Auricher Elf-Millionen-Neubau  Staatsanwälte sollen trotz Baumängeln einziehen

| | 02.08.2023 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Neubau der Staatsanwaltschaft in Aurich. Foto: Romuald Banik
Der Neubau der Staatsanwaltschaft in Aurich. Foto: Romuald Banik
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Die Kosten des Neubaus am Schlossplatz explodierten im Lauf der Jahre auf elf Millionen Euro. Nun dringt Wasser in das nagelneue Gebäude. Doch für die 50 Mitarbeiter der Außenstelle gibt es Hoffnung.

Aurich/Hannover - Trotz festgestellter Baumängel sollen Teile des Neubaus der Staatsanwaltschaft Aurich an der Julianenburger Straße in den kommenden Monaten bezogen werden. Ein vom Land Niedersachsen beauftragter Gutachter habe zwischenzeitlich weitere Untersuchungen am Gebäude durchgeführt, teilte das niedersächsische Justizministerium auf ON-Anfrage mit. „Diese haben bestätigt, dass Baumängel vorhanden sind. Es dringt Grundwasser durch den Beton und den Estrich in das Gebäude“, so der Ministeriumssprecher.

Ungeachtet der Mängel aber werde die Staatsanwaltschaft nach aktueller Planung aufgrund des dringenden Raumbedarfs voraussichtlich in den kommenden Monaten die Teile des Gebäudes beziehen, die nicht aufgrund der Auswirkungen der Mängel in Gänze nicht nutzbar sind.

Mitarbeiter sitzen derzeit an Emder Straße

Eigentlich sollte der lang ersehnte Umzug von 50 Mitarbeitern der Anklagebehörde, die bisher größtenteils in der Außenstelle an der Emder Straße im früheren Polizeigebäude saßen, eigentlich schon zu Beginn dieses Jahres über die Bühne gehen.

Nach mehr als zehn Jahren immer wieder veränderter Planungen war im Frühjahr 2020 endlich Baubeginn an prominenter Stelle zwischen Auricher Schlossviertel und Hafen gewesen. Wie die Verantwortlichen vom Staatlichen Baumanagement im Oktober 2022 bei einem Ortstermin berichteten, ist der Neubau vollständig unterkellert. In den Keller, der nun offenbar die Probleme macht, sollen dreieinhalb Kilometer Akten und Asservate aus Strafverfahren eingelagert werden, die bislang im Garagentrakt der Außenstelle Emder Straße untergebracht waren.

Kein Termin für feierliche Eröffnung

Ob es eine feierliche Eröffnung, wie bei derart großen und kostenintensiven Bauten durchaus üblich, geben wird, werde erst „nach weiterer Konkretisierung der Planungen für den Teilbezug entschieden“, heißt es aus dem Ministerium.

Der Neubau ist gerade erst fertig, noch nicht einmal bezogen und schon ein Sanierungsfall: Wasser dringt in das Gebäude ein. Foto: Romuald Banik
Der Neubau ist gerade erst fertig, noch nicht einmal bezogen und schon ein Sanierungsfall: Wasser dringt in das Gebäude ein. Foto: Romuald Banik

Über das weitere Prozedere entscheide das Staatliche Baumanagement in Abstimmung mit dem Landesamt für Bau und Liegenschaften. Anfang Mai war bekannt geworden, dass der Neubau der Justiz noch teurer geworden ist als geplant. Der Haushaltsausschuss des niedersächsischen Landtages musste 735.000 Euro zusätzlich für Kostensteigerungen freigeben. Damit stiegen die Gesamtkosten auf nun elf Millionen Euro.

Massive Kostensteigerungen auf elf Millionen Euro

Die Steigerung sei unvorhersehbar gewesen, hieß es. Als Gründe wurden unter anderem zusätzlicher Bodenaushub, der Einsatz von Bautrocknungsgeräten und Heizlüftern in der Winterperiode und zusätzliche Komponenten beim Schließsystem und bei der E-Ladeinfrastruktur genannt, ebenso wie Lohn-, Material- und Preissteigerungen durch hohe Auslastung der Fachfirmen. Diese Faktoren seien bei der ursprünglichen Kostenberechnung nicht vorhersehbar gewesen, hieß es im Mai aus Hannover.

Insgesamt haben sich die geplanten Baukosten für das Gebäude an der Julianenburger Straße seit 2010 verdreifacht. Damals war einmal von 3,5 Millionen Euro die Rede, 2014 von 6,5 Millionen Euro, 2018 von 7,8 Millionen Euro, 2019 dann von 8,4 Millionen Euro, Ende 2021 von neun Millionen Euro und im Oktober 2022 von 10,5 Millionen Euro.

Landesamt soll Außenstelle nutzen

In der bisherigen Außenstelle, der früheren Auricher Polizeiwache an der Emder Straße, sollen nach bisherigen Plänen rund zwei Dutzend Räume vom Niedersächsischen Landesamt für Bezüge und Versorgung (NLBV) genutzt werden. Für den notwendigen Umbau wurden bereits mehr als 300.000 Euro beim zuständigen Finanzministerium angemeldet, hieß es bereits im Frühjahr 2022. Der Auricher NLBV-Standortleiter Kai-Michael Heinze bestätigte auf ON-Anfrage, dass wegen des Raumbedarfs der Behörde nach wie vor großes Interesse an den Räumen bestehe. „Aber wir warten geduldig“, so Heinze.

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