Bundesjugendspiele  Urkunde mit besonderer Unterschrift sorgt für Segen und Qualen

| | 12.07.2023 15:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Eine Ehrenurkunde für die Teilnahme an den Bundesjugendspielen 1969/70, unterschrieben vom damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Foto: DPA
Eine Ehrenurkunde für die Teilnahme an den Bundesjugendspielen 1969/70, unterschrieben vom damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Foto: DPA
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Wie ehemalige Teilnehmer sich an die Bundesjugendspiele erinnern. Ihre Stärken und Schwächen und was das mit den Bundespräsidenten zu tun hatte.

Ostfriesland – Die Bundesjugendspiele sorgten in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen. Sie sollen im nächsten Jahr reformiert werden. Weniger Wettkampf und mehr Wettbewerb lautet die Devise.

Diese traditionelle Sportveranstaltung an deutschen Schulen hat sich bei ehemaligen Teilnehmern tief ins Bewusstsein eingegraben und weckt Erinnerungen. Das ergab eine ON-Umfrage.

„Da musste ich mich quälen“

Einige haben noch die Urkunden aufbewahrt, andere musste nicht lange überlegen, wo sie ihre Stärken hatten und welche Disziplinen ihnen nicht lagen. Und bei der Frage, wer denn die Urkunden unterschrieben hat, gab es auch unterhaltsame Antworten.

MTV-Chef Wilfried Theessen (rechts) zusammen mit Frank Lünemann. Foto: privat
MTV-Chef Wilfried Theessen (rechts) zusammen mit Frank Lünemann. Foto: privat

Über seine Paradedisziplin bei den Bundesjugendspielen in den 1960er-Jahren muss Wilfried Theessen, Vorsitzender des MTV Aurich, nicht lange überlegen. „Turnen war mein Ding. Da gab es immer die Ehrenurkunde“, erinnert sich Theessen, „auch deshalb, weil ich voll motiviert war.“ Das galt nicht unbedingt für die leichtathletischen Disziplinen. Theessen räumt ein: „Da musste ich mich quälen.“ Unterm Strich viel Segen und etwas Fluch garniert mit Urkunden. „Die habe ich aufbewahrt und sie trugen die Unterschriften der damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke und später Gustav Heinemann.“ Namen, die viele erst einmal googeln müssen, weil sie kaum noch einer kennt. Später als Lehrer hat Theessen die Bundesjugendspiele vor Ort organisiert und bilanzierte: „Sie waren eine gute Sache. Ich halte den Wettkampf für wichtig, damit Kinder gewinnen und verlieren lernen. Das gehört einfach zum Leben dazu.“

Flott unterwegs

Für Signe Foetzki von der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse waren die Bundesjugendspiele Ende der 1970er-Jahre immer ein Freudentag. „Die haben mir Spaß gemacht und ich habe mich darauf gefreut.“

Signe Foetzki (rechts) von der Ostfriesischen Brandkasse. Foto: Romuald Banik
Signe Foetzki (rechts) von der Ostfriesischen Brandkasse. Foto: Romuald Banik

Leichtathletik sei ihr Steckenpferd gewesen. Besonders der Sprint. „Da war ich flott unterwegs“, so die gebürtige Hannoveranerin. Am Ende des Tages standen reichlich Punkte auf der Ehrenurkunde. Mit der Unterschrift des Schuldirektors oder eines Bundesministers? So ganz sicher ist sich Foetzki nicht. „Es muss wohl jemand mit viel Lametta auf den Schultern gewesen sein“, weist sie in die richtige Richtung. Dass es der amtierende Bundespräsident war, überraschte sie. Zu ihrer Schulzeit war es Karl Carstens, ein volksnahes Staatsoberhaupt, das sich durch seine Wanderungen einen Namen machte.

