Freiwilligendienste im Fokus Vereinschef des MTV Aurich sorgt sich um Freiwilligendienst
Was Wilfried Theessen vom Auricher Großverein von den Kürzungsplänen der Bundesregierung hält. Freiwilligendienstler Frank Flessner blickt auf sein Jahr beim MTV.
Aurich – Der Vorsitzende des MTV Aurich, Wilfried Theessen, ist verärgert. Er kritisiert die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt für die Mittel der Freiwilligendienste.
Für 2024 sollen für diesen Posten rund 78 Millionen Euro eingespart werden. Damit ist Theessen überhaupt nicht einverstanden. Er stellt klar: „Wir kämpfen dafür, dass nicht gekürzt, sondern erhöht wird.“
Brief an Bundestagsabgeordnete
Deshalb hat er den hiesigen Vertreterinnen und Vertretern im Bundestag einen Brief geschrieben. Adressaten sind Johann Saathoff (SPD) und Gitta Connemann (CDU). Theessen schrieb: „Wir würden uns wünschen, dass es zu keiner finanziellen Kürzung im Bundesetat der Freiwilligendienste kommt“ und fordert stattdessen eine Erhöhung der Mittel.
Grund: Damit würde der Dienst für die Freiwilligen attraktiver, so Theessen. Der Sport habe in der Vergangenheit die Freiwilligendienste für die hiesigen Sportangebote sinnvoll genutzt. Der Einsatz der Bundesfreiwilligen (BFDler) sei für die Vereine sehr wertvoll. Seit 1989 bietet der MTV jungen Menschen die Möglichkeit, sich im Großverein zu engagieren. Den Anfang machte 1989 Volker Grendel. Er war der erste Zivildienstleistende beim MTV. Es folgten ab 2004 Jugendliche, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvierten. Danach folgten die BFDler.
Wertvolle Erfahrungen gemacht
Dazu zählt auch der Auricher Jannik Flessner, der seinen Freiwilligendienst kürzlich beim MTV beendet hat. Flessner kam im Sommer 2022 nach dem Abitur zum MTV. Einer, der den Verein schon kannte, weil er Basketball spielte und dort den Nachwuchs trainierte.
Flessners Bilanz zum Ende seiner einjährigen BFDler-Zeit fällt positiv aus. Er sagt im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten: „Während meiner Zeit lernte ich verschiedene Aspekte im Verein kennen. Dazu zählten die Büroarbeit in der Geschäftsstelle oder das Training mit den Kindern.“ Darüber hinaus leitete er an zwei Grundschulen Basketball-Arbeitsgemeinschaften. Er wurde in der Boulderhalle sowie bei verschiedenen Camps des Vereins, beim Freiheitsmarsch und beim Sparkassenlauf eingesetzt. Unterm Strich „viele neue Erfahrungen, die mir später im Leben helfen werden“, glaubt der 20-Jährige. Flessner erhielt als BFDler monatlich ein Taschengeld in Höhe von 320 Euro. Weil er noch zu Hause wohnte und mit dem Fahrrad unterwegs war, kam er damit über die Runden.
Stellen fallen weg
Theessen sagt, dass beide Seiten vom Bundesfreiwilligendienst profitieren. Eine Win-Win-Situation, die zukünftig in Frage gestellt wird. Werden die Kürzungspläne umgesetzt, dann dürfte sich die Anzahl der Freiwilligen künftig deutlich reduzieren, warnt Theessen. Experten rechnen damit, dass jede vierte Stelle wegfällt. Davon dürfte auch der MTV betroffen sein.
Der Nachfolger von Flessner steht schon in den Startlöchern. Zum 1. September tritt Jan Däublin in seine Fußstapfen. Ein Turner, der ebenfalls aus dem Großverein kommt. Die Finanzierung ist für dieses Jahr noch gesichert, sagt Theessen. Wie es dann weitergeht, das müssen die Etatberatungen zeigen. Zuvor wird sich wohl der Petitionsausschuss des Bundestags mit der Kampagne „Freiwilligendienst stärken“ im Herbst beschäftigen. Mehr als 90.000 Menschen haben diese Petition unterschrieben.
Ihr Motto: „Wir brauchen eine Stärkung und keine Streichung.“ Und Theessen ergänzt: „Eine angemessene Förderung der Freiwilligendienste im Sport und eine Wertschätzung der Arbeit unserer Freiwilligen ist überfällig.“