Protest hat Folgen Von ursprünglichen Bands für Krummhörn-Konzert wohl keine übrig
Zwei Bands – davon eine mit engen Kontakten zur Neo-Nazi-Szene – wurden mutmaßlich ersetzt, die dritte hat selbst abgesagt und sich distanziert. Die Frage ist, wer hinter einer der Ersatzbands steckt.
Krummhörn - Das Konzert, das am Sonnabend beim Lohnunternehmen Friedrich Voß in Canum stattfinden soll, schlägt weiter hohe Wellen. Wie berichtet, regt sich Protest, weil Mitglieder der Hauptband „Gehasst, verdammt, vergöttert“ enge Verbindungen zur Neo-Nazi-Szene haben. Nach Recherchen der Ostfriesen-Zeitung ist auch der beauftragte Sanitätsdienst für diese Veranstaltung dem rechten Spektrum zuzuordnen und des Öfteren auf einschlägigen Veranstaltungen im Einsatz.
Nach dem ersten Protest wurde die Bandzusammenstellung bereits verändert. „Gehasst, verdammt, vergöttert“ und die Deutschrockband „Ernst-Fall“ sind vom Plakat verschwunden und durch andere Namen ersetzt worden. Die Band „Goethes Jungs“, die als einzige der Ursprungsbesetzung noch stehen geblieben war, hat nun auf ihrer Facebook-Seite selbst Abstand genommen von dem Auftritt „im hohen Norden“ genommen.
Eine Band hat ihren Auftritt abgesagt
„Diesen Gig müssen wir heute leider offiziell und sehr kurzfristig absagen!!!!“ Es habe zuletzt zahlreiche Hinweise zu „Gehasst, verdammt, vergöttert“ gegeben. „Die Vorwürfe besagen, dass einige Mitglieder der besagten Band noch aktive Mitglieder in der rechten Szene sind und noch immer in eindeutig dem Rechtsrock zugeordneten Bands spielen. Zudem stehen Vorwürfe im Raum, dass der Sicherheitsdienst, wie auch der Sanitätsdienst ebenfalls Kontakte zum rechten Milieu haben sollen.“ Die Band betont, dass die sich ausdrücklich von „jeglicher Art und Form des Extremismus und/oder jeglicher Politisierung“ distanziert. Die Band habe „keine politische Ausrichtung, keine politischen Ziele und auch keine politischen Texte“. Und weiter: „Zu unserem Leidwesen konnten wir die im Raum stehenden rechtsextremistischen Vorwürfe, die rund um die Veranstaltung und besagte Band kursieren nicht zweifelsfrei entkräften. Allerdings können wir aber auch nicht mit Sicherheit sagen, welche Vorwürfe nun wirklich stimmen oder nicht.“ Deswegen erfolge nun die Absage.
Auch zahlreiche Ostfriesen wollen sich offenbar sichtbar distanzieren und gegen das Konzert protestieren. Die Initiative Partnerschaft für Demokratie hatte bereits eine Mahnwache auf dem Parkplatz des Aldi-Marktes in Pewsum angekündigt. Auch mit anderer Band-Besetzung soll es bei dem Protest bleiben. Die Mahnwache wird nun aber an anderer Stelle stattfinden, nämlich ab 18.15 Uhr an der Bushaltestelle „Canum“, etwa auf Höhe der Einmündung Canumer Straße. Mit dabei ist auch ein Bündnis aus „Aurich zeigt Gesicht“, Grünem Kreisverband, Grüner Kreistagsfraktion und „Omas gegen Rechts“.
Bündnis: Unternehmer muss Konzert absagen
Man verurteile aufs Entschiedenste, dass der Lohnunternehmer Voß aus Coldewehr sein Firmengrundstück für ein Konzert mit eindeutig der rechtsextremen Szene zuzuordnenden Bands zur Verfügung stellt, heißt es in einer Mitteilung. Dass das Unternehmen sich damit herausrede, dass es nur das Gelände zur Verfügung stelle ohne Kenntnis der Band, sei blauäugig. Damit werde Voß „zum Steigbügelhalter für einen rechten Treffpunkt in Ostfriesland. Wir warnen davor, bekannten Neonazis durch das Konzert eine öffentliche Plattform zu bieten, um Hass und Hetze weiter zu verbreiten.“
Der Auricher Kreistag habe in einem ähnlichen Fall eine gemeinsame Resolution aller Fraktionen für eine offene, vielfältige Gesellschaft verabschiedet. „Doch in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Spaltung rasant vorangeht und in der der Nazismus immer offener sein Haupt erhebt, ist es mit Worten nicht getan“, so das Bündnis in einer Mitteilung. Es fordert Voß auf, den Veranstaltern die Genehmigung zur Nutzung des Geländes zu entziehen.
Welche Musiker bei dem Konzert auftreten, bleibt offen. Durchaus üblich ist es, dass gekippte Bands dennoch unter anderem Namen eine Bühne bekommen. Über die ersatzweise bestellte Böse-Onkelz-Coverband „Viva los Tioz“ ist im Internet auffallend wenig zu finden.
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