Krise in Emder Autofabrik Ministerpräsident Weil besucht VW-Werk zum ID 7-Start
Der niedersächsische Landesvater sitzt im Aufsichtsrat des VW-Konzerns. Der 64-Jährige war im vergangenen Jahr mehrfach in der Emder Fabrik - und ist überzeugt von der Elektromobilität.
Emden - Zum Produktionsstart des neuen Elektromodells ID 7 besucht, neben Mitgliedern des VW-Konzern- und Markenvorstands, auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil am kommenden Montag, 21. August, das Emder VW-Werk. Entsprechende ON-Informationen bestätigte die Sprecherin der Landesregierung, Anke Pörksen, auf Anfrage. Weil ist durch sein Amt Mitglied des Präsidiums des Aufsichtsrates des Volkswagen-Konzerns, denn das Land hält 20 Prozent am größten Automobilhersteller Europas.
Weil hatte zuletzt Anfang Dezember bei einer Betriebsversammlung in der Emder Autofabrik vor rund 4000 Mitarbeitern gesprochen - das war noch vor der Absatzkrise bei den Elektroautos, die jetzt zum Streichen einer ganzen Schicht, der Verlängerung des Werksurlaubs und der Entlassung hunderter Leiharbeiter geführt hat. Seinerzeit hatte Weil, neben der wiederkehrenden Forderung nach einer Batteriefabrik, gesagt, Emden sei „ein beeindruckendes Beispiel für eine gelungene Transformation zur umweltschonenden Elektromobilität“. Und weiter: „Die Verantwortlichen in Wolfsburg und die Landesregierung haben großes Vertrauen in diesen Standort und die hier arbeitenden Menschen. Dieses Werk hat nach meiner tiefen Überzeugung seine besten Zeiten noch vor sich.“
Startschuss für elektrischen Passat-Nachfolger
Wie berichtet kommen mehrere Mitglieder des VW-Konzern- und Markenvorstands am Montag zum jährlichen Standortsymposium nach Emden. Zu diesem Anlass soll es auch einen kleineren, offiziellen Startschuss zum Produktionsanlauf der neuen Elektro-Limousine ID 7 geben. Der Passat-Nachfolger lief bereits vor dem Werksurlaub in kleineren Stückzahlen seit mehreren Wochen vom Band.
Betriebsrat will auch Absatzkrise thematisieren
„Das Standortsymposium ist immer ein Highlight, um sich zu präsentieren“, hatte der Emder VW-Betriebsratsvorsitzende Manfred Wulff bereits amMontag auf ON-Anfrage gesagt. Beim Rundgang mit den Vorständen aus Wolfsburg werde man wieder aktuelle Projekte in der Fabrik präsentieren.
Beim letzten Standortsymposium im April 2022 waren unter anderem der damalige VW-Markenchef Ralf Brandstätter und Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo aus Wolfsburg nach Emden gereist.
Bei Betriebsversammlung dem Vorstand die „Rote Karte“ gezeigt
Natürlich werde man auch über die aktuelle Absatzkrise mit den Vorstandsmitgliedern sprechen, so Wulff. Bis dahin wolle er aber zur aktuellen Situation keine weiteren Stellungnahmen abgeben, so der Betriebsrat.
Laut Medienberichten hatten Betriebsräte, Gewerkschafter und Mitarbeiter dem Vorstand bei einer Betriebsversammlung Anfang Juli symbolisch die „Rote Karte“ gezeigt.
Hunderte Leiharbeiter müssen gehen
Wie berichtet, war Ende Juni relativ überraschend bekannt geworden, dass im Emder VW-Werk wegen deutlich gesunkener Auftragszahlen bei den E-Autos eine von zwei Schichten gestrichen wird. Der Werksurlaub für die Elektroauto-Fertigung (MEB-Bereich) wurde um eine Woche verlängert. Seit diesen Montag, 14. August, sind nun alle Mitarbeiter wieder in der Fabrik.
Wegen der akuten Absatzkrise müssen rund 300 Leiharbeiter, die eigentlich bis Frühjahr 2024 bleiben sollten, bereits im August/September/Oktober gehen, weitere könnten im Jahr 2024 ihren Job verlieren.