Lage im VW-Werk Emden Ministerpräsident gab Startschuss für neue Elektro-Limousine
Der ID 7 läuft schon seit einigen Wochen vom Band und ist der Hoffnungsträger in der aktuellen Absatzkrise. Zum offiziellen Start kamen mehrere VW-Vorstandsmitglieder nach Ostfriesland.
Emden - Den offiziellen Startschuss für die Produktion der neuen Elektro-Limousine ID 7 haben der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und mehrere Vorstandsmitglieder am Montagvormittag im Emder VW-Werk gegeben. „Heute ist ein guter Tag für Emden und ganz Ostfriesland. Das ist ein echtes Ausrufezeichen in Zeiten vieler Fragezeichen“, sagte Weil, der Mitglied im Aufsichtsrat von Volkswagen ist. Die Transformation des Standorts sei jetzt vollendet. Die ostfriesischen Mitarbeiter hätten nach anfänglicher „Grundskepsis“ jetzt „Vertrauen in den neuen Weg“ gefunden. „Die Fabrik wurde auf links gedreht“, so Weil. Gerade in Ostfriesland würden oft kritische Fragen gestellt. „Aber wenn ein Unternehmen am Standort 1,2 Milliarden Euro investiert, ist das die beste Antwort. VW wird in Emden eine gute Zukunft haben“, so der Ministerpräsident. Derzeit sei der Absatz ins Stocken geraten, wohl auch weil die Förderung für den E-Auto-Kauf zu früh reduziert worden sei. Auf Dauer aber werde E-Mobilität den Geldbeutel sogar schonen, denn der CO2-Preis werden stärker steigen als der Strompreis. Er appellierte zugleich an die Bundespolitik, bessere Rahmenbedingungen für die Elektromobilität, etwa durch geringere Strompreise, zu schaffen.
Das sei auch wichtig, damit sich neue Industrien ansiedeln, etwa eine Batteriefabrik. Für eine solche habe Emden beste Standortbedingungen, betonte Weil einmal mehr.
VW-Markenchef fordert geringere Strompreise von Politik
VW-Markenchef Thomas Schäfer sagte, der Produktionsstart des ID 7 sei ein „wichtiger Meilenstein unserer Transformation“. Und weiter. „Der ID 7 gibt die Richtung vor, wie wir die Elektromobilität langstreckentauglich machen. Damit erreichen wir das nächste Level“, sagte Schäfer unter Hinweis auf die bis zu 700 Kilometer Reichweite der Limousine. Bis 2033 wolle VW in Europa nur noch Elektroautos bauen. „Dafür investieren wir weiter massiv“, so der Markenvorstand. Zugleich appellierte er: „Der Systemwechsel braucht eine gemeinsame Anstrengung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.“ Ladesäulen und Erneuerbare Energien müssten weiter ausgebaut werden. Schäfer sagte: „Die Politik steht in der Verantwortung, wettbewerbsfähige Strompreise zu ermöglichen. Dazu brauchen wir Entscheidungen - und zwar jetzt.“
Personalvorstand: Transformation immer mit Unsicherheiten verbunden
VW-Konzern-Personalvorstand Gunnar Kilian lobte die große „Transformationsbereitschaft“ der ostfriesischen VW-Werker. Emden sei mit mehr als zwölf Millionen produzierten Fahrzeugen einer der traditionsreichsten Standorte des Unternehmens. Und der Treiber sei seit 1977 der Passat gewesen. Die Transformation sei immer mit Sorgen und Unsicherheiten verbunden. Doch das Team am Standort Emden habe dem Vorstand Vertrauen geschenkt. Auch deshalb habe man seit 2020 mehr als eine Milliarde Euro in die Emder Fabrik investiert. Man habe die mehr als 8000 Kollegen mit mehr als 60.000 Trainingsstunden fit für die E-Mobilität gemacht, mit Unterstützung des ersten E-Werks in Zwickau, so Kilian.
Konzern-Betriebsratschefin überzeugt von E-Mobilität
Auch die Konzern-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sagte: „Nach der langen Tradition mit dem Passat tut es ein bißchen weh.“ Doch die gute Nachricht sei: Das Werk Emden fertige mit dem ID 7 weiter ein Auto des sogenannten B-Segments, in das auch der Passat eingeordnet war. Cavallo betonte ebenfalls. „Wir brauchen nicht nur gute Produkte, sondern auch einen Strompreis, der dazu animiert, E-Autos zu kaufen.“ Und schließlich: „Auch wenn wir jetzt ein Tal durchfahren, bin ich überzeugt, dass die E-Mobilität die Zukunft ist.“
Der Emder VW-Betriebsratsvorsitzende Manfred Wulff betonte angesichts der aktuellen Absatzprobleme bei den E-Autos: „Wir sind einer schwierigen Phase. Deshalb müssen wir gemeinsam mit der Politik gegensteuern. Wir wollen endlich Autos bauen. Soviele, dass wir irgendwann wieder über Mehrarbeit reden.“ Derzeit baue man noch rund 500 Verbrenner-Fahrzeuge, also Passat und Arteon pro Tag, aber erst rund 300 E-Autos. „Das ist aus unserer Sicht zuwenig“, so Wulff. Ziel sei, im zweiten Halbjahr 2024 soviele Autos zu bauen, dass die ursprünglich schon angedachte dritte Schicht nötig wird. Dafür fordert der Betriebsrat auch mehr Werbung für das neue Fahrzeug. Zuletzt wurde wegen der Absatzprobleme eine von zwei Schichten gestrichen. Bereits rund 300 Leiharbeiter mussten gehen, mehrere hundert weitere werden wohl in den nächsten Monaten folgen. „Aber wir kämpfen als Betriebsrat für jeden Einzelnen“, beteuerte Wulff.
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