Auswirkungen in Norden und Umzu Rettungsdienst braucht wegen UEK-Herabstufung mehr Personal
Die geplante Umwandlung des Norder Krankenhauses wird dem Kreis-Rettungsdienst mehr Arbeit bescheren. Es werden mehr Rettungswagen benötigt. Doch Leiter Marcel Schäfer sieht den Betrieb gut gewappnet.
Aurich/Norden - Dass die geplante Herabstufung des Norder Krankenhauses zu einem sogenannten Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) auch für den Rettungsdienst des Landkreises Aurich erhebliche Veränderungen bedeutet, daraus machte Marcel Schäfer am Donnerstag gar keinen Hehl. Im zuständigen Betriebsausschuss gab sich der Geschäftsführer jedoch alle Mühe, den Kritikern des Vorhabens den Wind aus den Segeln zu nehmen – zumindest aus Rettungsdienst-Perspektive. Schäfer erklärte, dass der Kreis-Rettungsdienst ohne Zweifel künftig mehr Rettungswagen und mehr Personal brauche. Das sei vor allem deshalb notwendig, weil die Transportwege für Patienten aus dem Norder Raum länger werden, erklärte einer der Geschäftsführer des Kreis-Rettungsdienstes, Marcel Schäfer am Donnerstag im zuständigen Betriebsausschuss.
Außerdem rechne man mit mehr Einsätzen, da mutmaßlich mehr Menschen aus dem Norder Raum einen Rettungswagen rufen statt in die Notaufnahme der Klinik zu gehen. Man werde mehrere neue Fahrzeuge anschaffen. So werden laut Schäfer im Spätsommer drei Mehrzweckfahrzeuge ausgeliefert. Darüberhinaus wurden vier weitere sogenannte Notfallkrankentransportwagen (NKTW) bestellt, die vor allem an den Rettungswachen in Norden und Moordorf eingesetzt werden sollen.
30 bis 40 weitere Mitarbeiter benötigt
Insgesamt brauche man wohl 30 bis 40 zusätzliche Mitarbeiter, so Schäfer. Bis zum Herbst sollen zehn Notfallsanitäter und neun Rettungssanitäter eingestellt werden.
Weitere Stellenausschreibungen laufen, es gebe ausreichend Bewerbungen, da der Kreis-Rettungsdienst als attraktiver Arbeitgeber angesehen werde, so Schäfer.
Desweiteren werde man reine Krankentransporte, etwa für Katheterwechsel, Dialyse oder Wundversorgung, die Schäfer auch als „reine Taxifahrten“ bezeichnete, stärker an andere Unternehmen auslagern. Dadurch werden laut Schäfer Kapazitäten für die wirklichen Notfälle frei.
Schäfer betonte zugleich, dass es durch die Umwandlung der UEK Norden nicht mehr Notfalleinsätze geben werde. Der Rettungsdienst richte sich stets nach Patienten aus, nicht nach Klinikstandorten. „Patienten werden weiterhin in die nächstgelegene und geeignete Klinik gebracht“, betonte Schäfer. Bereits heute werde immer das Krankenhaus angefahren, das für die Behandlung am besten geeignet und am schnellsten erreichbar sei. Von insgesamt knapp 12.800 Rettungsdienst-Transporten der Rettungswachen Norden, Nesse und Pewsum im Jahr 2022 seien rund 46 Prozent in die UEK Norden gegangen. Im Umkehrschluss wurden also 54 Prozent der Patienten nicht ins Norder Krankenhaus gebracht, betonte Schäfer. In der Stadt Norden waren es immerhin 4734 von 8908 Einsätzen im Jahr 2022.
Hilfsfrist wird in fast allen Fällen eingehalten
Die Einhaltung der sogenannten Hilfsfrist habe für den Kreis-Rettungsdienst höchste Priorität. Das bedeutet, dass ein Rettungswagen innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort sein müsse. Diese Frist halte man im Durchschnitt in 95 bis 97 Prozent der Fälle ein, betonte Schäfer. Er erklärte außerdem, die Rettungswagen des Landkreises seien „wie ein kleines Krankenhaus“ ausgerüstet. „Da kann man alles machen, bis hin zur Beatmung“, so Schäfer. Man lege viel Wert darauf, dass die Technik immer auf dem neuesten Stand sei.
Beim Kreis-Rettungsdienst wird laut Schäfer eine „Mehrzweckstrategie“ verfolgt. Heißt: Täglich sind 19 Mehrzweckfahrzeuge im Einsatz, die zu verschiedenen Zwecken genutzt werden können. Das gewähre größere Flexibilität bei besonderen Herausforderungen wie akuten Personalausfällen oder größeren Ereignissen wie Massenunfällen. Laut Rettungsdienst-Chef Schäfer wurde außerdem ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, das untersuchen soll, wie sich die Umwandlung des Norder Krankenhauses auf den Rettungsdienst in Norden auswirkt. „Die schauen sich Einsatzzahlen und Zeiten sowie die Einhaltung der Hilfsfrist genau an“, so Schäfer.
Bei der Umwandlung der UEK Norden sei man in enger Abstimmung mit der Klinik-Trägergesellschaft. Dafür sei eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet worden, so Schäfer. Ab 1. Juli, wenn die Umwandlung beginnen soll, solle es eine monatliche Evaluierung, also eine Überprüfung der Maßnahmen, geben, versprach Marcel Schäfer den Kreispolitikern.