Tourismuskonzept für Tannenhausen Kritik an Parkgebühren am Badesee
Einige Bürger brachten bei einer Infoveranstaltung am Mittwoch ihre Positionen vor. Es gibt neben Kritik eine Menge Ideen für Schlechtwetter-Angebote.
Tannenhausen - Nachhaltiger und saisonunabhängiger soll es künftig am Badesee in Tannenhausen zugehen. Die Anwohner seufzen oft unter dem sommerlichen Ansturm. Es gibt den Wunsch, dort auch im Winter etwas anzubieten, damit die Anlage, die die Stadt jährlich rund 200.000 Euro kostet, besser ausgelastet wird und damit sich bei gleichmäßigerer Besucherpräsenz vielleicht auch im Bereich Nahversorgung etwas tut.
Am Mittwoch konnten sich die Auricher über die bisherigen Ideen informieren. Und sie durften auch noch Positionen einbringen. Einige sehen gerade bei der Zahl der Parkplätze und der Höhe der Gebühren Hemmschuhe für die Entwicklung.
Klage über wildes Parken
Seit einigen Jahren verlangt die Stadt Aurich auch am Badesee in Tannenhausen Parkgebühren. Das reduziert aus Sicht einiger Unternehmer in dem Bereich die Attraktivität des Angebots und steht den Zielen des neuen Tourismuskonzepts entgegen. Denn geplant ist, dass die Saison am Badesee nicht mit der Schönwetterphase endet. Mike Janßen vom Sportpark schilderte, wie immer wieder Autofahrer die gebührenpflichtigen Parkplätze meiden und auf Parkflächen der Anlieger ausweichen. Er schlug vor, wenigstens den Anfangssatz für Kurzbesucher zu verringern. Bislang werden für die erste Stunde zwei Euro verlangt, für die zweite weitere zwei.
Martin Flessner von der Wakeboard-Anlage kritisierte, dass die Randbereiche des Mehrzweckgeländes zu selten als Parkplatz freigegeben würden. Da führe dazu, dass Autofahrer bei einem Ansturm „illegal“ parken.
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Flessner und seine Geschäftspartner Julian Berg und Gerrit Poppinga kritisierten auch die Höhe der Parkgebühren. Wer regelmäßig mit Sack und Pack zum Wakeboarden komme, sei in der Woche leicht 25 Euro oder mehr los. Und wer in der Nebensaison nur mal etwas trinken wolle, wolle auch keine fünf Euro Tagessatz auf einem ansonsten leeren Parkplatz zahlen.
Ideen für die Nutzung in Herbst und Winter
Folgende Ideen wurden gesammelt, um im Herbst und Winter sowie bei schlechtem Wetter im Sommer etwas für Besucher anbieten zu können. Über das Ideenstadium sind die Vorschläge aber noch nicht hinaus. Ziel muss es laut Marco Bordasch vom Verkehrsverein sein, Angebote für die ganze Familie zu schaffen: Trimm-dich-Pfad, Fitnessstation, Bewegungsparcours, Minigolfanlage, überdachter Soccerplatz, Skatebahn, (mobile) Eisbahn als Winterangebot, Indoorspielplatz oder zumindest überdachte Spielareale, Kegeln oder Bowling. Für die Erweiterung des bislang ausschließlich von Ferienwohnungen geprägten Beherbergungsangebots wurden Tipis, Finnhüten, Tiny Houses, Glamping – also luxuriöses Camping – vorgeschlagen. Ein Wohnmobilstellplatz mit 45 Plätzen ist in Vorbereitung. Für ein umfangreiches Camping-Angebot fehlt es laut Bordasch an geeigneten Flächen. Die derzeit nicht genutzten Gastrobetriebe – die Seeterrassen und der frühere Tannenhausener Hof – sollen nach dem Willen der Bürger wieder touristisch belebt werden. Die Seeterrassen stehen derzeit zum Verkauf. Ein Gespräch der Stadt mit dem Eigentümer des Tannenhausener Hofs steht noch aus.
