Beginn der Ferien  Ansturm auf Auricher Urlaubsquartiere

| | 08.07.2023 14:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Marco Bordasch freut sich darüber, wie sehr die neu eröffnete Hafenkiste den Auricher Hafen belebt. Foto: Heino Hermanns
Marco Bordasch freut sich darüber, wie sehr die neu eröffnete Hafenkiste den Auricher Hafen belebt. Foto: Heino Hermanns
Artikel teilen:

Nach etwas verhaltenen Prognosen im Frühjahr rollt jetzt die Ferienwelle. Die Lust auf Urlaub sei ungebrochen, sagt Touristiker Marco Bordasch. Und in Timmel ist jetzt ein besonderes Wochenende.

Aurich/Großefehn – Dass die Leute ihr Geld zusammenhalten, war im Winter bis etwa Mai deutlich zu spüren. Der Ukrainekrieg und die Inflation sorgten für Unsicherheit. Die Debatte um Energiepreise und hohe Nachzahlungen sowie die Erwartung neuer Vorschriften für das Heizen taten ihr Übriges. Ostern sprachen die Touristiker rund um Aurich von einer Delle vor dem Sommer. Und so mancher Ferienwohnungsbesitzer wunderte sich, dass nach gut ausgelasteten Corona-Jahren plötzlich die Buchungen ausblieben.

Laut Marco Bordasch vom Auricher Verkehrsverein ist die Situation seitdem aber eine ganz andere. „Jetzt löst sich das. Die Reiselust ist wieder da, in allen Bereichen“, so der Tourismusfachmann. Was im Frühjahr an Buchungen fehlte, „das haben wir jetzt aufgeholt“. Für kommende Woche waren am Donnerstag noch zwei Ferienwohnungen aus dem Vermittlungspool des Verkehrsvereins frei. Der Rest ist belegt. Insgesamt bietet Aurich immerhin 442 Betten in privaten Ferienwohnungen und 1271 Betten in Hotels.

Nachholeffekt bei Geschäftsreisen

Auch die Jugendherberge sei ausgebucht. Und die Auricher Hotels, von denen zwei ihre Kapazitäten in den vergangenen Monaten deutlich erhöht haben, sind laut Bordasch weitgehend belegt. Das liege nicht nur an der Urlaubssaison, sondern auch am Revival der Geschäftsreise. Nachdem in der Corona-Zeit vieles per Video gemacht worden sei, fänden nun wieder sehr viele Seminare, Workshops und Konferenzen in Präsenz statt, so Bordasch. „Da ist ein deutlicher Nachholeffekt zu erkennen.“

Die Lust auf Urlaub dürfte aus seiner Sicht auch mit den im Juni ausgezahlten Inflationsausgleichsprämien für den öffentlichen Dienst und neuen Tarifabschlüssen in mehreren Branchen zu tun haben. Dass Aurich für jede Preiskategorie etwas anbieten könne, sei von Vorteil.

Bordasch: Urlaub ist für viele ein hohes Gut

Bei den Urlaubern sei zu erkennen, dass sie in diesem Jahr verstärkt spontan buchten. Somit habe das gute Wetter im Juni den Touristikern in die Karten gespielt. Auch Radtourismus sei ein großes Thema. Und der Urlaub mit dem Wohnmobil sei weiterhin im Trend. In der Coronazeit entdeckten viele diese Form des flexiblen Individualurlaubs. Anhand der Preise für gebrauchte Mobile sei zu erkennen, dass dieser Trend noch lange nicht gebrochen sei, sagt Bordasch.

Ruhe ist am Auricher Hafen angesagt. Foto: Neelke Harms
Ruhe ist am Auricher Hafen angesagt. Foto: Neelke Harms

Freizeit und Urlaub seien ein hohes Gut für die Menschen. „Das Produkt Urlaub ist sehr wichtig.“ Bevor daran gespart werde, kürzten viele lieber das Budget für Kleidung oder Essen. Dass nach dem Trend zum Deutschlandurlaub in der Corona-Zeit nun alle ins Ausland drängen, lasse sich in Aurich beim besten Willen nicht feststellen. Das Preisniveau habe durch die höheren Energiekosten und höhere Löhne angezogen, sagt Bordasch. Aber das sei an anderen Urlaubsregionen nicht anders. Auch Mallorca sei nicht mehr für den Preis von 2019 zu haben.

