Sanierung dringend nötig Hau-ruck für Mühle nötig
In Münkeboe hat der Zahn der Zeit an dem Wahrzeichen genagt – nun müssen 20.000 Euro an Eigenanteil zusammenkommen. Wie 1980 geht der Appell an die Dorfgemeinschaft.
Münkeboe - Katastrophen werden oft deutlicher gesehen als kleine Schäden. Als 1980 die Mühle in Münkeboe vor dem Abriss stand – ohne Kappe, mit sanierungsbedürftigen Mauern und ohne Innenleben –, ging ein Ruck durch das Dorf. Der Verein zur Erhaltung der Windmühle wurde gegründet, Spenden kamen zusammen und zahlreiche Helfer leisteten viele, viele Stunden ehrenamtliche Arbeit und wurden zu Mühlenexperten.
Die Geschichte der Mühlenrettung – mit dem Schock, dass die demontierte Kappe aus Friedeburg doch nicht zur Mühle passte und eine Kappe aus dem Cuxhavener Land geholt werden musste – ist Teil der Ausstellung im Mühlenmuseum. Doch es ist nicht immer der augenscheinliche katastrophale Verfall, sondern manchmal der stille Zahn der Zeit, der Erneuerung nötig macht.
80.000 Euro Fördergeld kommt nur, wenn der Eigenanteil steht
Karl Constant ist seit 2021 Vorsitzender des Mühlenvereins und kennt die Geschichte der Mühlenrettung gut. Sie führte damals am Ende bis zur Gründung des beliebten Dörpmuseums, denn der Mühlenverein kümmert sich laut Satzung auch um die Sammlung von landwirtschaftlichen und handwerklichen Gerätschaften. Also sammelte er, bis die Mühle voll war – und einige Scheunen auch. Dann entstand die Idee, jedem Gewerk auf der anderen Straßenseite einen Platz und ein eigenes Dach zu geben. Das Dörpmuseum entstand.
Nun möchte Constant gerne an den Münkeboer Tatendrang der 1980er-Jahre anknüpfen. Denn nach vielen Jahren, wo in der grundsanierten Mühle nicht viel gemacht werden musste, steht nun eine größere Reparatur an. 100.000 Euro sind dafür kalkuliert. 80.000 Euro sind im Grunde schon da, denn es gibt Förderzusagen in dieser Höhe. Die nützen jedoch nichts, wenn der Verein den Eigenanteil von 20.000 Euro nicht aufbringt.
Erste Maßnahmen für mehrere Tausend Euro schon umgesetzt
Constant zählt eine Reihe wichtiger Maßnahmen auf, die schon gemacht wurden. Zum einen wurde die Elektrik auf Vordermann gebracht, inklusive neuem und gut zugänglichem Sicherungskasten sowie Brandschutzschaltern. Schon der vorherige Vorstand hatte veranlasst, dass die Wände im Erdgeschoss saniert werden. Der neue Vorstand, bestehend aus Constant, dem erfahrenen Schriftführer und drei neuen Mitgliedern um die 30, von denen zwei bald die Müllerausbildung machen wollen, legte nach.
Das Mühlenkappendach wurde teilweise abgedichtet. Und der Versicherungsschutz wurde nun angehoben – und damit teurer.
All das hat laut Constant dazu geführt, dass der Verein keinen Betrag für die Eigenleistung aufbauen konnte. Es sind allerlei laufende Kosten aus den Mitgliedbeiträgen zu bezahlen. Doch ohne Eigenanteil keine Reparatur. Ein Mühlen-TÜV durch den Mühlenbauer Gert Möller aus Melle hat einiges an Sanierungsbedarf ergeben.
Galerie wurde bereits abgesperrt, das Geländer abmontiert
Selber klar war dem Vereinsvorstand bereits, dass die Galerie erneuerungsbedürftig ist. Sie wurde laut Constant in den 1980ern zwar aus wetterbeständigem Bongossiholz gefertigt – aber zum Teil wasserdicht lackiert. Außerdem wurden zahlreiche Schrauben in das Holz getrieben. Es begann, unbemerkt zu vergammeln.