Helmut Lücht vom Auricher Ordnungsamt hielt dagegen: Während das Parken etwas koste, seien alle anderen Angebote der Stadt dort kostenlos. Die Parkgebühren seien eingeführt worden, um das Defizit zu verringern. Und bislang hätten allenfalls positive Rückmeldungen das Ordnungsamt erreicht, noch keine Beschwerde. Besucher meldeten eher zurück, dass sie angesichts des großen kostenlosen Angebots gern bereit seien, für das Parken etwas zu zahlen. Flessner konterte, dass die Stadt das Defizit auch durch Kostenreduktion in den Griff bekommen könne. Poppinga kritisierte zudem, dass die Stadt einen Beitrag zur Attraktivierung in der Randsaison leisten könne, indem die Gastronomie im Mehrzweckgebäude dann auch noch geöffnet bleibe.
Kritik an Verkehrsführung
Ansonsten meldeten sich Auricher zu Wort, denen es zu wenig Hundekotbeutelspender und zu wenig Mülleimer gibt. Zudem wurde vorgeschlagen, den Tempo-60-Bereich auf der Dornumer Straße, der bislang auf Höhe des Fröhlingswegs endet, bis zur Einmündung der Dietrichsfelder Straße zu erweitern. Auch solle der Fahrrad- und Fußgängerweg an der Straße Stürenburgweg bis mindestens zur Einmündung Am Stadion verlängert werden. Angesichts der vielen Verkehrsteilnehmer gebe es oft Gefahren für Radfahrer und Fußgänger. Tempo-30-Bereiche sollen optisch hervorgehoben werden. Auch bauliche verkehrsberuhigende Maßnahmen wurden diskutiert.
Es soll außerdem ein digitales Parkleitsystem entwickelt werden. Für Veranstaltungstage auf dem Mehrzweckgelände ist Park-and-ride gewünscht.
Eine neue Forderung: Dauerwohnen im Ferienhausgebiet
Ende April hatte schon ein Workshop in Tannenhausen stattgefunden. 450 Handzettel waren an die Haushalte in der Umgebung des Sees verteilt worden. Eine Reihe von Ideen wurde schon damals zusammengetragen. Nun gab es Klagen, dass die Vermieter von Ferienwohnungen, die zum Teil weit entfernt wohnen, nicht explizit angeschrieben und eingeladen worden seien. Ortsbürgermeisterin Gerda Küsel beteuerte, dass ihr die Adressen nicht vorlägen. Auch Marco Bordasch vom Verkehrsverein musste passen: Er habe nur einen Teil dieser Vermieter in der Kartei.
Einige Vermieter äußerten nun also Wünsche. Dabei ging es beispielsweise um Lärmschutz. Zum einen darum, dass die abendlichen Schlusszeiten für Musik eingehalten werden. Aber auch das Motorsport-Areal auf dem Mehrzweckgelände müsse als Emissionsquelle berücksichtigt werden. Eine andere Ideenkarte forderte die Zulassung von Dauerwohnen im Feriengebiet.
Straßenausbaubeitragssatzung war Thema
Auch die Straßenausbaubeitragssatzung war Thema: Möglicherweise wird sie in Aurich bald abgeschafft. Anlieger wiesen aber darauf hin, dass sie nicht beim Ausbau von Straßen zahlen wollen, die durch den Gästeverkehr am See in ihren jetzigen Zustand gekommen sind.
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Eine Reihe von Vorschlägen zur besseren Beschilderung der Angebote und Verkehrswege, zu der Beschilderung der Naturangebote, zu einer kleinen Tourist-Info vor Ort, zum Ausbau der Rad-Abstellmöglichkeiten inklusive Lademöglichkeiten und Überdachungen sowie zur Prüfung von Photovoltaikflächen liegen zudem vor. Und nicht zuletzt werden eine bessere Anbindung an den ÖPNV sowie eine Einkaufsmöglichkeit im Ort sehnlichst herbeigesehnt.