Zwei Angriffe auf Weidetiere Kälber in Ihlow wahrscheinlich von Wolf gerissen
Am Donnerstag fand ein Landwirt in Westersander zwei frisch geborene Kälber ausgeweidet vor. Die Gutachter gehen von einem Wolf als Verursacher aus. In Suurhusen wurden mehrere Pferde angegriffen.
Ihlow/Hinte - Am vergangenen Donnerstag wollte Gerald Gronewold eigentlich eine trächtige Kuh von seiner Weide in Westersander holen, um sie drei Wochen vor dem Geburtstermin schon mal bei sich auf dem Hof zu haben. Auf der Weide entdeckte er dann aber zwei frisch geborene Kälber, die völlig ausgeweidet waren.
Die Riss-Sachverständigen der Landwirtschaftskammer gehen laut Kammersprecher Wolfgang Ehrecke nach der vorgefundenen Spurenlage von einem Wolfsübergriff aus. Eine offizielle Bestätigung liegt dem Landwirt aus Westersander aber noch nicht vor. Deshalb hält er sich mit Aussagen zum Verursacher derzeit zurück, geht aber selber auch von einer Wolfsattacke aus.
Den Angriff knapp verpasst
Laut Gronewold kam die Geburt der Kälber für ihn überraschend. Er sei am Abend vorher noch auf der Weide gewesen und habe dann beschlossen, dass er die Kuh am nächsten Tag holen werde. Bei Zwillingsgeburten sei es aber nicht ungewöhnlich, dass die Kälber ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Termin geboren werden. In diesem Fall sei es aber drei Wochen zu früh gewesen.
Nach Einschätzung des Landwirts sind das schwarz- und das rotbunte Kalb in den frühen Morgenstunden auf die Welt gekommen. „Um 9 Uhr war ich auf der Weide. Ich habe den oder die Wölfe wohl knapp verpasst.“
Kehlbiss und völlig ausgeweidet
Die Sachverständigen hätten DNA-Proben genommen. Bei dem rotbunten Kalb hätten sie ihm gegenüber gesagt, dass die Spurenlage ganz nach Wolf aussehe. Bei diesem Kalb habe es auch einen Kehlbiss gegeben. Bei dem schwarzbunten Kalb sei die Spurenlage nach Einschätzung der Experten nicht ganz so eindeutig, so Gronewold: „Aber wenn es fünf Meter von dem anderen entfernt liegt, wird das wohl zusammenhängen.“ Auffällig sei, dass beide Kälber völlig ausgeweidet gewesen seien. Aus seiner Sicht spreche das gegen einen Fuchs, denn für den wäre die Menge zu viel gewesen.
Er könne letztlich nicht mit Bestimmtheit sagen, dass beide Tiere lebend zu Welt gekommen seien. Laut den Gutachtern könne man dies normalerweise an der Lunge feststellen, so Gronewold. Da die aber fehle, sei dies nicht mehr so einfach. Dass ein Kalb einen Kehlbiss aufweist, deutet der Landwirt aber als Hinweis, dass dieses Tier gerissen wurde.
Keine Panik beim Rest der Herde, aber Sorge
Insgesamt seien 18 Tiere auf der Weide, mehrere davon trächtig. Die Herde und auch die Mutterkuh seien trotz des Übergriffs ruhig. Panik habe es allem Anschein nach nicht gegeben. „Hier ist auch nicht gehetzt worden“, so Gronewold. Verkalbt habe erfreulicherweise keine der anderen Kühe. Nun hoffe er, dass der Wolf nicht weiter auf die Herde aufmerksam geworden sei. Denn selbst auf dem Hof, der einen Kilometer von der Weide entfernt sei, könne er die Tiere kaum hundertprozentig wirksam schützen.
Er fahre nun sehr regelmäßig zur Kontrolle hin. Es sei schon ein großer Unterschied, ob man die Bilder kenne und wisse, dass Wölfe in der Nähe sein könnten, oder ob man vor seinen toten Tieren stehe und sehe, dass ein Wolf da sei. Die Lage am Ihlower Wald sei mit den Weiden drumherum natürlich auch bestens geeignet. Der Landwirt ist in Sorge, weil die Wölfe nach seiner Einschätzung schnell dazulernen. „Wenn man jetzt über die Felder schaut, ist man bei jeder Bewegung, die man wahrnimmt, alarmiert.“
Zweite Attacke auf mehrere Pferde in Hinte in diesem Jahr
Das sind auch die Pferdehalter im Bereich Hinte/Krummhörn. Nachdem im März mehrere Tiere in Longewehr angegriffen und verletzt worden sind, geht die Sorge um. Am Sonntag gab es nun einen weiteren Übergriff auf mehrere Pferde in Suurhusen. Fünf Tiere wurden verletzt – eines so schwer, dass es in einer Klinik behandelt wird.
Laut dem Sprecher der Landwirtschaftskammer waren die Gutachter am Sonntag vor Ort. Das Spurenbild war für sie aber nicht so eindeutig, dass sie sich schon festlegen wollen. „Ein stärker verletztes Pferd befand sich zum Zeitpunkt der Rissaufnahme bereits zur Behandlung in einer Tierklinik, vier weitere Pferde wiesen leichtere Verletzungen auf. Die vor Ort festgestellte Spurenlage deutet auf einen Übergriff durch ein fremdes Tier hin, die Spuren werden aber zurzeit noch ausgewertet. Das Ergebnis der genommenen Genetikproben steht noch aus. Der Fall ist entsprechend noch in Bearbeitung“, so Ehrecke.