Verbindungen zur rechten Szene Konzert in der Krummhörn ruft Protest hervor
Drei Bands waren für einen Auftritt in Canum am Sonnabend angekündigt, davon eine mit Kontakt zu Neonazis. Inzwischen sind zwei Bands ausgetauscht worden. Eine Gegendemo formiert sich dennoch.
Krummhörn - Es formiert sich Widerstand gegen ein Konzert, das an diesem Sonnabend auf dem Gelände des Lohnunternehmens Friedrich Voß in Canum stattfinden soll. Der Grund dafür ist die ursprüngliche Bandzusammenstellung. Angekündigt waren die Böse-Onkelz-Coverband „Gehasst, verdammt, vergöttert“, „Goethes Jungs“ „ErnstFall“. Mitglieder von „Gehasst, verdammt, vergöttert“ spielen in anderen Rechtsrockbands.
Das ruft Widerstand hervor. Mitglieder der Initiative „Partnerschaft für Demokratie“ rufen zur stillen Protestkundgebung am Sonnabend ab 18.15 Uhr auf dem Parkplatz des Aldi-Marktes in der Handelsstraße auf. Auch mehrere bekannte Krummhörner Bürger hätten sich dem Protest angeschlossen und wollten ein Zeichen gegen Rechts setzen, sagte Dr. Martin Gohlke, der Leiter der Initiative.
Zwei Bands wurden ausgetauscht
Angesichts des Widerstandes haben die Veranstalter nach eigenen Angaben inzwischen reagiert. „Goethes Jungs“ stehen weiterhin auf der Ankündigung für „Live in der Krummhörn 2“. Daneben stehen nun die Böse-Onkelz-Coverband „Viva Los Tios“ sowie der Wolfgang-Petry-Cover-Musiker Thomas Berger. Auf der Facebook-Seite des Lohnunternehmens heißt es: „Wir betonen noch einmal, dass es sich um eine unpolitische Veranstaltung handelt.“
Inwieweit das Lohnunternehmen der Veranstalter ist, der auch für die Musikauswahl verantwortlich ist, beantwortete Juniorchefin Maike Klaassen auf Nachfrage nicht. Auch gab sie keine Stellungnahme zu den geäußerten Vorwürfen ab.
Ordnungsrechtlich wenig Spielraum
Die Behörden beobachten das Geschehen genau. Ordnungsrechtlich haben sie jedoch wenig Spielraum. Der Landkreis Aurich teilte mit, dass eine befristete Nutzungsänderung genehmigt wurde, „da es keine baurechtlichen Aspekte gab, die dem entgegenstanden.“
Die Gemeinde Krummhörn weiß seit Ende Juni vom Konzert und ist zuständig, wenn es um die Verköstigung geht. Das ist laut Bürgermeisterin Hilke Looden aber nur anzuzeigen. „Außerdem wurde die für das Aufhängen der Werbeplakate auf öffentlichen Flächen erforderliche Sondernutzungserlaubnis beantragt und mit Einschränkungen seitens der Gemeinde erteilt.“ Welche Einschränkungen gemacht wurden, teilte Looden nicht mit.
Bürgermeisterin sieht das Konzert kritisch
Die Möglichkeit, ein Konzert zu verbieten, dass wegen der Musiker Mitglieder der rechten Szene anlocken könnte, hat die Gemeinde kaum. Looden dazu: „Bei der Erteilung von Genehmigungen jeder Art sind wir als Gemeinde stets an den rechtlichen Rahmen gebunden. In diesem Sinne haben wir die bei uns eingegangenen Anträge für die Veranstaltung kritisch geprüft und beschieden. Genügt ein Antrag den rechtlichen Vorgaben, so ist eine Erlaubnis - gegebenenfalls mit entsprechenden Maßgaben oder Auflagen - zu erteilen.“
Als gewählte Bürgermeisterin nimmt Looden dennoch Stellung: „Jeglichen Extremismus, egal ob von rechts oder links, lehne ich entschieden ab! Der rechten Szene eine Bühne zu bieten, ist problematisch. Insofern sehe ich dieses Konzert sehr kritisch.“ Weiter: „Dass sich große Teile der Bevölkerung klar gegen rechte Tendenzen positionieren, dies auch öffentlich tun und damit einen sozialen Druck aufbauen, finde ich gut und richtig! Das ist ein wichtiges Signal aus unserer Gemeinde.“
Polizei kündigt Präsenz an
Die Polizei wurde nach Angaben von Sprecherin Wiebke Baden frühzeitig informiert und habe Kontakt zur Gemeinde und zum Veranstalter aufgenommen. Verlässliche Angaben zur erwarteten Besucherzahl seien nicht möglich. „Wir gehen aktuell von bis zu 200 Besuchern aus“, so Baden. „Wir werden die Veranstaltung am Samstag entsprechend begleiten und polizeiliche Präsenz zeigen. Im Fokus steht ein störungsfreier Verlauf. Sollten wir Hinweise auf strafbare Handlungen erlangen, werden diese konsequent verfolgt.“ Es sei aber keine der drei ursprünglich angekündigten Gruppen verboten. „Das eine oder andere Bandmitglied ist aber bereits mit Bands aufgetreten, die dem rechtsmotivierten Spektrum zuzuordnen sind“, so Baden.
Gohlke: Durchaus übliche Praxis der Sondierung
Was die Änderung bei den Bands nun bedeutet, müssen auch die Mitglieder der Partnerschaft für Demokratie abwarten. Gohlke berichtete, dass er von Kollegen aus Thüringen wisse, dass dies ein übliches Vorgehen sei. Zunächst finde ein harmloses Konzert statt, um die Reaktionen zu sondieren. Im zweiten Jahr kämen dann schon Bands mit Verbindungen zur Szene. Rege sich Protest für oftmals nur vorgeblich die Besetzung ausgetauscht. In Wirklichkeit spielten die angekündigten Gruppen aber doch. Und nach wenigen Jahren könne sich ein Konzertort dann zu einem großen Treffpunkt für die rechtsextreme Szene entwickeln, so Gohlke. Wenn nun wirklich politisch neutrale Künstler als Ersatz gebucht seien, „dann stehen da eben 40 oder 50 engagierte Demokraten und protestieren grundsätzlich gegen rechts. Das schadet dann auch nicht.“