Videos aus der IGS in Moorhusen Laut Polizei zeigen Aufnahmen keine echte Gewalt
Im Juni kursierten Clips in digitalen Netzwerken, die Gewalt unter Schülern der IGS Marienhafe-Moorhusen zu zeigen schienen. Offenbar hatte der Schulleiter mit seiner ersten Einschätzung Recht.
Offenbar war alles ein großer Spaß. Die Videos, die im Juni über Instagram verbreitet wurden und Gewalttaten gegen Fünftklässler der IGS Marienhafe-Moorhusen zeigen sollen, sind nach Erkenntnissen der Polizei gestellt. Die Polizei hatte – wie berichtet – ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet, nachdem ihr die Videos zugeleitet worden waren. Im Internet waren diese nicht lange zu sehen gewesen.
Dass es bei dem Gefilmten tatsächlich um Körperverletzung gehe, könne die Polizei nicht bestätigen, sagte Sprecherin Wiebke Baden auf ON-Nachfrage. Es seien mehrere Personen ermittelt worden, die auf den Videos zu sehen waren. Sie seien befragt worden – und „der Verdacht einer Körperverletzung hat sich dabei nicht bestätigt“, so Baden. So bewerte es jedenfalls die Polizei – die Akte gehe noch zur Staatsanwaltschaft.
Zu einigen Punkten dauern Ermittlungen noch an
Auch der Betreiber des Instagram-Accounts, auf dem die Videos hochgeladen wurden, sei ermittelt worden, berichtete die Sprecherin. Ob und inwieweit das Hochladen Konsequenzen haben werde, sei noch Teil der Ermittlungen. Es gehe darum, ob das Recht am eigenen Bild möglicherweise verletzt worden sei.
Doch worum ging es denn nun bei den Videos? Laut Baden deutet alles darauf hin, dass es sich um eine Art Schaukämpfe gehandelt habe. Die Jugendlichen hätten die Gewaltszenen dargestellt, um sie in digitalen Netzwerken hochzuladen. Immer wieder gibt es im Netz Challenges, also herausfordernde Aufgaben. Große Aufmerksamkeit erlangte die Ice-Bucket-Challenge 2014, bei der Nutzer sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf schütteten.
Polizei: Keine weiteren Meldungen von Gewaltopfern
Diese Challenge sammelte damals Spendengeld zur Erforschung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Unter Jugendlichen gibt es immer wieder Challenges, die als Mutproben oder zur Selbstdarstellung fungieren.
Immerhin: Der mediale Wirbel, den die Nachricht von den Videos verursacht hat und in dessen Verlauf in digitalen Netzwerken auch von Mobbingvorfällen an der IGS Marienhafe-Moorhusen die Rede war, hat nicht zu einer Anzeigenwelle geführt. Im Zusammenhang mit dem Video sind laut Baden keine weiteren Meldungen über Gewalttaten eingegangen.
IGS-Leiter Kai-Dieter Hoop dürfte sich bestätigt fühlen. Er hatte gleich gemutmaßt, dass es sich um Schaukämpfe handeln könnte. Zum einen, weil der Vorwurf, Fünftklässler würden von Oberstufenschülern verprügelt, angesichts der verschiedenen Schulstandorte unwahrscheinlich war. Außerdem sei an der Schule bekannt, dass Schüler des achten Jahrgangs hin und wieder zum Spaß Scheinkämpfe veranstalten und sich dabei filmen lassen, sagte Hoop im Juni.