stellung  EWE rechnet mit Verschärfung des Heizungsgesetzes

| | 09.09.2023 10:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Blick zur EWE-Zentrale in Oldenburg. Foto: DPA
Ein Blick zur EWE-Zentrale in Oldenburg. Foto: DPA
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Monatelang wurde über das Gesetz diskutiert, nun wurde es beschlossen. Die EWE hält es für nicht ausreichend und setzt bei der Wärmewende ganz klar auf eine bestimmte Technik.

Oldenburg/Ostfriesland/Berlin - Grundsätzlich begrüße man den Beschluss des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) durch den Bundestag am Freitag, teilt die EWE mit. Doch die in der Debatte „erzwungenen Kompromisse verlangsamen das Tempo bei der dringend notwendigen Dekarbonisierung im Gebäudesektor und sind laut Expertenrat für Klimafragen nicht ausreichend, um die vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen“, heißt es vom Energieversorger aus Oldenburg. Die EWE rechnet daher damit, dass in Kürze eine weitere Novelle des GEG auf den Weg gebracht werden muss, „um zu klareren Regelungen zurückzufinden“.

Eine Wärmepumpe an einem Haus. Foto: DPA
Eine Wärmepumpe an einem Haus. Foto: DPA

Dem Beschluss vorausgegangen sei „eine politische Debatte, die in Teilen erkennbar nicht an der Sache, sondern vorrangig am politischen Kalkül orientiert war und die Notwendigkeit einer konsequenten Umstellung des Wärmesektors auf erneuerbare Energien aus dem Blick verloren hat“, heißt es aus Oldenburg.

Nachfrage nach Wärmepumpen gesunken

Die Verunsicherung der Verbraucher sei dabei in Kauf genommen worden. Konkret ablesbar sei das etwa an der spürbar gesunkenen Nachfrage nach Wärmepumpen.

Aus Sicht der EWE sind Wärmepumpen oder ein Anschluss an Wärmenetze für die große Mehrheit der Kunden die beste Lösung. Sie seien den Alternativen in Sachen Energieeffizienz und Kosten in den meisten Fällen überlegen, heißt es. „Wasserstoff und Biomethan werden in der flächendeckenden Wärmeversorgung beim Endkunden absehbar keine tragende Rolle spielen“, so die Einschätzung der EWE.

Diese Technologien würden vielmehr bei der Dekarbonisierung von industriellen Prozessen, Teilen des Schwerlastverkehrs sowie für die Rückverstromung im Fall von Dunkelflauten gebraucht.

Die EWE biete in Neubaugebieten bereits keine Erdgasanschlüsse mehr an und berate die Kunden stattdessen vorrangig zu Wärmepumpen, Photovoltaik und Hausspeichern. Dazu kämen lokale Lösungen, bei denen sich Hausbesitzer an Wärmenetze anschließen können. In Bremen, wo die EWE-Tochter SWB Wärmenetze betreibt, gebe es seit Kurzem ein Onlineangebot, wo sich Bürger informieren können, ob ihr Gebäude in einem Ausbaugebiet liegt.

Für Bestandsbauten soll die sogenannte kommunale Wärmeplanung Dreh- und Angelpunkt sein. Anhand dieser Planung sollen Hausbesitzer besser entscheiden können, in welche Heizungstechnik sie investieren sollten. In Kommunen bis 100.000 Einwohner soll die Wärmeplanung ab Mitte 2028 vorliegen.

EWE will kommunale Wärmepläne unterstützen

Die EWE will die kommunale Wärmeplanung zum wichtigen Bestandteil ihrer Netzausbaupläne machen. Ziel sei, zur richtigen Zeit auf die richtigen Orte im Netzgebiet zu schauen und die über viele Jahre laufende Transformation möglichst effizient umzusetzen.

Volkswirtschaftlich sei ein unwirtschaftlicher Parallelbetrieb von Erdgas- und Wasserstoffnetzen so gut es geht zu vermeiden, heißt es aus Oldenburg.

Die weitgehende Elektrifizierung des flächendeckenden Wärmebedarfs erfordere zudem massive Investitionen in den Ausbau des Stromnetzes, das noch stärker als bisher Rückgrat der Energiewende sein werde. Neben Anreizen für ausreichende Investitionen müssten Netzbetreiber zugleich umfangreichen Zugriff auf Steuerungseinheiten haben, um flexible Verbrauchseinrichtungen schnellstmöglich ans Netz bringen zu können.

Die Tochterfirma EWE NETZ biete Dienstleistungen für die Wärme- und Energieplanung der Kommunen an. Als örtlicher Netzbetreiber sei man ohnehin einzubinden, auch weil die Planung oft auf EWE-Datensätzen basiere.

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