Vorliebe für die Leichtathletik

Der Emder Uwe Groothuis, Bezirksligatrainer der SpVg Aurich, räumt seinen Schwachpunkt bei den Disziplinen ein: „Das Werfen war nicht so meins. Dafür war ich beim Sprint und Springen vorne mit dabei.“

Uwe Groothuis, Trainer der SpVg Aurich. Foto: Wilfried Gronewold
Uwe Groothuis, Trainer der SpVg Aurich. Foto: Wilfried Gronewold

Kein Wunder, der frühere niedersächsische Fußballer des Jahres 1991 hat eine Vorliebe für die Leichtathletik. „Das war schon als Jugendlicher so und heute schaue ich mir gerne Leichtathletik im Fernsehen an.“ Darüber hinaus schreckt der 69-Jährige auch vor langen Radtouren mit seiner Frau nicht zurück. Manche Touren sind 40 bis 50 Kilometer lang. „Mit einem normalen Rad und nicht mit einem E-Bike“, sagt er voller Stolz. Gleichwohl staunt er nicht schlecht, wenn ihn ältere Herrschaften ohne viel zu treten mit einem E-Bike überholen.

Mirko Hellmers, Fußballobmann Germania Wiesmoor. Foto: Helmut Vortanz
Mirko Hellmers, Fußballobmann Germania Wiesmoor. Foto: Helmut Vortanz
Wundern musste sich auch Mirko Hellmers, Fußballobmann von Germania Wiesmoor, dass er als Schüler keine Bundesjugendspiele an seiner Schule erlebt hat.

Es ging auch ohne Bundesjugendspiele

„Die wurden bei uns nie angeboten, aber ich kenne sie. Ich finde sie wichtig, weil damit auch Grundtechniken wie Springen oder Werfen bei den Kindern gefördert werden. Wobei einmalig nicht ausreicht, es sollte schon nachhaltig sein.“

Hellmers zog einen Vergleich zum Fußballtraining und meint: „Ein oder zwei Übungseinheiten reichen einfach nicht. Die Kinder sollten auch zwischendurch zu Hause spielen, damit sie schießen und dribbeln üben.“ Auch wenn Hellmers sich nie bei den Bundesjugendspielen ausprobieren konnte, so hat er doch seine Lieblingsdisziplinen in der Leichtathletik. „Ich war im Sport und beim Sportabzeichen gut in den Wurfdisziplinen, auch das Laufen über 3000 oder 5000 Meter lag mir.“ Seine Schwächen lagen im Sprint und beim Springen.

Beliebte Herausforderung

Sven Rohl, Spartenleiter Ju-Jutsu TuS Aurich-Ost. Foto: Helmut Vortanz
Sven Rohl, Spartenleiter Ju-Jutsu TuS Aurich-Ost. Foto: Helmut Vortanz
Für Sven Rohl, Ju-Jutsu-Spartenleiter TuS Aurich-Ost bewertet die Bundesjugendspiele im Rückblick positiv. Er meint: „Ich habe sie als sportlichen Wettkampf empfunden. Da ich gerne Herausforderungen annehme und auch damals schon gerne Sport betrieben habe, habe ich auch gerne daran teilgenommen.“Sprinten war seine Disziplin. Da holte er die meisten Punkte. In den übrigen Disziplinen seien seine Leistungen eher durchschnittlich gewesen, so Rohl.

Seine Urkunden von damals seien kurzfristig nicht auffindbar, sie lägen wohl irgendwo gut verstaut, schmunzelt er. In Sachen Unterschrift war er sich nicht sicher. Er tippte auf die Schulleitung. Viel wichtiger als die Signatur war die Art der Urkunde. Am liebsten die Ehrenurkunde. Und die trug den Namen des Bundespräsidenten.

Die Sache mit Gerhard Stoltenberg

Der Langefelder Boßler Hartmut Raveling musste schon etwas überlegen, welche Unterschriften auf seinen Urkunden zu lesen sind. Er tippte auf die Signatur der Landeskultusminister. Spontan fällt ihm Gerhard Stoltenberg ein. Ein interessanter Tipp, aber leider daneben. Der Blick auf die Urkunden half dann weiter. Dort standen dann die bisweilen kryptischen Zeichen der Bundespräsidentennachnamen. „Meistens hat es für die Ehrenurkunde doch noch gereicht. Ich fand die Bundesjugendspiele waren eine klasse Sache. Besonders Schlagball war meine Disziplin.“

Die Bundesjugendspiele legten bei Raveling die Lust auf weitere Wettbewerbe. Besonders das Sportabzeichen stand bei ihm, der Familie und einigen Freunden hoch im Kurs. „Und dabei gab es Disziplinen, die einem lagen und andere weniger. Wie im wahren Leben“, so Raveling, da sei auch nicht alles super.

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