Partei vor Spaltung  Streit um Wagenknecht sorgt bei Auricher Linken für Diskussionen

| | 09.08.2023 18:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Politikerin Sahra Wagenknecht sorgt für Streit. Foto: DPA
Politikerin Sahra Wagenknecht sorgt für Streit. Foto: DPA
Artikel teilen:

Seit Monaten liebäugelt die populäre Sahra Wagenknecht mit der Gründung einer neuen Partei. Bei hiesigen Vertretern sorgt das für unterschiedliche Reaktionen.

Aurich - Er sei schon immer Fan von Sahra Wagenknecht gewesen, betont Hendrik Siebolds. „Ich kann nicht verstehen, was die Partei ihr vorwirft“, sagt der Auricher Linken-Ratsherr auf ON-Anfrage. Anlass der Nachfrage waren die sich zuspitzenden Querelen in der Partei, die sowohl im Bundestag als auch im Auricher Stadtrat und im Kreistag vertreten ist. Bundestagsfraktionschefin Amira Mohamed Ali hatte jüngst angekündigt, sich wegen des Umgangs ihrer Partei mit der prominenten Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht von ihrem Amt zurückzuziehen.

Wagenknecht hatte in den vergangenen Jahren immer wieder durch kritische Aussagen zur Flüchtlings- oder zur Russlandpolitik für Kontroversen gesorgt – und liebäugelt mit der Gründung einer neuen Partei. „Sie hat Dinge gesagt, die bei anderen nicht populär sind. Aber ich sehe nicht, dass sie rechts fischt“, so der Auricher Siebolds.

„Linke hat ein Problem mit populären Leuten in eigenen Reihen“

Aber es gebe gerade in seiner Partei eine Tendenz, schnell andere auszugrenzen. „Die Linke hat ein Problem mit populären Leuten in den eigenen Reihen.“

Siebolds gehörte 2005 zu den Gründungsmitgliedern der WASG, die sich 2007 mit der PDS zur Linken zusammenschloss. „Das war ein langer Weg“, so Siebolds. Er hoffe, dass es nicht zur Gründung einer Parteiabspaltung komme. Aktuell könne er nicht sagen, ob er sich einer neuen Partei anschließen werde. „Das wäre eine schwierige Entscheidung.“ Denn das Potenzial einer neuen linken Partei könne durchaus zweistellig sein, meint er. „Aber ich hoffe, dass Sahra bei uns bleibt.“ Fest steht für Siebolds auf jeden Fall: „Die Sache muss bald geklärt werden.“

Kreisvorsitzender: Viel Frust an der Basis

Unzufrieden über die Lage in seiner Partei, die in Umfragen bei nur vier Prozent dümpelt, ist auch der Auricher Kreisvorsitzende Jörg Erlautzki. „Es ist ein hohes Frustrationspotenzial da.“ Er selber würde sich zwar zum aktuellen Zeitpunkt nicht einer neuen Wagenknecht-Partei anschließend. Aber es gebe sicher einige, die das tun würden. Die Parteiarbeit auch an der Basis vor Ort sei derzeit frustrierend. „Man hängt in der Luft, weil man nicht weiß, wie es weitergeht“, so Erlautzki. Er sähe es als absoluten Verlust, wenn Wagenknecht den Linken verloren geht. „Sie holt die Leute da ab, wo sie sind, und füllt die Säle.“ Unzufrieden sei er mit der Arbeit des Bundesparteivorstands. Spätestens beim Bundesparteitag in Augsburg Mitte November brauche man Klarheit. Die Aufstellung der parteilosen Flüchtlingsaktivistin Carola Rackete als Spitzenkandidatin für die Europawahl sieht Erlautzki, genau wie Wagenknecht, kritisch. „Für Rackete ist das nur ein Schlüssel, ihre Bewegung voranzubringen. Das finde ich nicht in Ordnung“, so Erlautzki.

Kreistagsabgeordnete sieht Wagenknecht kritischer

Die Auricher Kreistagsabgeordnete Blanka Seelgen sieht dagegen Sahra Wagenknecht deutlich distanzierter. Die Linke müsse sich weiter dazu bekennen, keine Flüchtlinge ertrinken zu lassen. Auch Klimapolitik bleibe wichtig. „Aber sie müsste anders angegangen werden.“ Auf die ON-Nachfrage, ob sie einer neuen Wagenknecht-Partei beitreten würde, sagt Seelgen: „Ganz sicher nicht.“

Ähnliche Artikel