Die Mühle ist von Bäumen umstanden, weshalb sie an einigen Stellen nicht vollständig abtrocknet, so Constant. Auch das habe der Galerie zugesetzt. Als erste Teile des Geländers herunterstürzten, zog der Vereinsvorstand die Konsequenzen. Die Tür zur Galerie ist fest verschlossen. Keiner geht mehr raus, so die eiserne Regel. Außerdem wurde das Galerie-Geländer abgenommen, um diese Gefahrenquelle zu beseitigen. Constant hat das Holz des Geländers auf dem Mehlboden untergestellt. Von dem ehemals sehr strapazierfähigen Holz ist nur noch „Zwieback“ übrig. Und das gilt auch für zwei Fensterrahmen im Erdgeschoss.
In der Kappe gibt es ernste Probleme
Doch Möller fand noch mehr. Der sogenannte Katzenstein hinter dem Schild mit der Jahreszahl 1854, auf dem der Achskopf mit den Flügeln aufliegt, ist abgenutzt und entsprechend kleiner geworden, berichtet Constant. Dadurch hat sich die Achse etwas geneigt. Die Ruten kämen daher näher an den Achtkant heran. Das ist derzeit noch kein Problem, mittelfristig wäre das aber so. Denn laut Constant rutscht die gesamt Mühlenachse nun auch weiter in die Mühle herein. Dadurch dringt zum einen Wasser in die Mühle ein.
Zum anderen wird dadurch aber auch die Verbindung des Achsrades zum sogenannten Bunkler verändert. Damit wird mittelfristig die Kraftübertragung von der Mühlenachse auf die Königsachse gestört – und damit stoppt der Herzschlag der Mühle.
Constant: Mühle soll wieder Highlight werden
Constant ist seit den 1980er-Jahren Mitglied im Verein. Aktiv ist er aber erst seit wenigen Jahren. Für die Ausstellungsgestaltung und die Museumspädagogik für Kinder hat er viele Ideen – doch ohne die Sanierung drohen diese zu scheitern. So soll ein Wasseranschluss in die Mühle gelegt werden, damit Kinder dort ohne großen Aufwand im geräumigen Erdgeschoss töpfern können. Sie sollen auch möglichst viel anfassen und selbst ausprobieren können. Eine Vision sei, dass ein ähnliches Modell wie in der Mühle in Dornum den Kindern ermöglicht, im Kleinen Korn zu mahlen und dabei mit verschiedenen Mahlgraden zu experimentieren. „Es geht ums Begreifen, die Kinder sollen es selber machen können“, so Constant.
Es sollen auch wieder Besucher auf die Galerie raus können. Auf der neuen Galerie sollen die Balken und Geländerstreben wieder so angebracht werden, dass sie ineinanderfallen und nicht verschraubt werden müssen. Das gilt auch für den Boden der Galerie. Statt der Bohlen sollen Roste eingesetzt werden, die leichter für eine Reparatur abnehmbar sind. Zudem sollen die tragende Konstruktion verstärkt werden, damit die Galerie auch Gruppen trägt.
Die Mühle soll außerdem wieder drehen. „Sie soll wieder ein Highlight werden“, sagt der Vereinsvorsitzende. Immerhin sei die Mühle das Gebäude Nr. 1 des Dörpmuseums. Und das solle seine Strahlkraft behalten. „Und wenn wir unseren Teil zum Museum beitragen sollen, müssen wir auch was bieten können“, sagt Constant. Der Vereinsvorsitzende wünscht sich umgekehrt aber auch Unterstützung von der Mannschaft im Dörpmuseum, wenn es um den Erhalt der Mühle geht. „Doe Dörp-AG sagt es ja schon: Es geht nur miteinander“, sagt Constant. Und dazu sei auch wieder die Unterstützung des ganzen Dorfes nötig. „Münkeboe muss mal wieder zusammenhalten.“