Prozess um Messer-Attacke in Auricher Sportsbar  Angeklagter erinnert sich an Streit und Bedrohung

| | 15.08.2023 14:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Angeklagte wurde in Handschellen in den Auricher Schwurgerichtssaal geführt. Foto: Karin Böhmer
Der Angeklagte wurde in Handschellen in den Auricher Schwurgerichtssaal geführt. Foto: Karin Böhmer
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Ein 44-Jähriger steht vor dem Auricher Landgericht, weil er zweimal gewalttätig geworden sein soll. Der Vorwurf lautet in einem Fall „versuchter Mord“. Er kann sich nur teilweise erinnern.

Aurich - Ob das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt ist, muss das Auricher Landgericht in den kommenden Prozesstagen klären. Am Dienstag hat die Verhandlung gegen einen 44-Jährigen aus Aurich begonnen, der im vergangenen Jahr zweimal in Gewalttaten in einer Sportsbar in Aurich verwickelt war.

In der Nacht auf den 29. Januar 2022 soll er im Streit eine Bierflasche zerschlagen und die Scherben einem anderen Gast in die Wange gestoßen haben. Dieser hat laut Anklage bleibende Schäden davongetragen, nämlich eine Narbe sowie Einschränkungen beim Essen und Sprechen. Die Staatsanwaltschaft wertet das als schwere Körperverletzung.

Kaftvoll mit Messer zugestochen

Am 8. Juni soll der Angeklagte sich dann mit einem Kumpel in der Sportsbar an der Großen Mühlenwallstraße gestritten haben. Der Kumpel verließ nach eigener Aussage dann für eine Weile die Bar. Als er zurückkehrte, wurde er von hinten vom Angeklagten attackiert. Ein Video, das vor Gericht abgespielt wurde, zeigt, wie das Opfer zu einer Station für Fußballwetten geht. Der Angeklagte eilt ihm mehrere Schritte hinterher und stößt kraftvoll mit einem Messer in den unteren Rücken des 33-Jährigen.

Anschließend gehen beide Männer zu Boden, rangeln und werden schließlich von anderen getrennt. Die Staatsanwaltschaft wertet den Stich als gefährliche Körperverletzung. Zudem geht es um den Vorwurf des versuchten Mordes. Weil ein weiterer Mann beim Versuch, den Angeklagten zurückzuziehen, bedroht und an der Hand verletzt wurde, geht es zudem um eine weitere Körperverletzung und Bedrohung.

Der Angeklagte äußerte sich über seinen Anwalt zu den Vorwürfen. Er sagte, bei dem Fall im Januar habe er versucht, eine Gruppe von Sportsbar-Gästen davon abzuhalten, mit dem Guthaben eines anderen an einem Automaten weiterzuspielen. Die Gruppe habe dann angefangen, ihn zu bedrohen und sogar Gläser nach ihm geworfen. Der 44-Jährige habe daraufhin eine Bierflasche zerschlagen, um sich bei Bedarf verteidigen zu können. Er sei von mehreren Männern bedrängt worden. Als er den Arm schützend vor seinen Kopf gehoben habe, habe er versehentlich in der Bewegung einen der Angreifer verletzt. Das sei keine Absicht gewesen.

Angeklagter berichtet von Blackout

An den zweiten Vorfall kann sich der Angeklagte nach eigenen Angaben kaum erinnern, weil er stark alkoholisiert gewesen sei. Er wisse nur noch, dass er mit Freunden in der Spielhalle ein Handy-Spiel gespielt habe. Die anfangs gute Stimmung sei dann umgeschlagen, er sei mit dem späteren Opfer in Streit geraten. An mehr könne er sich nicht erinnern. Er wisse erst wieder, dass er im Krankenhaus zu sich gekommen sei und ans Bett fixiert war.

Am ersten Prozesstag sagten bis zur Mittagspause vier Augenzeugen aus, darunter das Opfer des Messerstichs, der an der Hand Verletzte sowie ein Mann, der den Angeklagten aus der Sportsbar taumeln sah. Am Nachmittag werden noch zwei Polizeibeamte gehört.

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