Häuser im Lerchenweg Verbleibende Mieter seit vier Wochen ohne Warmwasser
30 Wohnungen im Lerchenweg in Aurich werden entmietet, damit sie saniert werden können. Die letzten Wochen sind aber für die Bewohner unerfreulich. Die Heizung ist schon seit vier Wochen aus.
Aurich - Einige Mieter im Lerchenweg 9, 11, 13, 15 und 17 sind verzweifelt. Wie berichtet, sollen die Häuser grundsaniert werden und die 30 Parteien deshalb ausziehen. Rund zehn bis zwölf Mietparteien sind nach ON-Informationen aber noch in den Häusern und seit rund vier Wochen ohne warmes Wasser.
„Gott sei Dank haben wir Badewannen, dann können wir auf dem Herd Wasser heiß machen und uns dort waschen“, sagt eine Mieterin. „Aber wir hausen hier fast wie im Mittelalter.“ Für Mieter mit kleinen Kindern oder alte Leute, die einen Topf mit heißem Wasser nicht ins Bad schleppen könnten, sei das wirklich ein Problem.
Die Mieterin hat nach langer Suche eine andere Wohnung für sich und ihre Kinder gefunden. Sie berichtet von ihren Eltern im Rentenalter, die ebenfalls beide für sich eine Wohnung suchen. Ihre Mutter bekomme Grundsicherung und habe mit viel Mühe eine neue Bleibe gefunden. Der Vater sei noch auf der Suche. Es gebe nur sehr wenige freie und bezahlbare Wohnungen in Aurich. Und nahezu keine für Menschen, die mit dem Treppensteigen Probleme hätten oder auf die Nähe beziehungsweise eine gute Busverbindung zu Ärzten angewiesen seien, so die Mieterin.
Zwei Boiler am gleichen Tag kaputt?
„Im Moment läuft es darauf hinaus, dass mein Vater wohl eine Weile zu uns ziehen muss“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.
Sie habe den Eindruck, dass der Vermieter ganz bewusst die Heizung abgestellt habe, um die beiden großen Mehrfamilienhäuser schneller leer zu bekommen. Die Heizung sei schon öfter ausgefallen. Auch im Winter. Auf dem Gerät sei ein Schild angebracht, dass die Heizung 2018 mit Mängeln abgenommen worden sei. „Daher war doch bekannt, dass Handlungsbedarf besteht“, so die Auricherin. Auffällig sei zudem, dass beide Boiler am gleichen Tag den Geist aufgegeben hätten. „Komischer Zufall, oder?“
Die Mieterin ärgert sich sich darüber, wie das langjährige Mietverhältnis im Lerchenweg zu Ende geht. Zum einen sei das Wohnumfeld dort immer schlechter geworden und immer weniger sei nach dem Eigentümerwechsel in Ordnung gebracht worden. Die Mieter hätten plötzlich selbst Winterdienst leisten sollen. Die Grünanlagen seien nicht gepflegt worden.
Gefühl, durch den Umzug in eine Falle zu tappen
Es habe aber auch geheißen, dass die Mieter während einer schrittweisen Sanierung in eine andere Wohnung innerhalb des Mehrparteienkomplexes ziehen könnten und am Ende zurück in ihre Wohnung. „Hätte ich gleich gewusst, dass wir gekündigt werden, hätte ich früher angefangen zu suchen“, so die Mieterin. Sie habe sich auch an die Stadt Aurich gewandt, ob diese bezahlbare Wohnungen im Angebot habe. Dort sei die Familie aber auf der Warteliste gelandet. Stadtsprecher Johann Stromann bestreitet diese Aussage allerdings. Keiner der Mieter aus dem Lerchenweg habe sich bisher an die Stadt gewandt. Wie lang die Warteliste für städtischen Wohnraum ist, könne er derzeit nicht beantworten.
Mietminderung
Vermieter sollten eine Heizung eigentlich binnen Tagen reparieren oder instand setzen. Sie müssen ihre Mieter in gewissem Umfang mit Warmwasser versorgen. Mieter können nach einer entsprechenden Beschwerde mit einer Mietminderung auf den Mangel reagieren. Darüber sollte man sich aber genau informieren.
Die Mieterin hat das Gefühl, nun in eine Falle zu tappen – ob sie wolle oder nicht. Denn die einzige Wohnung, die sie finden konnte, liegt in der Wiesenstraße – wo immer wieder Mieter über Schimmel klagen. „Ich hab nun keine Wahl und muss mit meinen Kindern dahin ziehen“, so die Frau. Ihre Eltern hätten dort vor Jahren schon mal gewohnt und beim Auszug völlig verschimmelte Möbel weggeworfen. Zudem ärgert sie, dass nun, wo ihre Eltern älter werden, der Familienverband auseinandergerissen wird. Bisher hätten alle in direkter Nachbarschaft gelebt. Nun wohne ihre Mutter bald in einem anderen Ortsteil. Sie zu unterstützen, werde so schwieriger.
Keine Unterstützung beim Umzug
Die Mieterin hat eine Reihe von Sorgen. Zwei Wohnungen sind zwar gefunden. Für die Mutter werde vom Sozialamt auch die neue Kaution und das Spritgeld für den Umzug bezahlt – nicht aber die Miete für einen Transporter oder gar der Lohn für Umzugshelfer. Die kleine Familie könne aber nicht alleine schwere Schränke in den Wagen hieven. Auf diesen Kosten, die sie unfreiwillig hätten, blieben sie sitzen, so die Mieterin. Insbesondere helfende Hände würden eigentlich dringend gebraucht.
