Urlaub in Ostfriesland  Zimmer in Auricher Hotels bleiben häufiger frei

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 19.07.2023 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Mitarbeiterin streicht eine Bettdecke in einem Hotelzimmer glatt. Die Übernachtungszahlen in Auricher Hotels sind im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Foto: DPA
Eine Mitarbeiterin streicht eine Bettdecke in einem Hotelzimmer glatt. Die Übernachtungszahlen in Auricher Hotels sind im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Foto: DPA
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Die Übernachtungen an der Küste sind eingebrochen. Auch in Aurich sind die Auswirkungen zu spüren. Doch eine Sache macht den Hoteliers dort Hoffnung.

Aurich - Es ist diesen Sommer ruhiger an der Küste. Das merken auch Auricher Hoteliers. „Es sind weniger Übernachtungsgäste als letztes Jahr“, sagt Mareike Zägel. Die Inhaberin des Hotels Stadt Aurich berichtet allerdings von schwankenden Belegungen. Kommende Woche sei ihr Hotel ausgebucht. Diese Woche sei es hingegen sehr ruhig. Viele Gäste würden ihren Aufenthalt erst kurzfristig buchen. „Das ist eher eine Momentaufnahme“, so Zägel. Als Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hört sie auch viel von ihren Kollegen.

Gerade an der Küste und auf den Inseln würden diese vermehrt über fehlende Gäste klagen. „Sie nennen bis zu 20 Prozent weniger Übernachtungen“, gibt Zägel weiter. Da dort sehr saisonal gearbeitet würde, wäre dies ein sehr starker Einbruch. Zwar würden viele Gastronomen durch die gestiegenen Preise einen guten Umsatz machen. Doch seien die Preise für Lebensmittel um 40 Prozent und für Personal um 30 bis 40 Prozent gestiegen. „Es bleibt viel weniger hängen“, so Zägel. Immer wieder müssten Betriebe genau schauen, welche Preise sie ihren Gästen noch zumuten können. Oder wann diese eher wegbleiben als sie zu bezahlen.

Aktionen und Wetter beeinflussen die Buchungen

Gerade dienstags und mittwochs klingele das Telefon wesentlich häufiger, wenn der Wetterbericht für das Wochenende gut sei. Bei regnerischen 15 Grad würden die spontanen Buchungen wegbleiben, so Zägel. Ihr persönlich ginge es mit dem Stadt-Hotel aber gut. Sie könne noch zufrieden sein. Das Urlaubshoch, in dem während Corona viele in Deutschland geblieben sind, sei aber vorbei.

Ähnliches berichten auch Mitarbeiter aus anderen Auricher Hotels, die namentlich nicht genannt werden möchten. Auch bei ihnen würde kurzfristiger gebucht, gerade Busreisen würden abnehmen. Henrike Kranz vom Altstadthotel Twardokus bezeichnet die Situation ebenfalls als stark schwankend. „Das Weinfest zieht immer. Da waren die Zimmer voll“, erzählt sie. Gerade Gruppen würden für wenige Tage anreisen. Insgesamt sei es aber ruhiger als vergangenes Jahr. „Alle wollen wegfliegen“, höre sie auch aus dem Freundeskreis. Gerade die Pauschalurlauber würde es jetzt wieder vermehrt nach Südeuropa ziehen. Im vergangenen Jahr seien sie wegen der Pandemie lieber im Inland geblieben.

Auricher Verkehrsverein sieht positiven Trend

Auch das Wetter spiele bei den Reisenden eine große Rolle, bestätigt Kranz. Ansonsten sei es schwer zu sagen, woran der Rückgang an Übernachtungen liege. Sicherlich würden auch die gestiegenen Kosten eine Rolle spielen. Es sei schwierig, sich auf die sich ständig ändernde Situation einzustellen. Für die Stammbelegschaft gebe es genügend Arbeit. Aushilfen würden eher spontan gerufen, wenn die Buchungszahlen steigen. „Wir wissen nie, was nächste Woche ist“, so Kranz.

Der Auricher Verkehrsverein hatte die Situation jüngst positiver bewertet. Touristiker Marco Bordasch sagte, dass die Urlaubswelle nach einem schwachen Frühjahrsgeschäft nun wieder an Fahrt gewinne. Allerdings sprach auch er die Kurzfristigkeit an, mit der Gäste ihre Übernachtungen buchen würden. Dementsprechend könne die Auslastung der Zimmer und Ferienwohnungen von Woche zu Woche variieren.

Familienfeste fallen kleiner aus

Insgesamt bietet Aurich 442 Betten in privaten Ferienwohnungen und 1271 Betten in Hotels. Auch Radtourismus sei ein großes Thema. Und der Urlaub mit dem Wohnmobil sei weiterhin im Trend, so Bordasch gegenüber den ON. Er könne keinen Trend zum Auslandsurlaub erkennen.

Unabhängiger von Wetter und Touristen ist der Auricher Lindenhof. Dort machen Geschäftsreisende 80 bis 90 Prozent der Gäste aus. „Unsere Befürchtungen, dass Geschäftsreisen nach Corona weniger werden, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet“, sagt Rica Best als Tochter der Inhaberin. Die Touristen am Wochenende könnten jedoch mehr sein, räumt sie ein. Montags und dienstags sei inzwischen Ruhetag. Denn das Cafégeschäft in der Woche könne belebter sein, so Best.

Doch die Veranstaltungen am Wochenende würden gut laufen. Allerdings würden Hochzeiten und andere Feste vermehrt in kleinerer Runde als früher gefeiert. „Wir sind aber froh, wenn sie überhaupt wieder stattfinden“, so die Gastronomin. Denn ihre Familie habe nach Corona eine neue Belegschaft eingestellt. Zwei Festangestellte und einen neuen Koch konnten sie für ihr Team gewinnen. Außerdem würden sie viele Bewerbungen von Schülern erhalten, die als Aushilfe arbeiten möchten.

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