Wieder auf Rekordjagd

Apropos 2019: Das Vor-Coronajahr 2019 sei immer noch eine Referenz, so Bordasch. Doch der damalige Rekord wurde schon im vergangenen Jahr übertroffen. Und in diesem Jahr wohl wieder. Ein Plus für Aurich seien neben der Landschaft die Menschen.

Bordasch nennt als Beispiel den Müller in der Stiftsmühle, Chris Bleeker, der dort Führungen macht, sowie das Team der MS Aurich. Man merke, dass alle ihre Arbeit mit Herzblut machten. Sie seien nahbar, authentisch und freundlich. „In den zurückliegenden Jahren gab es nicht eine Beschwerde“, sagt Bordasch. Viele Urlauber aus der Großstadt freuten sich, wenn sie hier auf der Straße von jedem gegrüßt würden. „Ostfriesland ist persönlich statt anonym“, so der Auricher Touristik-Chef.

Baustellen: Ende in Sicht

Bei allem Jubel ist auch Selbstkritik ein Thema. Die Baustellen in der Innenstadt belasten seit Jahren die Außenwirkung. „Nun kann man aber wenigstens erkennen, wie die neue Fußgängerzone aussieht. Die Leute sehen, dass sich was tut und der Abschluss naht.“

Ähnliche Artikel

Ein weiteres Thema sei der Personalmangel in der Gastronomie. Aurich entwickle sich gastronomisch derzeit zwar sehr gut, sagte Bordasch und lobte die Anziehungskraft der Hafenkiste und die Neueröffnung von Angeboten in den Lohnen. Dass beispielsweise montags viele Lokale geschlossen seien, sei natürlich schade für Gäste. Aber es finde sich immer noch ein Angebot.

In Timmel gibt es Traditionsveranstaltungen und ein neues Angebot

Auch am Timmeler Meer ist man zufrieden mit der Buchungslage. „Bezüglich unseres Campingplatzes kann ich Ihnen mitteilen, dass wir bislang sehr zufrieden sind. Seit Ostern ist unser Platz sehr gut ausgelastet. Heute haben wir auch einen starken Anreisetag. Das Wetter spielt mit. Am Wochenende ist Hafenfest in Timmel und Live-Musik beim Pickup-Beachclub“, so Kerstin Fleßner, Leiterin der Großefehn Tourismus GmbH, am Freitag.

Der Großefehntjer Bürgermeister Erwin Adams (links), Kerstin Fleßner von der Großefehn Tourismus und Wilhelm Buschmann, Vorsitzender des örtlichen Dorfvereins, wandern durch die weiten Felder von Timmel. Foto: Wilfried Frerichs/Großefehn Tourismus
Der Großefehntjer Bürgermeister Erwin Adams (links), Kerstin Fleßner von der Großefehn Tourismus und Wilhelm Buschmann, Vorsitzender des örtlichen Dorfvereins, wandern durch die weiten Felder von Timmel. Foto: Wilfried Frerichs/Großefehn Tourismus

Timmel kann als Luftkurort punkten. Neu im Angebot ist seit Kurzem eine Terrainkur. Das Luftkurwandern macht sich die Landschaft, die Landschaftsform und die Bodenbeschaffenheit zunutze, um dadurch die Gesundheit der Menschen zu verbessern. Es ist nach Angaben der Großefehn Tourismus eine einfache Trainingsmöglichkeit, die Bewegung und Klimawirkungen miteinander kombiniert.

Vier unterschiedliche Wanderrouten in und um Timmel herum wurden entwickelt. Jeder Weg ist mit neuen Schildern ausgestattet worden und in einem Flyer sind unter anderem Streckenlänge und Dauer der Wanderung angegeben. Zudem gibt es eine Übersichtskarte mit den genauen Streckenverläufen. Die Routen sind zwischen 2,8 und 9,5 Kilometer lang. Die weiteste Strecke führt dabei bis nach Westgroßefehn. Bei der kürzesten Route wird der Wanderer entlang der Hafenpromenade, des Timmeler Meeres und der alten Seefahrtschule geführt.