Unterbringung im Kreis Aurich Bis Ende Oktober kommen 400 weitere Flüchtlinge
Derzeit leben 750 Menschen in Sammelunterkünften im Kreis Aurich, im Oktober wird die Zahl über 1000 steigen. Ein Auricher CDU-Politiker berichtete von Anwohner-Sorgen der früheren Kaserne.
Aurich/Norden - Eigentlich muss der Landkreis Aurich in den kommenden drei Wochen bis Ende September noch 400 zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen. Diese vom Land vorgegebene Quote werde man aber voraussichtlich erst bis Ende Oktober erfüllen können, sagte der Auricher Standortleiter der Kreisvolkshochschule, Sören Saathoff, am Donnerstag im Kreissozialausschuss. Derzeit kommen laut Saathoff rund 45 Flüchtlinge pro Woche, fast alle davon alleinreisende Männer. So sind es diese Woche von 43 Flüchtlingen 37 Alleinreisende aus acht Nationen. Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine seien kaum mehr darunter, sagte Saathoff auf ON-Nachfrage. Vielmehr kämen die Flüchtlinge aus immer mehr unterschiedlichen Ländern vom gesamten Globus – von Syrien und Marokko bis hin zu Kolumbien.
Derzeit hat der Landkreis demnach rund 750 Menschen aus 14 Nationen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, davon mehr als 350 in der früheren Auricher Kaserne. Im Oktober werde die Zahl von 1000 überschritten, so Saathoff.
Kaum noch Platz für Alleinreisende
Die Sprachhindernisse würden durch die vielen unterschiedlichen Herkunftsländer größer, so Saathoff. Auf dem Auricher Kasernengelände leben derzeit den Angaben zufolge 186 Menschen im früheren Divisionsgebäude 14, vor allem Familien. 78 alleinreisende Männer leben in den früheren Offizierswohnungen in Gebäude 22 und weitere 80 im nun komplett ausgebuchten Containerdorf. Seit dieser Woche sind außerdem 25 Flüchtlinge in der Kasernen-Turnhalle untergebracht.
Die meisten der neuen Flüchtlinge seien alleinreisende Männer. „Für sie haben wir kaum noch Platz“, erklärte Saathoff. Auch die Unterkunft in Norden-Utlandshörn sei derzeit mit 115 Menschen stark belegt.
Bargmann berichtet von Anwohner-Sorgen
Der Auricher Kreistagsabgeordnete Bodo Bargmann, ebenfalls Ratsherr in Aurich, berichtete von häufiger werdenden Anwohner-Beschwerden aus dem Umfeld der Kaserne. „Sie beschweren sich über eine massive Vermüllung der Straßen“, so Bargmann. Außerdem werde ihm zugetragen, dass es dort nahezu täglich Polizeieinsätze gebe.
Kreis-Sozialamtsleiter Michael Müller sagte, von einem Müllproblem wisse er nichts. Er versprach: „Wir werden uns damit beschäftigen.“ KVHS-Standortleiter Saathoff sagte: „Wir können dort kaum Polizeieinsätze feststellen.“ Gleichwohl zeige die Polizei dort Präsenz.
AfD-Kreistagsabgeordneter Jan-Adolf Looden (Krummhörn) wollte wissen, wie viele der Flüchtlinge den Landkreis Aurich wieder verlassen werden. Das sei schwer zu ermitteln, hieß es von der Verwaltung.
Helene Frieden, Dienststellenleiterin der Auricher Johanniter, die viele Flüchtlinge auf dem Kasernengelände betreuen, warnte: „Wir müssen mit Pauschalierungen aufpassen.“ Polizeieinsätze seien „extrem selten“ angesichts der Zahl der Flüchtlinge. Allein in Gebäude 22, das die Johanniter betreuen, seien Männer aus 26 Nationen. „Die Menschen sind hier, weil sie Hilfe brauchen“, betonte Frieden. Sie hätten in der Unterkunft vielfältige Aktivitäten und Aktionen gestartet. „Es passiert viel Positives in unserem Landkreis“, so Frieden.
Appell zum Dialog mit Anwohnern
Bargmann erwiderte, er gebe lediglich die Wahrnehmung der Anwohner wieder.
In der Einwohnerfragestunde hatte sich außerdem ein Anwohner der Unterkunft in Utlandshörn zu Wort gemeldet und kritisiert, dass es zu wenige Informationen gebe.
Am Ende waren sich immerhin alle einig: „Dialog mit den Anwohnern ist wichtig“, sagte Helene Frieden. Und Sozialamtsleiter Müller versprach: „Wir versuchen, auch für die Nachbarn transparent zu sein.“
CDU-Abgeordneter Bargmann fragte außerdem nach der Finanzierung der Kasernen-Umbauten. Sozialamtsleiter Müller bestätigte, dass man mit rund zehn Millionen Euro rechne, die am Ende der Bund zahle. Der Landkreis aber gehe in Vorleistung, erstattet werde erst nach der letzten Rechnung für die Bauten.
Auch mal Reibung am „Runden Tisch Flucht“
Zuvor hatte Markus Saathoff-Reents den Kreispolitikern vom „Runden Tisch Flucht“ berichtet. Dort tauschen sich 70 Teilnehmer verschiedener Einrichtungen über aktuelle Probleme aus. „Da gibt es auch Reibung. Es gibt andere Sichtweisen. Aber es geht darum, im Gespräch zu bleiben“, berichtete Saathoff-Reents. Am Ende stünden idealerweise Aufträge an die Verwaltung. Ausschussvorsitzender Hans Forster (SPD, Norden), selber Mitglied des Runden Tischs, sprach von einer „einmaligen vorbildlichen Institution“, die als Modell auch für andere Bereiche dienen könne.