Landkreissprecher Rainer Müller-Gummels teilte auf ON-Nachfrage mit, dass grundsätzlich die Übernahme bestimmter Umzugskosten im Rahmen der Grundsicherung nach vorheriger Klärung mit dem Amt für Jugend und Soziales möglich sei. „Dies müsste aber im jeweiligen Einzelfall entschieden werden.“ Laut der Mieterin bekommt ihre Mutter nur eine geringe Unterstützung.
Vermieter bedauert die Situation
Dr. Eike Beitz, Sprecher von Schomaker Immobilien, drückte auf ON-Nachfrage sein Bedauern wegen der kaputten Heizung aus. Für die Mieter sei das ohne Frage sehr ärgerlich. „Und uns tut das wirklich fürchterlich leid.“ Ganz sicher sei dieser Ausfall nicht absichtlich herbeigeführt worden.
Es habe im vergangenen Jahr sicher 30 Störmeldungen der Heizungen gegeben, auch schon im Winter. Ein Monteur habe die Anlagen bisher dann wieder zum Laufen gebracht, aber nun sei dies nicht mehr möglich. „Die sind einfach durch“, so Beitz. Die Hoffnung sei gewesen, dass die Anlagen noch bis zum Ende durchhalten.
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Am 1. September sollen ohnehin Strom und Gas abgeschaltet werden. Den Mietern wurde mit dem Hinweis gekündigt, dass der letzte Auszugstermin der 31. August ist.
Vermieter: Heizung so kurzfristig nicht zu ersetzen
Es sei gar nicht möglich gewesen, nun so kurzfristig eine neue Heizung zu besorgen, sagte Beitz. Zum einen seien die Geräte so schnell nicht lieferbar. Zum anderen werde diese veraltete Art der Therme auch nicht mehr zugelassen. Und für ein neueres Modell müsse der Schornstein gleich mit umgebaut und mit Kunststoffrohr versehen werden. Das sei so schnell auch nicht möglich – und wäre angesichts der anstehenden Sanierung auch Quatsch, so Beitz.
Geplant sei, die alten Heizungsanlagen durch eine Wärmepumpe zu ersetzen. Durch ein Nahwärmenetz sollen dann alle Wohnungen von einer Anlage versorgt werden. Zudem ist geplant, Fußbodenheizungen einzubauen, die Fenster auszutauschen, das Dach komplett zu erneuern und zu dämmen und die Badezimmer in allen Wohnungen zu vergrößern.
Diese sind laut Beitz alle gleich geschnitten und entweder 60 oder 70 Quadratmeter groß. Sie bestehen jeweils aus Küche, Bad und Flur sowie einem Wohnzimmer, einem Schlafzimmer und entweder einem oder zwei Kinderzimmern.
Schrittweise Sanierung würde teurer
Anfang 2019 habe Schomaker Immobilien die beiden Häuserzeilen übernommen, sagte Beitz. Es sei schnell klar gewesen, dass die Häuser grundlegend saniert werden müssen. Intern und in Vorgesprächen mit der Stadt seien dann verschiedene Szenarien durchgespielt worden, so Beitz. Offenbar auch ein Neubau. Die Wahl sei angesichts steigender Baukosten dann auf eine grundlegende Sanierung gefallen, bei der die Häuser zunächst fast bis aus den Rohbauzustand rückgebaut würden.
„Wir haben nie kommuniziert, dass die Mieter in einer schrittweisen Sanierung innerhalb der Gebäude umziehen können“, so Beitz. Dagegen spreche, dass dies den Umbau massiv verzögern und damit auch verteuern würde. Man müsse viel vorsichtiger agieren, um auf keinen Fall Strom- oder Telefonkabel zu kappen, könne die Gewerke weniger frei zwischen den Abschnitten wechseln lassen und müsse hinsichtlich der Lärmbelästigung mehr Rücksicht nehmen.
Wohnungen sollen für Normalverdiener bezahlbar sein
Das alles verzögere die Sanierung. Entsprechend würden die Wohnungen teurer als derzeit kalkuliert, sagte Beitz. Bisher seien die Wohnungen keine gebundenen Sozialwohnungen gewesen, aber zu einem Preis angeboten worden, der in Aurich für einen Wohnberechtigungsschein infrage komme.
Das werde nach der Sanierung nicht mehr so sein, sagte Beitz. „Aber wir bemühen uns sehr, die Wohnungen weiterhin zu einem Preis anzubieten, den Normalverdiener sich leisten können.“ Es sei noch nicht abschließend klar, inwieweit Förderprogramme in Anspruch genommen werden und wie nah die Wohnungen an die Kategorie „bezahlbar“ herankommen. Klar sei aber, dass durch den Ausbau des Dachgeschosses zehn weitere Wohnungen entstehen. „Die Mieter können gerne nach dem Umbau zu uns zurückkehren“, so Beitz.
Unzufrieden mit Verhalten einiger Mieter
Laut Beitz ist auch Schomaker Immobilien mit der Phase der Entmietung nicht zufrieden. Mehrere Mieter seien ohne Abmeldung ausgezogen und hätten völlig vermüllte Wohnungen zurückgelassen. Leer stehende Wohnungen seien aufgebrochen und Infrastruktur am Haus zerstört worden. „Wir hatten auch 30 Zentimeter Wasser im Keller stehen, weil Wasserhähne abgetreten wurden und das Wasser dauerhaft lief“, so Beitz.
Wer sich ordentlich abmelde, bekomme einen Teil der Kaution ausgezahlt. Ein Teil werde einbehalten, bis die Nebenkostenabrechnung vorliegt. Im Dezember sollten die Schlussrechnungen vorliegen und restliche Kaution überwiesen werden.